Die Wupper im Wandel vom Industriefluss zur Lebensader
Über Jahrzehnte war die Wupper ein stark verschmutzter, technisch überformter und kanalartig ausgebauter Fluss. Ihre natürlichen Funktionen waren durch Begradigungen, Verbau und intensive Nutzung weitgehend verloren gegangen. Seit 2006 setzen die Stadt Wuppertal und der Wupperverband gezielt Maßnahmen um, um die Wupper auf insgesamt 15 Kilometern im Stadtgebiet naturnah zu gestalten. Grundlage dafür ist die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL). Bereits mehr als 13 Kilometer wurden umgestaltet, die letzten Bauabschnitte folgen bis 2026.
Naturnahe Gestaltung unter schwierigen Bedingungen
Die Bedingungen im engen Stadtgebiet sind herausfordernd: Ufermauern, Fernwärmeleitungen, Brücken und die Schwebebahn begrenzen den verfügbaren Raum. Dennoch gelingt es, Abschnitte der Wupper wieder in strukturreiche Lebensräume zu verwandeln. Ein zentraler Aspekt ist der Rückbau oder Umbau von Querbauwerken wie alten Wehren oder Sohlschwellen, die früher der Energiegewinnung oder Wasserregulierung dienten. Heute wird die Durchgängigkeit wiederhergestellt, damit Fische wandern können. Auch die Flusssohle wird neu modelliert, bzw. in einen naturnahen Zustand zurückversetzt. Statt eines eintönigen Gewässerbodens entstehen vielfältige Strukturen mit Steinen, Kiesbänken und Inseln. Diese bringen unterschiedliche Strömungs- und Tiefenverhältnisse hervor, die Fischen geeignete Zonen zum Laichen, Ruhen oder zur Nahrungssuche bieten. Als ein deutlicher Hinweis auf die ökologische Aufwertung sind inzwischen wieder über 30 Fischarten in der Wupper nachgewiesen.
Die Wupper als Ort für Begegnung und Erholung
Die Umgestaltung schafft aber nicht nur neue Lebensräume, sondern verbessert auch das Stadtbild. Wege, Ufertreppen, Wupperbalkone und bepflanzte Freiflächen laden zum Verweilen ein. Der Fluss wird sichtbar, erlebbar und berührbar. Auch von der Schwebebahn aus lässt sich beobachten, wie sich die Wupper nach und nach wieder ihren Platz im Stadtleben zurückerobert.
Zusammenarbeit als Grundlage des Erfolgs
Die erfolgreiche Umsetzung dieses Vorhabens basiert auf der Zusammenarbeit vieler Beteiligter. Neben der Stadt Wuppertal und dem Wupperverband sind das Land NRW, die Bezirksregierung Düsseldorf, Fachbehörden, Planungsbüros, Fischereiverbände, Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger beteiligt. Projekte wie die Wupperpaten oder der Verein neue ufer wuppertal e.V. zeigen, wie breit das Netzwerk für eine lebendige Wupper inzwischen aufgestellt ist. Auch Unternehmen leisten Beiträge, beispielsweise durch Flächenbereitstellungen oder eigene Gestaltungsmaßnahmen.
Ökologische Flussentwicklung für ein zukunftsfähiges Stadtklima
Die Renaturierung der Wupper ist auch ein Beitrag zur Klimaanpassung. Begrünte Uferbereiche speichern Wasser, kühlen durch Verdunstung und bieten Platz für Hochwasserspitzen. Damit leistet der Fluss einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität, zur Verbesserung des Stadtklimas und zur Lebensqualität für die Menschen in Wuppertal.