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Wuppertaler Initiative für Pflegekinder

Erfahrungsberichte

Erfahrungsbericht, Pflegemutter aus Wuppertal

Entscheidungsfindung

Geschäftsmäßig erklärt uns Dr. N. welche Untersuchungen und Maßnahmen nötig sind, damit unser Kinderwunsch doch noch erfüllt wird.

„Wir haben uns noch nicht entschieden, für uns kommt auch Adoption in Frage, “ sage ich.

„Überlegen Sie das gut. Sie können es doch wenigsten einmal probieren – sonst bereuen Sie es später, “erwidert der Doktor ein wenig pikiert.

Zum Glück fühlten wir, mein Mann und ich, uns bei dieser geschäftsmäßigen Art beide nicht gut aufgehoben. Die Angst vor dem großen psychischen Druck und den körperlichen Strapazen war außerdem zu groß. So waren wir uns schnell einig, dass wir ein Adoptiv- oder Pflegekind annehmen wollten.

Bereut haben wir es nie!

 

Warten

Henrik, unser Adoptivsohn, ist jetzt 3 Jahre alt. Aber wir wünschen uns ein Geschwisterchen für ihn. Für uns war immer klar, dass unser zweites Kind ein Pflegekind sein soll. So können wir unser Glück mit einem Kind teilen, dass ein neues Zuhause benötigt.

„Wir haben zurzeit viele Kinder, für die wir ein neues zu Hause suchen, “ sagte Frau M. vom Pflegekinder Dienst. Ob wir Weihnachten schon zu viert sind?

Weihnachten ist vorbei. Karneval auch. Können wir Ostern einen Urlaub planen? Der Sommerurlaub muss auch gebucht werden. Was können wir aussuchen, das für drei spannend genug, für vier aber nicht zu stressig ist? Warten ist doof!

Wie oft verspüren wir ein leichtes Kribbeln, wenn unerwartet das Telefon klingelt. Es ist wie schwanger sein, nur ohne Zeitplan.

Dann ist es soweit. Frau M. erzählt uns einige Eckdaten über das Kind und wir entscheiden, ob wir es kennenlernen möchten. Da das Kind bereits 11 Monate alt ist, ist der Altersabstand zwischen Henrik und dem Geschwisterchen mit knapp 3 Jahren Unterschied genau richtig und wir entscheiden uns, dieses Kind kennen zu lernen.

Sie heißt Melissa.

 

Gibt es Schicksal, Vorsehung, Gott?

„Henrik ist viel zu lieb! Den hast du gar nicht verdient, “ sagte meine Mutter mit einem Schmunzeln, als Henrik noch klein war. Dann erzählt sie, wie ich als kleines Baby gebrüllt, mit sechs Monaten einen Putzeimer umgeworfen, mit zwei meinen eigenen Willen durchgesetzt habe.

„Melissa ist das Kind, das du mir immer gewünscht hast!“ sage ich jetzt mit einem breiten Grinsen, wenn Melissa sich vor Wut auf den Boden wirft.

Manchmal habe ich mir das kleine Mädchen vorgestellt, das ich vielleicht bekommen hätte. Ein rundes Gesicht, funkelnde Augen, vielleicht meine Haarfarbe. Als Melissa einige Wochen bei uns war, habe ich mich daran erinnert. Ich sehe Melissa an: rundes Gesicht, funkelnde, dunkelbraune Augen, dunkelblondes Haar, dass sich hinter den Ohren kräuselt. Sie ist das Kind von dem ich immer geträumt habe. …Nur mit diesen Wahnsinns Augen, die immer wieder die Grundfesten meiner pädagogischen Überzeugungen zum Einsturz bringen, konnte niemand rechnen.

„Ist das das geschenkte Kind?“ fragte der Sohn einer Bekannten, als er Henrik zum ersten Mal sah. Ja. Das ist das geschenkte Kind!

Dieses Gefühl, unglaublich große Geschenke erhalten zu haben, begleitet uns, seit wir unsere Kinder bei uns haben. Ich bin nicht besonders gläubig, aber das Gefühl, dass unsere Familie sich mit allen Zufälligkeiten gefunden hat, dass sie so und nicht anders richtig ist, ist manchmal überwältigend.

