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Ehrenbürgerinnen und Ehrenbürger

Mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde hat die Stadt Wuppertal nach 1945 bislang lediglich 14 Persönlichkeiten für ihre Verdienste ausgezeichnet.

Die höchste Auszeichnung der Stadt Wuppertal ist mit keinerlei Rechten, Pflichten oder Privilegien verbunden. "Noch nicht einmal am vierten Advent kann man als Ehrenbürger kostenlos den Zoo besuchen", scherzte Johannes Rau, Ehrenbürger seit 1991, in einer launigen Ansprache bei der Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Alt-Oberbürgermeister Gottfried Gurland Ende Januar 1998 im Barmer Rathaus.


Der erste Ehrenbürger war der international bedeutende Bakteriologe und Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie Prof. Dr. Gerhard Domagk (1895-1964).

Den 1939 zuerkannten Nobelpreis konnte der Bayer-Forscher aufgrund eines Verdikts durch Adolf Hitler erst 1947 in Stockholm entgegennehmen. Am 15. Januar 1951 wurde dem aus der Mark Brandenburg stammenden Wahl-Wuppertaler durch Oberbürgermeister Robert Daum der Ehrenbürgerbrief überreicht.

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Bayer-Konzerns (2013) schuf der spätere Ehrenbürger Tony Cragg eine Skulptur, die das Lebenswerk Domagks - insbesondere seinen Beitrag zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten sowie seine Verdienste auf den Gebieten der Tuberkulose- und Krebsforschung - ehren soll.

Siehe auch: Gerhard Domagk, Deutsche Biographie (Öffnet in einem neuen Tab)


Am 9. November 1952 folgte als zweiter Ehrenbürger Eduard von der Heydt (1882-1964). Der Spross der bekannten Barmer und Elberfelder Bankiersfamilie, die Mitte des 19. Jahrhunderts in den Freiherrenstand erhoben worden war, hatte sich als erfolgreicher Bankier und bedeutender Kunstsammler einen Namen gemacht. 

Seine umstrittene Rolle in der Zeit der NS-Diktatur – insbesondere seine auf nationalkonservativer Grundgesinnung und wirtschaftlichen Ambitionen fußende Mitgliedschaft in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei von 1933 bis 1939 - wirft einen Schatten auf seine Biografie, der sich u. a. in der Umbenennung des „Eduard von der Heydt-Kulturpreises“ in „Von der Heydt-Kulturpreis“ (2008) widerspiegelt.

Siehe auch: Eduard von der Heydt, Deutsche Biografie (Öffnet in einem neuen Tab)


Nach langer Pause zeichnete der Rat am 14. April 1980 Alt-Oberbürgermeister Hermann Herberts (1900-1995) zum Anlass seines 80. Geburtstages mit der Ehrenbürgerwürde aus.

Als Oberbürgermeister von 1956 bis 1961 und von 1964 bis 1969 setzte sich Herberts für den zügigen Wiederaufbau und die Weiterentwicklung der Stadt ein. In seine Amtszeit fiel etwa der Bau der Schwimmoper 1957
sowie die Vereinbarung der ersten grenz­über­schrei­ten­den Städ­te­part­ner­schaft mit der fran­zö­si­schen Stadt St. Eti­en­ne 1959.

Siehe auch: Hermann Herberts, Rheinische Geschichte, Landschaftsverband Rheinland (Öffnet in einem neuen Tab)


Für seine vielfältigen Verdienste um Wuppertal - hervorgehoben wurde in der Laudatio vor allem die Gründung der Bergischen Universität - wurde Johannes Rau (1931-2006) am 28. Januar 1991 mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet. Rau hatte als Wuppertaler Ratsmitglied, im Amt des Oberbürgermeisters, als langjähriger Ministerpräsident in Nordrhein Westfalen und auch im Amt des Bundespräsidenten, das er von 1999 bis 2004 ausübte, stets eine enge Bindung an seine Heimatstadt Wuppertal. So kam er als Bundespräsident gemeinsam mit dem israelischen Staatspräsidenten Moshe Katsav zur Eröffnung der Bergischen Synagoge nach Wuppertal.

Siehe auch: Johannes Rau, Der Bundespräsident (Öffnet in einem neuen Tab)


Schließlich folgte am 18. Juni 1993 der CDU-Politiker, Kurt Drees (1925-1998), der von 1973 bis 1994 das Ehrenamt des Bürgermeisters bekleidet hatte.

Seit 1997 trug er die vom Rat verliehene Ehrenbezeichnung Altbürgermeister. Drees war darüber hinaus auch Träger des Ehrenrings von Wuppertal, einer weiteren Auszeichnung für besondere Verdienste um Wohl und Ansehen der Stadt.


Ebenfalls anlässlich seines 80. Geburtstags erhielt Alt-Oberbürgermeister Gottfried Gurland (1918 - 2002) am 27. Januar 1998 diese hohe Auszeichnung. Er hatte das Amt des Oberbürgermeisters von 1970 bis 1984 bekleidet - länger als jeder andere in der bisherigen Stadtgeschichte. 

1979 war er für sein überregionales Engagement bereits mit dem großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden, ehe er 1982 die "Ehrenbürgerwürde" der Bergischen Universität, für deren Gründung und Entwicklung er sich mit Nachdruck eingesetzt hatte, in Empfang nehmen durfte.

 


Als erster Frau wurde schließlich am 16. Dezember 1998 Ruth Kolb-Lünemann (1924 – 1999), die von 1952 bis 1994 dem Rat der Stadt angehörte, das Ehrenbürgerrecht zuerkannt.

