Die Nordbahntrasse

Menschen auf der Nordbahntrasse
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Eine Bahnstrecke wird zu einem innerstädtischen Geh-, Rad- und Inlinerweg

Vorgeschichte

1999 fuhr der letzte Zug auf der 1879 eröffneten Rheinischen Strecke durch Wuppertal. 20 km der ehemals 2-gleisigen, 73 km langen Bahnstrecke von Düsseldorf nach Dortmund verlaufen durch den Norden der Stadt, in direkter Nähe zu den Zentren Elberfeld und Barmen. Die bewegte Topographie erforderte vielfältige Kunstbauwerken: 7 Tunnel (der längste mit 722 m), 4 große Viadukte (bis zu 280 m lang und 20 m hoch, siehe Foto), 19 Brücken, sowie über 220 Stützbauwerke. Ende der 1980iger Jahre hat die Verwaltung erste Überlegungen für die Umnutzung als Freizeitweg angestellt, ferner gab Pläne für eine Landesgartenschau im Trassenumfeld. 2003 wurde ein erstes Teilstück ins Landesförderprogramm Radwege aufgenommen. Aufgrund fehlender Eigenmittel kam es aber nicht zur Umsetzung.

Pflasterarbeiten
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Die Wuppertalbewegung kommt ins Spiel

Die Projektidee erhielt 2006 nach Gründung des Vereins Wuppertalbewegung (WB) große Aufmerksamkeit und neuen Schwung. Im Mai 2006 legte die WB eine Machbarkeitsstudie vor, regte eine Finanzierung mit EU-Mitteln und einzuwerbenden Spendengeldern an und wollte sich als Bauherr und späterer Betreiber der Trasse engagieren.

Der Rat der Stadt hat im Juni 2006 beschlossen, die Idee zur Umnutzung und die WB bei ihren Aktivitäten zu unterstützen. In den Jahren 2007 - 11 wurden Förderanträge erarbeitet und 2008 erhielt die Stadt weitere Zuwendungsbescheide. Der Grunderwerb erfolgte zum 01.01.09. Der Rat stimmte im März 2009 der grundsätzlichen Umsetzung des Projektes zu. Ende 2009 beteiligte sich die Stadt an der Wettbewerbsausschreibung Kommunen im neuen Licht. Das mit der WB erstellte LED-Beleuchtungskonzept überzeugte vor allem aufgrund der artenschutzgerechten Tunnelbeleuchtung. Von der WB wurden rund 2,5 Mio € Spendengelder akquiriert, davon alleine 1 Mio von der Jackstädt-Stiftung. Daher trägt die Trasse, für die inzwischen der Begriff Nordbahntrasse gewählt wurde, den Namenszusatz "Jackstädtweg".

Damit konnte die Gesamtfinanzierung weitgehend erreicht werden. Die fehlenden Finanzmittel sollten durch Anerkennung der Eigenleistungen von Vereinsmitgliedern "erwirtschaftet" werden. Da für die Arbeiten aber ein erheblicher Umfang erkannt wurde, stellte das Jobcenter im Rahmen von Qualifizierungsmaßnahmen rund 100 Arbeitskräfte zur Verfügung die vielfältige Arbeiten übernahmen, angeleitet von Fachkräften des Wichernhauses e.V., der GBA (Gesellschaft für Berufs- und Ausbildungsförderung) und der Bergischen VHS. Um vor allem in den Tunnelanlagen, die Artenschutzbelange zu berücksichtigen, wurde 2010 ein Artenschutzkonzept mit Unterstützung des LANUV erarbeitet und mit dem Fördergeber abgestimmt.

Mit einem öffentlich-rechtlichen Vertrag über Herstellung, Betrieb und Unterhaltung wurde zwischen Stadt und WB 2010 vereinbart, dass die von der WB gegründete Nordbahntrassen GmbH (NBT GmbH) die künftige Unterhaltung der Trasse übernehmen und auch in einem ersten Schritt den Ausbau des rund 2,6 km langen ersten Bauabschnittes realisieren soll. Nach Zustimmung der Bezirksregierung erfolgte ein Weiterleitungsbescheid an die NBT GmbH.

Die Umsetzung beginnt

Mit dem Wegebau wurde im Frühsommer 2010 begonnen. Die Eröffnung der ersten 1,6 km fand am 5.06.10 statt. Mit der weiteren Präzisierung der Planungen wurde allerdings deutlich, dass vor allem die über 130 Jahren Kunstbauwerke nicht zu den kalkulierten Kosten zu sanieren waren und mehr als ursprünglich gedacht, Arbeiten an Fachfirmen vergeben werden mussten, um das Projekt im vorgegebenen Förderzeitraum umzusetzen.

