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"Man muss auch den Geist füttern"

Das Leitungsteam der Bergischen Musikschule im Gespräch mit Oberbürgermeister Andreas Mucke.

Das Leitungsteam im Gespräch mit OB Andreas Mucke

Herr Mucke, Sie sind seit einigen Jahren Klavierschüler der Bergischen Musikschule und Ihre drei Söhne können auf eine lange Ausbildungszeit bei uns zurückblicken. Unsere erste Frage, die wir auch in unserer Festschrift zum 50. Geburtstag der Bergischen Musikschule vielen Persönlichkeiten gestellt haben: Was macht Musik mit Ihnen?

A.M.: Musik macht die Gedanken frei und entspannt. Wenn ich zum Klavierunterricht gehe, kann ich noch so müde sein, abgespannt oder genervt. Es ist wie Yoga, ich gehe gut gelaunt raus. Musik regt den Geist an, macht fröhlich und erweitert das Bewusstsein.

Haben Sie einen Lieblingskomponisten?

A.M.: Ja, meine Kinder… einer meiner Söhne komponiert nicht nur selbst, sondern schreibt dazu noch gerne Texte.

Welches ist Ihr Lieblingsinstrument?

A.M.: Das Klavier!

OB Andreas Mucke, Ursula Jung, Renate Schlomski

Welchen Stellenwert haben Musik und Musikpädagogik aus Ihrer Sicht als Oberbürgermeister?

A.M.: Das ist eine wirklich gute Frage! Wir müssen der Kultur auch einen soziokulturellen Auftrag und Stellenwert einräumen. Viele Menschen kann man mit Musik und Kultur abholen aus Ecken, in die sie nicht hingehören. Das gilt vor allem für Kinder am Rande der Gesellschaft, die weniger gute Chancen in ihrem Leben haben. Man kann sie in neue Welten bringen, die ihren Geist frei machen und in denen sie Anerkennung finden. Das merke ich auch an meinen Kindern, wenn sie auf der Bühne stehen. Dort finden sie Anerkennung. Selbst etwas können, selbst komponieren, Lieder schreiben, Auftreten stärkt das Selbstwertgefühl – und macht frei. Ich selbst habe ja Theater gespielt. Da schalte ich ab, konzentriere mich vollkommen auf die Sache und bekomme Applaus – das ist wichtig. Leider komme ich als Oberbürgermeister nicht mehr oft dazu.

OB Andreas Mucke

Welche Voraussetzungen sind aus Ihrer Sicht erforderlich, damit Wuppertal auf Dauer ein Publikum für seine zahlreichen Kulturveranstaltungen hat?

A.M.: Die Kultur darf nicht weiter ausgedünnt werden! Ich habe gerade mit dem Betriebsrat der Wuppertaler Bühnen gesprochen, die mir die Postkarten zur Initiative „Der Deckel muss weg“ überreicht haben. Gemeint ist die Deckelung des städtischen Zuschusses für die Bühnen. Und es ist meine Überzeugung: Der Deckel muss weg! Wir brauchen ein funktionierendes Drei-Sparten-Theater und ein Pina Bausch-Zentrum, das ist – ein gesellschaftlicher Fixpunkt! Ich bin selbst zum Theater gekommen, weil ich Schauspieler der Bühnen gesehen habe und dachte: Das will ich auch machen! Mein Jüngster hat gesagt, als wir im Sinfoniekonzert saßen: „Papa, da will ich auch mitspielen, was muss ich dafür tun?“ Wir brauchen eine etablierte Kulturszene. Wir brauchen ein breites Angebot, wie es z.B. bei den Musikschulen geboten wird. Und diese Einrichtungen müssen gut ausgestattet sein mit tarifllich bezahltem Personal, angemessenen Räumen und den nötigen Budgets, auch fürs Marketing. Wir brauchen in den Schulen Education-Programme, wie sie unser großartiges Sinfonieorchester anbietet. Es muss Theaterpädagogik geben, mit JeKi und Kultur am Vormittag. Das sind Dinge, die unverzichtbar sind, damit die Menschen erkennen, was Kultur bedeutet. Wir brauchen natürlich Menschen, die die Veranstaltungen besuchen. Hingehen kann man aber nur, wenn man weiß, was es gibt und dass es etwas gibt! Daher dürfen Aufführungen nicht versteckt fünfmal im Jahr stattfinden. All das gehört zusammen und es darf auch Geld kosten. Letztendlich gilt: Es reicht nicht, körperlich satt zu sein und genug Kleidung zu haben, man muss auch den Geist füttern.

OB Andreas Mucke, Ursula Slawig, Renate Schlomski, Raphael Amend, Andrea Anders, Polymeros Polimeris, Ursula Jung, Prof. Gerd-Michael Dausend

Sehen Sie eine Schallgrenze, ab wann angesichts der jetzigen Finanzlage über den Erhalt einer Musikschule nachgedacht werden muss?

A.M.: Die Haushaltslage ist wie sie ist. Ich habe im Wahlkampf gesagt: „Ich habe keinen Dukatenesel!“ Es ist nicht die Zeit für Versprechungen. Das wird hoffentlich in ein paar Jahren anders sein, wenn der Haushalt wieder auf besseren Füßen steht. Aber die Frage, ob wir uns eine Musikschule leisten können, die stelle ich mir nicht – natürlich müssen wir uns die leisten! Die Frage ist nur wie? Wir brauchen eine gute Musikschule, die für die Menschen da ist und vor allem für die Kinder, deren Familien nicht so viel Geld haben. Ich hatte drei Kinder in der Musikschule! Welcher normal verdienende Mensch kann es sich leisten drei Kindern eine Musikausbildung zu ermöglichen? Was ist mit Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern? Wie kommen diese Kinder zur Musik? Über JeKi usw. werden viele Kinder erreicht. Aber wenn es um den weiterführenden Unterricht in der Musikschule geht, wird es schwieriger. Wer zahlt das? Ich habe noch kein Rezept. Wir müssen versuchen uns zu öffnen. Es gibt Stiftungen und Fördervereine, die uns helfen. Wir benötigen mehr Geld, um auch armen Menschen einen Zugang zu ermöglichen.

So bieten wir mit der SingPause bisher an zehn Grundschulen ein schulgeldfreies Angebot, das über zahlreiche
Sponsoren finanziert wird.

A.M.: Apropos SingPause… Das war das Schönste, was ich im Rathaus bis jetzt erlebt habe! Die Kids von der SingPause – ich war total begeistert. Die waren so engagiert und haben super gesungen. Auf das SingPausen-Konzert 2016 freue ich mich jetzt schon.


Herr Mucke, vielen Dank für das Gespräch.

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