Besuch auf der Techtextil: Highend-Produkte für die Welt

Nach wie vor die größte Ausstellerstadt auf der internationalen Leitmesse Techtextil in Frankfurt: 15 Wuppertaler Unternehmen präsentierten ihr besonderes Know-how rund um die Herstellung und Bearbeitung von technischen Textilien, die in immer neuen Branchen und Anwendungen ihren Einsatz finden.

Am letzten Messetag statteten Vertreter der Wirtschaftsförderung den Unternehmen einen Besuch ab, um sich vor Ort ein Bild von der derzeitigen Lage der Branche zu machen und ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Unternehmen am Textiltraditionsstandort Wuppertal zu haben. Zum ersten Mal fand die Messe in diesem Jahr an vier Tagen statt, ganz im Gegensatz zu anderen Leitmessen, bei denen eher ein Trend zur Verkürzung zu beobachten ist. Michael Jänecke, Leiter Brandmanagement Technical Textiles & Textile Processing der Messe Frankfurt und übrigens gebürtiger Wuppertaler, begründete dies mit einem weiteren Anstieg der Aussteller: "Das Ausstellerpotential in diesem Bereich wächst ständig."

Erstaunliche Möglichkeiten in der Anwendung

Wenn man hört, in welch unterschiedlichen Bereichen technische Textilien Anwendung finden, verwundert das nicht. So finden die eigentlich für die Beschichtung von Walzen gedachten rutschfesten Textilien der Firma Bobotex mittlerweile auch Anwendung als Schulterriemen hochwertiger Jagdgewehre, als Beschichtung von Schiffsböden, bei Schuhen, als Beschichtung der Schläuche für Abgasuntersuchungen oder als Dummy eines Zungenreinigers auf Zahnbürstenpackungen. "Als Endmaterial unserer Produkte sind dies aber Ausnahmen, Kerngeschäft bleiben die Walzenbezüge", so Geschäftsführer Oliver Jung. Auch bei Julius Boos konzentriert man sich auf das Know-how im Bereich elastischer Bänder. Gleichwohl man die Aufgabe eines Jalousienherstellers für ein Aufzugsband zum Neidwesen eigentlicher Spezialisten in dieser Branche mit solcher Bravour gelöst hat, dass man dieses gleich als Patent angemeldet hat. Klassische Bandweber, wie Hackenberg - die in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Messe dabei waren - fertigen nicht mehr nur das Innenfutter für Herrenhosen, sondern auch Sattelgurte oder Hundeleine mit Druckdämpfern - weniger "Ruck" für Hund und Mensch. Auch bei YKK, deren Traditionsschriftzug "STOCKO" wieder über Wuppertal leuchtet, jetzt mit LED-Technik, hat erneut ein breites Spektrum vorzuweisen, die Reißverschlüsse, Druckknöpfe, Kunststoffknöpfe und
-teile werden sowohl in der klassischen Textil- als auch in der Automobilbranche verwendet.
Die leitfähigen Gewebe von Amohr finden auch immer neue Einsatzgebiete: Für Sitzheizungen oder auch in Sportkleidung, ganz neu entwickelt ist ein kapazitiver Sensor, der zum Beispiel zur Überwachung des Liegeverhaltens eines Patienten im Krankenbett eingesetzt werden kann. Der Vorteil der heimischen Unternehmen liegt in ihrer Erfahrung und in ihrem Know-how rund um die Gewebe,  doch deren Einsatzmöglichkeiten erstaunt sie oft selbst: "In unserem Portfolio befinden sich oft Lösungen für bestimmte Anwendungen, von denen wir gar nicht wissen", sagt Michael Smetana, Geschäftsführer von Arthur Mönch. "Jeder Kunde kommt mit einer neuen Idee und wir überschreiten immer neue Grenzen", drückt es Gert Laaraker von J.H. Baur aus. Für manche Lösungen brauche man nur zehn Minuten, für andere fünf Jahre, denn häufig seien aufwendige Prüfverfahren notwendig. Ob das Einfärben von Garnen, die Beschichtung mit Silikon, die Kombination von Flechtung und Harzinjektion, die Herstellung von Garnen im Hochtemperaturbereich, zur UV-oder Feuerbeständigkeit oder im Hochverschleißbereich und vielem mehr - die Unternehmen in Wuppertal haben umfassendes Wissen rund um die technischen Textilien. Dass diese gerade auch im Hinblick auf Ressourceneffizienz - denn oftmals ersetzen sie auch schwerere Materialien - in immer mehr und ungeahnten Bereichen eingesetzt werden, lasse auf eine spannende und erfolgreiche Entwicklung dieser Branche hoffen, freut sich Wirtschaftsförderer Dr. Rolf Volmerig nach diesen vielen interessanten Eindrücken. Festes Ziel ist es, sie auch in Wuppertal selbst - ähnlich dem Stammtisch Automotive - enger zu vernetzen, um gemeinsam Themen wie Nachwuchs, Energiemanagement, Prozessoptimierung anzugehen.

Die Meinungen zur Dauer der Messe - ob drei Tage ausreichen oder die Verlängerung auf vier Tage nutzbringender ist - waren durchaus geteilt. Einig waren sich aber alle darin, dass es eine erfolgreiche Messe war, die vor allem vielversprechende Neukontakte aus ganz unterschiedlichen Branchen eingebracht hat. Damit steht schon für 2017 fest - dann wird die Messe erneut vier Tage dauern, diesmal von Dienstag bis Freitag - Wuppertal wird einmal mehr bestens vertreten sein.

Ausstellende Unternehmen 2015:

Bobotex Hans Ladwig GmbH & Co. KG, Julius Boos jr. GmbH & Co. KG, Gebr. Wylach Textilveredlung GmbH, INTEX CONSULTING GmbH, Hackenberg Textile Group (erstmals), Artur Mönch GmbH & Co. KG, YKK STOCKO FASTENERS GmbH, JUMBO-Textil GmbH & Co. KG, Barthels-Feldhoff GmbH & Co. KG Textilwerke, Otto Weber Band GmbH, J.H. vom Baur Sohn GmbH & Co. KG, AMOHR August Mohr GmbH & Co. KG, PHP Fibers GmbH, Teijin Aramid GmbH, Stapperfend Beschichtungs GmbH (erstmals). Aussteller insgesamt: 1.389, davon 33 Prozent aus Deutschland. 08.05.15
 
 
Gebr. Wylach
Gebr. Wylach ist Spezialist im Färben von Garnen aller Art und kann auch besondere Spezifikationen bearbeiten.
 
 
YKK
Die Produkte von YKK STOCKO FASTENERS werden sowohl in der klassischen Textilbranche, als auch im Automobilbereich eingesetzt. Hier wie an allen Ständen gab es vielversprechende Neukontakte.