6.-8. Juli 1900: „Nun aber endlich, an der Wende des Jahrhunderts, schafft sich Elberfeld den prachtvollen Neubau der Stadthalle. Auf dem Johannisberg, an derselben Stelle, die schon früher einmal glänzende Tage gesehen hat, als die von Abr. Küpper veranstalteten Concert- und Theateraufführungen eine gedrängte Menge selbst aus weiterem Umkreis herbeilockte, ersteht ein Lokal, das der Grösse der Stadt und der wachsenden Regsamkeit ihres musikalischen Lebens entspricht.”
Zur Eröffnung veranstaltet die Konzertgesellschaft Elberfeld über drei Tage das „1. Bergische Musikfest” unter der Leitung von Musikdirektor Dr. Hans Haym. Der 36-jährige Star-Dirigent Richard Strauss, Erster königlich preußischer Hofkapellmeister in Berlin, dirigiert das Abschlusskonzert mit seinem neuen Werk „Ein Heldenleben”. Die bekannte Sopranistin Justine Strauss trägt Lieder ihres Mannes vor.
1900-1920: Hans Haym und die Elberfelder Konzertgesellschaft entfalten in der neuen Stadthalle ein reiches, interessantes Konzertleben. Haym ist musikalisch am Puls der Zeit, nimmt Werke zeitgenössischer Komponisten wie Richard Strauss, Gustav Mahler und Frederick Delius ins Programm und verpflichtet international renommierte Musiker wie Eugène Ysaÿe, Pablo Casals, Ferruccio Busoni und Artur Schnabel.
13. Dezember 1912: Ein Jahr nach dem Tod Gustav Mahlers wird zum ersten Mal dessen 8. Sinfonie („Sinfonie der Tausend”) in Elberfeld aufgeführt. Weitere Aufführungen folgen 1923 und 1929.
31. März 1920: Die politischen Wirren der jungen Weimarer Republik prägen auch das Kulturleben in Elberfeld. Der voll besetzte Konzertsaal muss geräumt werden, weil der Vollzugsrat der Gewerkschaften droht die Stadthalle zu sprengen. Das dargebotene Programm – Händels „Messias” – ist den Funktionären nicht populär genug.
8. April 1924: Die neu gegründete „Elberfelder Kurrende” singt ihr erstes Konzert in der Stadthalle unter der Leitung ihres jungen Chorleiters Erich vom Baur.
1927: Zum 100. Todestag Ludwig van Beethovens führt Musikdirektor Franz von Hoesslin im April und Mai die 9. Sinfonie und die Missa Solemnis auf.
1928: Eine technische Sensation: Die erste Rundfunk-Übertragung eines Konzerts aus der Stadthalle, wiederum Händels „Messias”.
16. Mai 1931: Festkonzert 100 Jahre „Instrumental-Verein Wuppertal”
1934: Die Namen der jüdischen Komponisten Meyerbeer, Mendelssohn Bartholdy und Offenbach werden von den Fenstersimsen der Stadthalle getilgt und durch die Namen Brahms, Bruckner und Reger ersetzt. Jüdische und als „entartet” verfemte Musik verschwindet aus den Programmen. In der Halle dominieren nun Hakenkreuzfahnen und Hitler-Büsten das Bild.
25./26. Juni 1943: Schwerer Luftangriff auf Elberfeld, bei dem die gesamte Innenstadt und große Teile der Südstadt in Flammen aufgehen. Die Stadthalle bleibt weitgehend verschont. Weil die Barmer Oper zerstört wurde, finden nun bis zur Neueröffnung des Opernhauses 1956 regelmäßig auch Opernaufführungen in der Stadthalle statt.
1944/45: Einstellung des Veranstaltungsbetriebs im letzten Kriegsjahr, die Stadthalle dient währenddessen als Lazarett und Leichenhalle.
Saison 1945/46: Endlich wieder Konzerte! Es werden fünfmal Bachs Johannes Passion und dreimal das Finale von Beethovens „Neunter” aufgeführt und 58 weitere kleinere und größere Konzerte von der Konzertgesellschaft veranstaltet. Dazu kommen zahlreiche Operninszenierungen. Fast alle Veranstaltungen sind ausverkauft.