Zeitlebens engagierte Kolb-Lünemann sich gegen Totalitarismus und Faschismus. Ihr langjähriges Wirken als Mitglied des Stadtrats war durch ihre Sozialpolitik, insbesondere im Bereich der Jugendhilfe, gekennzeichnet. So gehen der Bau vieler Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie die Umnutzung der Barmer Ruhmeshalle zum "Haus der Jugend" auf ihre Initiative zurück.

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Siehe auch: Ruth Kolb-Lünemann, Starke Frauen | Gleichstellung und Antidiskriminierung (Öffnet in einem neuen Tab)


Am 28. August 2000 wurde Oberbürgermeisterin a.D. Ursula Kraus (1930-1921) zur Ehrenbürgerin Wuppertals gewählt. Sie war Mitglied der SPD-Fraktion des Rates von 1984 bis 1999 und Mitglied des Landtags von 1980 bis 1996. Als Nachfolgerin von Gottfried Gurland wurde sie 1984 zur Oberbürgermeisterin gewählt. Sie bekleidete dieses Amt bis 1996. Am 2. August 2021 verstarb Ursula Kraus an ihrem 91. Geburtstag.

Siehe auch: Ursula Kraus, Landtag Nordrhein-Westfalen (Öffnet in einem neuen Tab)


Oberbürgermeister Dr. Hans Kremendahl hat am 3. Dezember 2001 den Ehrenbürgerbrief an den Wuppertaler Unternehmer Dr. Jörg Mittelsten Scheid (*1936) überreicht. Der persönlich haftende Gesellschafter der Firma Vorwerk & Co. war von 1985 bis 1997 Präsident der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid und ist seit 1998 der Präsident von Eurochambres, des Dachverbandes der Industrie- und Handelskammern Europas.

Siehe auch: Jörg Mittelsten Scheid, Evangelisch in Wuppertal (Öffnet in einem neuen Tab)


Am 7. März 2005 verlieh Oberbürgermeister Peter Jung die Ehrenbürgerwürde an Dr. Willfried Penner (*1936). Der gebürtige Wuppertaler war nach dem Studium als Staatsanwalt im Tal tätig. 1966 wurde er Mitglied der SPD und bekleidete in Wuppertal verschiedene Funktionen in der Partei. Von 1972 bis 2000 war er Mitglied des Bundestages, danach wirkte er bis März 2005 als Wehrbeauftragter des Bundestages. Seit 1983 engagiert sich Penner in seiner Heimatstadt als ehrenamtlicher Vorsitzender des Stadtsportbundes.

Siehe auch: Wilfried Penner, Deutscher Bundestag (Öffnet in einem neuen Tab)


“Ich lebe gern in dieser Stadt. Sie ist meine Stadt geworden, denn sie ist eine Alltagsstadt, keine Sonntagsstadt. Das ist wichtig für unsere Arbeit.“

So beschrieb am 27. April 2008 die Choreographin Pina Bausch (1940-2009) "ihre" Stadt, als Oberbürgermeister Peter Jung sie zur Ehrenbürgerin Wuppertals machte.

Pina Bausch hat mit ihrem Tanztheater etwas ganz Neues geschaffen und den Namen Wuppertal in die ganze Welt getragen.

Siehe auch: Pina Bausch, Rheinische Geschichte, Landschaftsverband Rheinland (Öffnet in einem neuen Tab)


Lore Jackstädt (1924-2019) erhielt am 10. Juni 2010 die Ehrenbürgerurkunde von Oberbürgermeister Peter Jung. Sie hat sich mit der Dr. Werner Jackstädt-Stiftung um die Stadt verdient gemacht. Gründer der Stiftung war ihr Mann. Nach seinem Tod hat Lore Jackstädt die Verantwortung für die Stiftung übernommen. Mit ihrer großzügigen Unterstützung können in Wuppertal viele kulturelle und soziale Projekte finanziert werden, die ohne diese Förderung nicht umsetzbar wären.


"Der beste Ort zu leben ist da, wo es uns gelingt, das Beste aus uns zu machen. Hier gelingt das." Mit einer Bekenntnis zu Wuppertal dankte Tony Cragg (*1949) der Stadt, die ihm am Freitag, 28. März 2014, die Ehrenbürgerschaft verlieh.

Tony Cragg wurde 1949 in Liverpool geboren. 1977 kam er nach Wuppertal. Wuppertal bereichert Cragg nicht nur mit seinen Kunstwerken, die das Stadtbild an vielen Stellen prägen. Vor allem der Skulpturenpark Waldfrieden, den Tony Cragg eingerichtet und zum fünfjährigen Bestehen bereits erweitert hat, ist zu einem Anziehungspunkt längst überregionaler und internationaler Besucher geworden.

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Siehe auch: Christiane Müller: Tony Cragg, in: Sabine Selchow (Red.): Künstler im Wuppertal. 76 Porträts. Herausgegeben vom Kulturamt der Stadt Wuppertal, Wuppertal 1983, S. 32–33.

Oberbürgermeister Andreas Mucke überreichte am 15. August 2020 die Ehrenbürgerurkunde an Prof. Dr. h.c. Ernst-Andreas Ziegler (*1938), den er in seiner Laudatio als „Menschenfreund, Journalist, Autor, Stratege, Querdenker mit langem Atem – ein Langstreckenläufer, Vernetzer, Brückenbauer, Moderator, Gestalter, Visionär und Multitalent“ würdigte. „EAZ“ war maßgeblich am Aufbau und an der Pflege der Wuppertaler Städtepartnerschaften beteiligt und hat mit seinem Wirken den Begriff „kommunale Außenpolitik“ geprägt. 

Mit dem Leuchtturmprojekt „Junior Uni – Forscherplattform für das Bergische Land“ hat er eine einzigartige Bildungseinrichtung für Kinder und Jugendliche geschaffen, deren Strahlkraft weit über das Bergische Land hinausgeht.

 

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