Größte ISG NRWs mit geringstem Widerspruch

Das Instrument der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) ist ein wertvolles Instrument zur Stärkung von Stadtzentren. In Deutschlands ältester Fußgängerzone, dem Werth in Wuppertal-Barmen, ist jetzt eine solche ISG an den Start gegangen - die territorial größte in NRW.

Vor zwei Jahren bei einem ersten Treffen zur Vorstellung der neuen Citymanagerin Anna Wittmer fing alles an. Ihre Aussage: "Wenn viele an einem dicken Tau ziehen, kann ein großer Dampfer in Bewegung gebracht werden." Ihr Dampfer war die Gründung einer ISG und damit hatte sie ins Schwarze getroffen. Die Werbegemeinschaft IG Barmen war zwar stetig aktiv, jedoch fehlten finanzielle Mittel und das richtige "Wir"-Gefühl.

Schnell gründete sich ein Verein, der sich das Unternehmen "ISG" auf die Fahne schrieb. Ein erstes Handlungskonzept wurde entwickelt, dabei erkannte man, dass hier professionelle Unterstützung nötig ist, die man in Stadtentwickler Frank Heinze vom Dortmunder Büro "Heinze & Partner" fand.

Vereinsvorstand Oliver Alberts, Kaufmann und selbst Eigentümer von drei Immobilien am Werth und Anna Wittmer suchten jeden der 58 Immobilienbesitzer einzeln auf und stießen auf offene Türen. "Ich habe meine Nachbarn erstmals richtig kennengelernt", freut sich Alberts. Ein regelmäßiger gegenseitiger Austausch ist auf allgemeinem Wunsch nun auch Bestandteil des Handlungskonzeptes.

Gute Vorbereitung, Begeisterung, tolles Ergebnis

Alberts lobt zudem die gute Zusammenarbeit mit der Stadt, die Baudezernent Frank Meyer gerne unterstrich: "Gemeinsam mit dem Vereinsvorstand haben sich das Rechtsamt und das Ressort Straßen und Verkehr an das Thema 'herangerobbt', das auch für uns Neuland war." Solch ein tolles Ergebnis habe er in seiner Laufbahn auch noch nicht erlebt. Bei einer ersten Vorstellung des erarbeiteten Konzeptes im Juli 2011 gab es von den über 100 Besuchern der Veranstaltung das deutliche Signal zur Umsetzung, das sich jetzt in dem Ergebnis der Abstimmung niederschlägt: Die Widerspruchsquote liegt gerade mal bei 3,18 Prozent. Versuche in anderen Städten zur ISG-Gründung sind oftmals an der 25-Prozent-Grenze gescheitert, ein beeindruckendes Ergebnis für Barmen. Das findet auch Oberbürgermeister Peter Jung: "Das Gesetz der Widerspruchsquote von unter 25 Prozent schaltet Trittbrettfahrer aus, die profitieren, ohne zahlen zu wollen. Die hier ausgesprochen niedrige Quote beweist Einigkeit und auch die Notwendigkeit zum Handeln." Er erhofft sich jetzt Signalwirkung auch für andere Stadtteile: "Barmen ist vorangegangen!"

Weiter geht's

Nachdem sich die beteiligten Grundstückseigentümer nun für die ISG ausgesprochen haben, werden die weiteren Verfahrensschritte  eingeleitet. Der finanzielle Beitrag, den die Eigentümer für die ISG zahlen, berechnet sich nach dem Einheitswert. Das Ressort Straßen und Verkehr wird die Abgabenbescheide im ersten Quartal versenden. Eine entsprechende Satzungsänderung wird der Rat der Stadt noch Mitte Dezember beschließen. Über eine Millionen Euro stehen der ISG dann für die kommenden fünf Jahre zur Verfügung.

Mehrere Programmbausteine werden umgesetzt. Überregionale Gewerbemieter werden auf den Standort Werth aufmerksam gemacht. Dazu wird ein Datenpool aufgebaut, der Immobiliennutzflächen, Geschäftsbesatz, Wettbewerb und Standortkennzahlen stets aktuell bereithält.

Zudem soll der Werth mit neuen Veranstaltungen und Aktionen inszeniert werden. Am gesamten Standortimage wird intensiv gearbeitet. Bleibende städtebauliche Aufwertung des öffentlichen Raumes ist durch Mobiliar - exklusiv entworfen vom Wuppertaler Architekturbüro insa4  - und ein "Barmer Band" geplant, das auf die Textilhistorie verweist und durch eine Kombination aus Licht- und Luftband sowie Projektionen von Wuppertaler und Barmer Motiven umgesetzt werden soll. Begonnen wird sofort mit einer Grundreinigung. Damit es sauber bleibt, wird ein Werth-Hausmeisterdienst ein Auge darauf haben.

Barmen erfindet sich gerade neu, dank der Gründung einer ISG wird es nicht bei einer Erfindung bleiben.

 

31.10.2012

 
 
ISG
Baudezernent Frank Meyer, Oliver Alberts, Anna Wittmer, Oberbürgermeister Peter Jung und Matthias Wewer (Vorstand IG Barmen).