1953: Gustav Heinemann stellt in der Stadthalle seine neu gegründete Gesamtdeutsche Volkspartei vor. Im Publikum sitzt der 22-jährige Johannes Rau. Er wird Mitglied und Kreisvorsitzender der GVP in Wuppertal – der Beginn seiner politischen Karriere.
1956: Grundlegende Umgestaltung des Hauses nach dem Geschmack der Nachkriegszeit: Die Deckengemälden im Großen Saal werden vernichtet, der Stuck abgeschlagen, die Säulen eckig verkleidet und die Orgel demontiert. Nun dominieren die Farben „ochsenblut-rot” (eine Reminiszenz daran findet sich im heutigen Signet der Historischen Stadthalle) und weiß den Großen Saal, Nüchternheit und Zweckmäßigkeit ziehen ein.
1963 bis 1985: Hanns-Martin Schneidt führt als Generalmusikdirektor Konzertzyklen mit dem gesamten sinfonischen Repertoire der Klassik und Romantik in der Stadthalle auf.
Juni 1971: Das überregionale Kunst- und Kulturfestival „Urbs 71” mit modernem Theater, neuer Musik und Kunst findet in Wuppertal statt. In rund 200 Veranstaltungen spiegelt sich die gesellschaftliche Aufbruchstimmung der Zeit. In der Folge werden zahlreiche kulturpolitische Institutionen gegründet.
1981/82: Im ersten Bauabschnitt der Sanierung wird die Wandelhalle restauriert. Hier sind noch die historischen Deckenleuchter vorhanden. Heute ist die Wandelhalle der einzige Saal, der noch seine ursprüngliche Beleuchtung besitzt.
1. Januar 1982: Erstes Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters Wuppertal in der Stadthalle.
9. November 1991: Kehraus und Schließung der Stadthalle
1992 bis 1995: Grundlegende Sanierung und Restaurierung unter Federführung des Architekturbüros Baltzer & Partner. Die Kosten dieses letzten Wuppertaler Großbauprojekts im 20. Jahrhundert liegen am Ende bei rund 85 Mio. DM.
8. Dezember 1995: Wiedereröffnung in voller wilhelminischer Pracht als „Historische Stadthalle auf dem Johannisberg”. Zugleich wird eine GmbH gegründet, die künftig den Veranstaltungsbetrieb managen soll. Zum Geschäftsführer wird Werner Wittersheim ernannt. Herbert Heck, der schon vor und während der Schließung die Geschicke der Stadthalle lenkte, ist sein Stellvertreter.
1995/96: Der Freundeskreis Wuppertaler Orgeltage initiiert eine Spendenaktion für eine neue Orgel. Als Dr. Jörg Mittelsten Scheid, einer der führenden Wuppertaler Unternehmer, von dem Vorhaben erfährt, erklärt er sich spontan bereit das Instrument zu stiften. Der Freundeskreis legt Geld für das Fernwerk dazu, so dass schon bald mit dem Bau der Sauer-Konzertorgel begonnen werden kann.
14. Dezember 1995: Neustart der Reihe „Meisterkonzerte“: Die Konzertdirektion Wylach holt in den folgenden zehn Jahren alle großen Orchester und Stars der Klassik in die Historische Stadthalle.
Februar 1996: Während einer Orchesterprobe wird durch einen technischen Defekt die Sprinkleranlage im Bühnenhaus ausgelöst. Rund 20.000 l Wasser ergießen sich auf die Bühne und in die neue Orgel, die im März eingeweiht werden soll. Der Solist Frank Peter Zimmermann rettet sich und seine Stradivari mit einem beherzten Sprung von der Bühne, die Orgel erleidet hingegen einen Totalschaden und muss innerhalb eines Jahres komplett erneuert werden.
7. Februar 1997: Festkonzert zur Orgeleinweihung mit Edgar Krapp, Solist*innen, Wuppertaler Kurrende und Sinfonieorchester Wuppertal.
1999: Während eines Antikmarktes bietet ein Unbekannter eines der beiden historischen Kassenhäuschen in der Wandelhalle einem ahnungslosen Besucher, der es für einen Schrank hält, zum Kauf an. Der „Verkäufer” kassiert eine Anzahlung und verschwindet. Der Käufer hat das Nachsehen.
2000: 100 Jahre Historische Stadthalle Wuppertal werden mit einer Jubiläumssaison voller musikalischer Stars und Highlights gefeiert. Ein Höhepunkt ist die Uraufführung der 3. Sinfonie op. 34 für großes Orchester und Orgel „Le Tombeau de Vierne” von Lutz-Werner Hesse.
