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Ressort Umweltschutz

Gewässer in Wuppertal: Vielfalt, Geschichte und Bedeutung

Wuppertal ist eine Stadt des Wassers. Über 800 Fließgewässer durchziehen das Stadtgebiet, von kleinen, oft namenlosen Siefen bis zur Wupper, die als Stadtfluss das Tal prägt. Gerade die zahlreichen Bäche, die von den Hängen ins Tal fließen, sind typisch für das Relief im Bergischen Land.

Kleine Gewässer mit großer Wirkung

Die Vielzahl kleiner Fließgewässer prägt die Wuppertaler Stadtlandschaft maßgeblich. Sie entspringen auf den Höhen, durchziehen bewaldete Hänge und münden meist direkt in die Wupper. Diese Bäche bilden ein dichtes Netz aus Quell- und Nebengewässern, das für den Naturhaushalt von zentraler Bedeutung ist. Sie verbessern das Stadtklima durch Verdunstung, leisten einen Beitrag zur Grundwasserneubildung und bieten vielen Tier- und Pflanzenarten wichtige Lebensräume. Auch für die Pufferung von Abflüssen bei Starkregen spielen sie eine zentrale Rolle.

In der Vergangenheit wurden viele dieser Gewässer jedoch begradigt, verrohrt oder überbaut. Infolge von Flächenbedarf, technischer Infrastruktur und landwirtschaftlicher Nutzung gingen so wertvolle Strukturen verloren. Ziel heutiger Planung ist es, diese Gewässer wieder als naturnahe Systeme zu entwickeln. Die Stadt Wuppertal arbeitet gemeinsam mit dem Wupperverband daran, den natürlichen Verlauf, wo möglich, wiederherzustellen, Uferbereiche zu sichern und strukturreiche Gewässersohlen anzulegen. So entstehen wieder Lebensräume für Amphibien, Insekten, Kleinfische und Wasserpflanzen. Auch in dicht bebauten Bereichen werden gezielt Möglichkeiten genutzt, um Bächen wieder mehr Raum zu geben und ihre ökologischen Funktionen zu stärken.

Die Wupper als Spiegel der Stadtgeschichte

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Stadtfluss Wupper. Über Jahrhunderte war sie Träger wirtschaftlicher Entwicklung, aber auch Opfer intensiver Nutzung. Bereits im 16. Jahrhundert nutzten Bleicher, Färber und Garnhersteller das Wasser zur Produktion. Im Zuge der Industrialisierung kamen Maschinenbau, Metallverarbeitung und chemische Industrie hinzu. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wuchs auch die Bevölkerung, und die Belastung des Flusses nahm massiv zu. Die Wupper wurde über Jahrzehnte als offenes Abwassergerinne genutzt. Färbereien, Gerbereien und andere Betriebe leiteten ihre Abwässer ungeklärt in den Fluss. Die Wasserqualität verschlechterte sich dramatisch. Je nach Produktionstag war das Wasser bunt gefärbt, oft tiefschwarz und geruchlich kaum zu ertragen. Im 19. Jahrhundert kam es mehrfach zu Typhus- und Choleraausbrüchen. Das Leben im Fluss kam vollständig zum Erliegen.

Mit der Gründung des Wupperverbandes im Jahr 1930 begann ein erster Wandel. Die Aufgaben der Wasserwirtschaft wurden gebündelt, Talsperren zur Regulierung von Hochwasser und zur Trinkwasserversorgung gebaut. Einen entscheidenden Fortschritt brachte der Bau moderner Kläranlagen in den 1980er Jahren. Mit diesen Maßnahmen wurde die Wupper schrittweise entlastet. Ein weiterer Meilenstein war der Bau des Wuppersammlers im Jahr 2001, der bei Regen kein ungereinigtes Mischwasser mehr in den Fluss gelangen lässt. Diese technischen Maßnahmen leiteten die ökologische Erholung ein und machten den Weg frei für eine neue Perspektive auf das Gewässer.

Heute ist die Wupper auf dem Weg, wieder ein lebendiger Fluss zu werden. Über 30 Fischarten wurden im Stadtgebiet nachgewiesen, darunter Lachs, Meerforelle, Elritze, Barbe und Schmerle. Auch Biber und Eisvogel sind zurückgekehrt. Die Rückkehr dieser Arten ist ein deutlicher Hinweis auf die verbesserte Wasserqualität und die ökologische Aufwertung der Lebensräume. Die Fortschritte zeigen sich nicht nur in der Wupper selbst, sondern auch an ihren zahlreichen Nebengewässern. Es wird kontinuierlich daran gearbeitet, veränderte oder degradierte Gewässerabschnitte aufzuwerten oder, wo möglich, in einen naturnahen Zustand zurückzuführen.

Beitrag zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie

Die Entwicklung der Wuppertaler Gewässer ist Teil der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL). Ihr Ziel ist es, alle Oberflächengewässer und das Grundwasser in einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu versetzen. Dieses Ziel gilt sowohl für große Flüsse wie die Wupper als auch für kleinere Bäche und Quellgewässer. Um diese Anforderungen zu erfüllen, braucht es langfristige Planungen, fachliche Kompetenz und eine enge Zusammenarbeit vieler Beteiligter. Die Stadt Wuppertal, der Wupperverband, die Bezirksregierung Düsseldorf, Fachbehörden, Flächeneigentümerinnen und -eigentümer sowie zahlreiche Ehrenamtliche (u.a. des Vereins „neue ufer wuppertal e.V.“) tragen gemeinsam zur Umsetzung bei. Der Erfolg dieser Arbeit zeigt sich in vielen umgesetzten Maßnahmen im Stadtgebiet. Mehr zur naturnahen Entwicklung des Stadtflusses erfahren Sie hier (Öffnet in einem neuen Tab).

Herr Dr. Florian Roth
Sachbearbeiter
Frau Heike Obenlüneschloß
techn. Sachbearbeiter/in
Herr Frank Luppus
techn. Sachbearbeiter/in

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Reinhard Gierse, Stadt Wuppertal

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