Textile Vergangenheit, neuer Glanz:Erste Ideen für den Werth

Blick auf den Barmer Werth, im Vordergrund Narzissen
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Zur zweiten Bürgerbeteiligungsveranstaltung zur Neugestaltung des Werth in Barmen waren am Donnerstag, 8. März, Interessierte eingeladen. Thema des Abends war die Vorstellung erster Entwürfe der vier Planungsteams, die sich in einem innovativen Pilotprojekt um die Neugestaltung des Werth bewerben.

Auf eben dieses Pilotprojekt "Wettbewerb plus Bürgerbeteiligung" wies Dezernent Frank Meyer in seiner Begrüßung hin. Es sei eine große Chance für alle Anlieger, Einzelhändler und Nutzer der Barmer Fußgängerzone, sich in dem neuen Verfahren aus Wettbewerb und Bürgerbeteiligung mit eigenen Anregungen, Wünschen, Ideen in die Planung einzu-bringen.

Dipl.-Ing. Markus Rathke, Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten (BDA) in Wuppertal, übernahm die Aufgabe, die anonymisierten ersten Ideen der Planungsteams vorzustellen. Nach der Zwischenpräsentation am Donnerstag haben die Büros nun Zeit, ihre Ideen weiter zu konkretisieren.

Nächster Termin mit Bürgerbeteiligung ist der 7. Juni: Dann stellen die Teams ihre endgültigen Entwürfe öffentlich vor und zur Diskussion. Im Anschluss daran entscheidet das Preisgericht, wer mit der Umsetzung beauftragt werden soll. Die Umsetzung der Planungen soll nach Bewilligung der Fördermittel ab 2020 starten.

Für die Neugestaltung des Werth stehen insgesamt rund vier Millionen Euro Fördermittel bereit. Ziel der Neugestaltung soll es ein, die Haupteinkaufsstraße in Barmen zeitgemäß zu modernisieren und damit den Einzelhandel, die Gastronomie und den Wohnstandort Fußgängerzone zu stärken. Gleichzeitig soll die Aufenthaltsqualität besonders für Familien mit Kindern in der Innenstadt verbessert werden und die Bedeutung des Innenstadtbereichs für den Stadtteil erlebbar gemacht werden.

Laufsteg und Nachhaltigkeit

Die Ideen der Planungsbüros, die sich jeweils aus Stadt- und Landschaftsplanern und Lichtdesignern zusammensetzen, waren dabei sehr vielfältig:

Team A möchte in der Barmer Innenstadt einen "Kulturteppich" ausrollen, der "Laufsteg und Lebensader" ist und "Lichtkunst" mit einschließt. Die Vorstellung dieses Büros: Die Straße wird durch eine neue Pflasterung und Licht zur Flaniermeile, auf den Plätzen ist Platz für Veranstaltungen, die Seitenstraßen werden mit inszeniert. Die Pflasterung als "Teppich" soll die textile Vergangenheit Barmens thematisieren.

Erste Reaktion der Jury-Mitglieder: Den großzügigen Werth als Bühne zu inszenieren, sei goldrichtig, allerdings dürfte bei aller Begeisterung für den Werth als Laufsteg die Alltags-Aufenthaltsqualität nicht vergessen werden.

Team B setzt mit seiner Grundidee auf Nachhaltigkeit: Die Planer möchten Vorhandenes weiter nutzen und neu interpretieren. Sie schlagen ein "Up-Cycling in Werth" vor und möchten den Geschwister-Scholl-Platz für Spiel und Freizeit, die Werther Brücke als "Schaufenster" für den Einzelhandel und den Johannes-Rau-Platz als repräsentativen Veranstaltungsort nutzen. Dabei würde - auch mit Blick aufs Budget - das Pflaster in der Fußgängerzone aufgenommen, gereinigt und die gleichen Steine neu verlegt. Lichtpunkte und historische Leuchten sollen Vergangenheit und Aktualität repräsentieren.

Die Jury-Mitglieder lobten hier den Respekt vor bereits Vorhandenem, waren aber dem Licht-Konzept gegenüber kritisch. Auch aus dem Publikum wurden Zweifel laut, ob das alte Pflaster tatsächlich wieder verwendet werden sollte.

Pflanzen und zentrales Band

Team C möchte den breiten Werth in einzelne Zonen unterteilen, in denen Nutzer eine Laufstrecke haben, die seitlich von Aufenthaltsflächen und Zonen für Handel und Gastronomie flankiert wird. Mit hellem Bodenbelag und unterschiedlicher Beleuchtung möchte dieses Team den über 600 Meter langen Werth in einzelne Segmente unterteilen und so abschnittsweise erlebbar machen. Statt einer festen Begrünung durch Bäume sollen mobile große Pflanzkübel mit blühenden Pflanzen eine angenehme Atmosphäre schaffen.

Die Jury-Mitglieder lobten den anderen Blick auf Funktion und Nutzung der Fußgänger-zone und den Einsatz von Pflanzen fürs Wohlbefinden der Nutzer. Kritisiert wurde ein fehlendes Leitmotiv für diese Umgestaltung.

Bei Team D bildet der Werth ein zentrales Band, positioniert zwischen Nordbahntrasse und Wupper. Ziel dieses Entwurfs ist es, die Fußgängerzone sowohl zur Nordbahntrasse hin als auch zur Wupper zu öffnen und als zentralen Einkaufs- und Erlebnisort zu präsentieren. Für die Gestaltung wurde auch wieder die textile Vergangenheit bemüht: Nach Vorstellung von Team D sollen Textilien als Leitmedium dienen und überall auf dem Werth sichtbar sein: Mit einheitlichen Markisen, Sonnen- und Windschirmen, textilen Werbebannern und einer einheitlichen Möblierung. Seilpendelleuchten sollen die bestehende Beleuchtung ergänzen, einzelne Bauwerke wie das Rathaus sollen durch Beleuchtung neu in Szene gesetzt werden.

Seitens der Jury-Mitglieder wurde kritisiert, dass der Entwurf noch zu wenig konzeptuell sei, Kinderfreundlichkeit und Funktionalität noch mehr herausgearbeitet werden müssten.

Auch im weiteren Verlauf des Verfahrens haben alle Interessierten die Möglichkeit, weiter Anregungen und Ideen einzubringen. Die Büros sollen diese Anregungen auf-greifen und in ihren Entwürfen berücksichtigen. Infos dazu gibt es auch online unter www.wuppertal.de

Nächster Termin ist am Donnerstag, 7. Juni, ab 16 Uhr, wenn die Wettbewerbs-Entwürfe bei einer weiteren Bürgerbeteiligung in der Concordia am Werth öffentlich vorgestellt werden.

09.03.2018