2. November 2001: Der international renommierte Dirigent Günter Wand, der mit verschiedenen Orchestern und hochkarätigen Programmen viele Male in Wuppertal zu Gast war, tritt mit dem NDR Sinfonieorchester ein letztes Mal in der Historischen Stadthalle auf. Der berühmte Sohn der Stadt stirbt im Februar 2002 im Alter von 90 Jahren.
2002: Der neue Geschäftsführer Holger Kruppe nimmt seine Arbeit auf. In der Historischen Stadthalle finden inzwischen regelmäßig an die 500 Veranstaltungen pro Jahr statt: Konzerte, Shows, Messen, Kongresse, Tanzsport-Veranstaltungen, Dreharbeiten. Nicht zu vergessen die zahlreichen Feiern: Firmenjubiläen, Abibälle, Hochzeiten und Familienfeste.
2005: René Heinersdorff, renommierter Konzertveranstalter aus Düsseldorf, führt die Meisterkonzert- Reihe unter dem neuen Namen „Johannisberg International” weiter.
Dezember 2005: 10 Jahre Wiedereröffnung werden mit einem Festprogramm gefeiert.
3. August 2006: Gründung der Historische Stadthalle Wuppertal Service GmbH, welche die Bereiche Service, Reinigung und Umbau übernimmt.
2006: Das Klavier-Festival Ruhr kommt zum ersten Mal in die Historische Stadthalle. In der Folge bringt das weltweit größte Klavierfestival regelmäßig alle großen Pianistinnen und Pianisten nach Wuppertal: Alfred Brendel, Rudolf Buchbinder, Daniel Barenboim, Martha Argerich, Krystian Zimerman, Hélène Grimaud, Igor Levit, Lang Lang und viele andere.
28. September 2006: Die Berliner Philharmoniker spielen unter der Leitung von Sir Simon Rattle in der ausverkauften Historischen Stadthalle. Der britische Star-Dirigent ist so begeistert von der Akustik des Großen Saals, dass er diesen sechs Jahre später in einem Interview der Süddeutschen Zeitung als „akustisch einen der besten Konzertsäle der Welt” bezeichnet. Die SZ titelt am 6. November 2012: „München sollte nach Wuppertal schauen!” In der Historischen Stadthalle stehen die Telefone nicht mehr still.
2009: Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise erwischt auch die Historische Stadthalle. Zahlreiche Firmen müssen sich konsolidieren und stornieren ihre Buchungen. Der Veranstaltungsbetrieb bricht ein, die GmbH schreibt rote Zahlen.
2012: Silke Asbeck, langjährige Verkaufsleiterin des Hauses, übernimmt die Geschäftsführung der Historische Stadthalle Wuppertal GmbH.
18. Dezember 2012: Gipfeltreffen zweier Weltstars: Die französische Pianistin Hélène Grimaud und die argentinische Cellistin Sol Gabetta geben ein gemeinsames Konzert in der Historischen Stadthalle, die Grimaud im Interview „einen fast magischen Ort für Musik” nennt. Es wird ein magischer Abend …
April 2013: Procol Harum, Sinfonieorchester Wuppertal und Kantorei Barmen-Gemarke stehen gemeinsam bei „Rock meets Classic“ auf der Bühne. Von nun an holt der Live Club Barmen regelmäßig große Rockstars nach Wuppertal, die ihre Songs in diesem Setting präsentieren: Ian Anderson, Roger Hodgeson, Albert Hammond und Steve Hackett.
2013: Professor Tapio Lokki von der Aalto Universität Finnland meldet sich mit seinem Team in Wuppertal an, um die Akustik des Großen Saals zu messen. Der preisgekrönte Wissenschaftler hat eine neuartige Methode entwickelt, die den präzisen Vergleich der Akustik von Konzertsälen ermöglicht. Sein Fazit: „Stadthalle Wuppertal is one of the best concert halls in Europe.”
2016: Der Kammermusik-Mäzen Detlef Muthmann lässt die 1934 von der Fassade abgeschlagenen Namen Mendelssohn, Meyerbeer und Offenbach auf eigene Kosten wieder anbringen – als späte Wiedergutmachung für die jüdischen Komponisten und in Erinnerung an seine musikliebende Mutter.