An dieser Stelle soll auch nicht verschwiegen werden, dass es zwischen der Stadt und der WB zunehmend unterschiedliche Auffassungen über Art und Umfang der Bauausführung, vor allem bei den Ingenieurbauwerken gab, die dazu führten, dass im April 2011 die Stadt die Bauherrschaft für den kompletten restlichen Trassenausbau übernahm. Für die durch EU-Mittel finanzierten Bereiche war dies wegen der komplexen Fördermittelabrechnung und der notwendigen Vorfinanzierung ohnehin eine Vorgabe des Fördergebers.

Saniert wurden 6 Tunnel mit einer Gesamtlänge von 2.005 m, 23 Brücken, davon 4 große Viadukte, mit je rund 280, 190, 150 und 60 m Länge. 9 km wurden 4 m breit asphaltiert und daneben eine 2 m breite Gehbahn gepflastert. In den Außenbereichen ist die Trasse 3 bis 4 m breit in Asphalt ausgeführt. 40 Zugänge wird es im Endausbau geben. Ebenso mindestens ein Dutzend Rastplätze. Auf einer Strecke von 13 km wurden 500 LED-Leuchten installiert.

Alle 250 m werden im Innenstadtbereich und alle 500 m im weniger frequentierten Außenbereich Notrufschilder angebracht. Außerdem an 52 Standorten 101 Infotafeln zur Industriekultur links und rechts der Trasse. Im Herbst 2015 soll noch die vom Land NRW finanzierte Radroutenbeschilderung ergänzt werden. Insgesamt waren beim Trassenbau 35 Firmen beschäftigt. Hinzu kommen noch weitere 16 Unternehmen, für Planung und Gutachten, sowie der 2. Arbeitsmarkt, durch den auch die künftige Unterhaltung weitgehend gewährleistet wird. Wobei bestimmte Arbeiten, wie z.B. die Brückenprüfungen aus städtischen Unterhaltungsetats finanziert werden. Die Verkehrssicherungspflicht hat die Stadt übernommen, auch um die WB von dieser verantwortungsvollen Aufgabe und der damit zusammenhängenden Notwendigkeit einer teuren Haftpflichtversicherung zu entlasten.

LED-Beleuchtung am Steinweg
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LED-Beleuchtung am Steinweg

Die Finanzierung des Projektes

Vom Land NRW wurden mit 5 Zuwendungsbescheiden aus 2008 und 2010 Bundes- und Landesmittel in Höhe von rund 14,58 Mio € mit einer 90% Förderung bewilligt. Für die Anschlussbereiche wurde der Stadt 2012 eine Zuwendung aus Tourismusfördermitteln in Höhe von 7,17 Mio € gewährt. Hier sind neben Landes- rund 4 Mio € EU-Mittel enthalten, da das Vorhaben im Rahmen des aus dem EFRE ko-finanzierten operationellen Programms für NRW im Ziel "Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung" 2007-13 ausgewählt wurde. Für die LED-Beleuchtung wurden 2 Mio € vom Bundesforschungsministerium und damit eine 100 % Förderung zur Verfügung gestellt. Von der WB werden an Barmitteln rund 2,5 Mio € eingebracht und zusätzlich durch Eigenleistung bzw. durch den Einsatz des 2. Arbeitsmarktes, die restliche Komplementärfinanzierung sichergestellt. Das Investitionsvolumen betrug 32 Mio €.

Fertigstellung und Einbindung der Trasse ins Stadtgebiet

Mit der Freigabe der Nordbahntrasse am 19.12.14, wird erstmals eine (fast) kreuzungsfreie Verbindung für nicht motorisierten Verkehr quer durch Wuppertal mit einer Vernetzung der Stadtteile untereinander und mit dem Umland ermöglicht. Im direkten Einzugsbereich leben rund 100.000 Menschen.

Die Nähe zu zahlreichen Schulen mit rund 22.000 Schülern, Arbeitsplätzen und öffentlichen Einrichtungen, eröffnet auch im Alltagsverkehr neue umweltfreundliche Mobilitätsoptionen. Parallel wurden im Umfeld zudem in vielen Straßen Radfahrstreifen angelegt und rund 130 Einbahnstraßen in Gegenrichtung frei gegeben. Dadurch und durch den Ausbau der Nordbahn- und Sambatrasse wird beim Modal-Split eine deutliche Steigerung beim Radverkehr erwartet.

Ganz aktuell zeigte sich dies auch in der Auszeichnung der Stadt Wuppertal als "Aufholerstadt des Jahres" beim ADFC-Klimatest 2014.


 

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Kontakt

 
 
Nordbahntrasse

Die Wuppertal-Bewegung e.V.

Dr. Carsten Gerhardt
Vorstand
Friesenstraße 32a
42107 Wuppertal
Tel: (0202) 44 76 33
E-Mail: carsten.gerhardt
@wuppertalbewegung.de
 

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