Gibt es Schicksal, Vorsehung, Gott?

 

Besuchskontakte

Melissa liebt die Besuche bei Oma C., Papa J. und Mama F. Nicht immer sind alle drei vertreten, aber die Enttäuschung, dass Melissa vergessen wurde oder nicht wichtig genug war, um aufzustehen oder einen Termin zu verschieben, musste Melissa nie erleben.

Manchmal fragt Melissa täglich, wann sie mit J. spielen darf. Die kleinen Geschenke werden wie Schätze gehütet.

Das heißt aber auch, dass Melissas Ursprungsfamilie nie in Vergessenheit gerät, dass uns immer bewusst ist, dass Melissa nicht nur uns, sondern auch der anderen Familie irgendwie gehört.

„Meiner Hause?“ fragt Melissa als wir in unsere Straße einbiegen“. „Ja, das ist dein Zuhause, Melissa“ sage ich und bin froh, dass Melissa in unserer Familie einen so festen Platz eingenommen hat.

 

Erfahrungsbericht, Pflegemutter K.K. 43 Jahre, aus Wuppertal

"Wenn ich durch Zufall auf eines meiner älteren Pflegekinder treffe, die ich eine zeitlang in ihrem Leben begleiten durfte und höre was sie mir erzählen, erfüllt es mich mit großer Freude was sie aus unserer Familie mitgenommen haben. Selbst wenn sie nur kurze Zeit ein soziales Kind unserer Familie waren. Ich möchte diese Bereicherung für unsere Familie nicht mehr missen.

Unser erstes aufgenommene Kind, kam mit einer schlechten Prognose der weiteren Entwicklung zu uns. Täglich konnte ich die kleinen und großen Fortschritte beobachten, die mein Herz erfüllten. Nach dieser Erfahrung sahen wir jedes Baby, Kindergarten- und Schulkind ganz individuell und unvoreingenommen und ließen uns von Herzen, auf jedes neue Abenteuer ein.

Von unseren ersten Schritten als Pflegeeltern, die schon eine ganze Weile hinter uns liegen, bis heute, werden wir durch das Wuppertaler Jugendamt intensiv betreut.

Durch die angebotenen Pflegeelternabende bekommen wir nicht nur wertvolle Informationen, sondern kommen auch in den Erfahrungsaustausch mit anderen Pflegeeltern."

Erfahrungsbericht, Pflegemutter A.S. aus Wuppertal

"JEDES KIND als schwächstes Glied unserer Gesellschaft braucht eine 2te Chance, vielleicht gerade deshalb sind wir als überzeugte „FBB-ler“ (Bereitschaftspflege) seit 1992 dabei. Uns wurden seitens des Jugendamtes der Stadt Wuppertal bis heute so um die 85 Kids anvertraut, darunter  35 Jugendliche im Alter von 14-18 Jahren, die wir über eine kurze oder auch längere Zeit ihres jungen Lebens begleiten durften. Unsere 4te Tochter ist mit 5 Jahren als Dauerpflegekind zu uns gekommen und heute mit ihren 23 Jahren eine starke Persönlichkeit geworden, die weiß, wo es im Leben langgeht.

Kein Schicksal dieser Kinder ist identisch und die Gründe für einen Notfall sind vielfältig, sei es durch Krankheit/Tod eines Elternteiles, soziale Schwierigkeiten  oder die Unfähigkeit der leiblichen Eltern ihrem Kind ein liebevolles, geborgenes Zuhause zu vermitteln.

Wir möchten diese „Herausforderungen“ nicht mehr missen, jedes dieser Kinder hat unser Leben bereichert.

Viele, viele positive Erfolge und Rückmeldungen „unserer Kids“ entlohnen für die teilweise schwierigen Phasen, die neben der überwiegend schönen Stunden halt auch dazugehören, eben so, wie bei unseren eigenen Kindern.

Was uns immer beeindruckt hat während der nunmehr 2 Jahrzehnte Betreuungsarbeit war die stets  zuverlässige und kompetente Zusammenarbeit mit „unserem PFAD“. Wir konnten uns immer auf Unterstützung verlassen, sollte es dann doch mal hier und da eine brenzlige Situation gegeben haben. VIELEN LIEBEN DANK DAFÜR !"

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