31. Oktober 2017: Der evangelische Kirchenkreis Wuppertal feiert 500 Jahre Reformation mit einem zentralen Festgottesdienst in der Historischen Stadthalle. Rund 2.500 Gläubige folgen der Einladung und der Große Saal platzt schon eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes aus allen Nähten. Spontan werden weitere Säle geöffnet, Stühle herbeigeschleppt und Tonübertragungen organisiert. Es herrscht fröhliche Kirchentags-Atmosphäre.
9. März 2018: Beim Stiftungskonzert „30 Jahre Klavier-Festival Ruhr” gibt sich das wohl größte Staraufgebot der Klassik die Ehre, das die Historische Stadthalle je gesehen hat: Martha Argerich, Juliane Banse, Elena Bashkirova, Alfred und Adrian Brendel, Till Brönner, Khatia Buniatishvili, Michel Camilo, Matthias Goerne, Joseph Moog, Anne-Sophie Mutter, Gerhard Oppitz, Thomas Quasthoff, Dennis Russel Davies und Sir Andras Schiff stehen gemeinsam auf der Bühne.
27. Februar 2019: Festkonzert mit dem WDR Sinfonieorchester zum 80. Geburtstag von Marek Janowski. Der in Warschau geborene Dirigent ist in Wuppertal aufgewachsen und freut sich sehr über das Gastspielin seiner Heimatstadt.
13. März 2020: Die Historische Stadthalle wird wie das gesamte öffentliche Leben heruntergefahren, um die Verbreitung des neuartigen Corona-Virus einzudämmen. Was zunächst nur für wenige Wochen gedacht war, weitet sich aus. Das Team geht in Kurzarbeit. Erst im Juni dürfen wieder Veranstaltungen stattfinden, zunächst ohne, dann mit stark beschränktem Publikum. Ende Oktober bricht die zweite Welle der Pandemie los und der folgende Shutdown dauert noch länger als der erste.
30. Dezember 2020: Mitten im Lockdown erreicht das Team eine Anfrage: Die New Yorker Metropolitan Opera veranstalte Streaming-Konzerte mit ihren europäischen Künstlern und sei bei der Suche nach einer geeigneten Location auf die Historische Stadthalle Wuppertal aufmerksam geworden. Ob im Januar Termine frei wären? Innerhalb von drei Wochen wird die still ruhende Halle komplett hochgefahren, werden Ausnahmegenehmigungen bei der Stadt Wuppertal eingeholt, Hygiene-, Schnelltest- und Reisepläne erstellt.
23. Januar 2021: Met Stars Live in Concert” in traumhafter Kulisse mit Piotr Beczała und Sondra Radvanovsky, zwei Weltstars der Oper. Regie führt Gary Halvorson, der preisgekrönte Leiter der Live in HD-Kinoübertragungen der Met. Via Satellit wird dieses Galakonzert ohne Publikum aus der Historischen Stadthalle Wuppertal nach New York übertragen. Hunderttausende Menschen verfolgen es im Livestream der Met Opera.
1. September 2021: Antrittskonzert des neuen Generalmusikdirektors Patrick Hahn mit Livestream und 1.000 Menschen im Saal. Das Sinfonieorchester Wuppertal, sein junger Dirigent und die Solistin Marlis Petersen werden vom Publikum emotional begrüßt. Am Schluss will der Applaus nicht enden und es bleibt kein Auge trocken.
Saison 2022/23: Nach Abstandsregeln, 2G und 3G, Maskenpflicht und hunderten abgesagten und verlegten Veranstaltungen kehrt endlich der normale Betrieb zurück. Veranstalter und Publikum haben die Historische Stadthalle nicht vergessen: Innerhalb kürzester Zeit liegen die Belegungszahlen wieder auf dem Niveau von 2019 und sogar darüber.
7. Mai 2024: Auf den Tag genau 200 Jahre nach der Uraufführung von Beethovens 9. Sinfonie im Wiener Theater am Kärtnertor findet in der Historischen Stadthalle eine spannende Rekonstruktion unter dem Titel „RESOUND Beethoven 9” statt. Martin Haselböck dirigiert das Orchester Wiener Akademie und den WDR Rundfunkchor.
Januar bis Juli 2025: Die Historische Stadthalle Wuppertal feiert ihren 125. Geburtstag mit einem bunten Jubiläumsprogramm.