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Wuppertal / Pressemeldung – 13.11.2019

Stadtverwaltung begegnet dem Fachkräftemangel

Wuppertal ist im Jahr 2018 vom Land Nordrhein-Westfalen zur Digitalen Leitkommune der Bergischen Region ernannt worden und konnte auch in den letzten Rankings zum Stand der Kommunen in Bezug auf die Digitalisierung sehr gute Plätze für sich beanspruchen.

Oberbürgermeister Andreas Mucke: „Das Land hat uns bewusst als Modellkommune ausgewählt, weil Wuppertal auf vielen Feldern der Digitalisierung Vorreiter ist. Das spiegelt sich auch zunehmend in den bundesweiten kommunalen Vergleichen wider. Bei den Rankings belegt Wuppertal immer wieder vordere Plätze z.B. im Bereich Smart City. Aber auch bei der Digitalisierung der Stadtverwaltung machen wir dank unserer innovativen städtischen IT-Fachleute große Schritte nach vorn als digitaler Dienstleister. Und das mit eigens dafür ausgebildetem Personal.“   

„Uns war wichtig, nicht einfach nur zur Leitkommune ernannt zu werden, sondern diese Rolle auch aktiv auszufüllen und eine Vorreiterrolle einzunehmen“, führt Stadtdirektor und Kämmerer Dr. Johannes Slawig aus. Ab dem kommenden Jahr wird die Stadt zum ersten Mal das duale Bachelorstudium zum Verwaltungsinformatiker anbieten.

„Schon vor der Ernennung zur Leitkommune hatten wir im Bereich der Informationstechnologie mit Fachkräftemangel zu kämpfen – durch den höheren Personalbedarf auch im Rahmen der Förderprojekte, hat sich der Druck hier noch einmal erhöht.“ In den letzten fünf Jahren waren immer mindestens zehn Stellen im Jahresmittel unbesetzt – in der Spitze waren es fast 20 Stellen. „Ausgebildete Fachkräfte mit Berufserfahrung im Bereich der Digitalisierung zu bekommen, ist für eine Kommune sehr schwer – wir befinden uns hier mit der kompletten Wirtschaft und Wissenschaft in direkter Konkurrenz, die oftmals zumindest wirtschaftlich bessere Rahmenbedingungen bieten können“, so Dr. Slawig.

Trotzdem gelingt es der Stadt Wuppertal zunehmend besser, diesen Problemen zu begegnen. „Wir haben eine ganze Reihe an Maßnahmen in die Wege geleitet“, erläutert Daniel Heymann, Leiter des Amtes für Informationstechnik und Digitalisierung.

Mehr Auszubildende

So hat die Stadt Wuppertal die Anzahl der Auszubildenden im Bereich der Fachinformatiker kontinuierlich ausgebaut und auch in die Qualität der Ausbildung immer weiter investiert. „Wir bilden jedes Jahr sechs Fachinformatiker selbst aus – mit immer besserem Erfolg. Auch in diesem Jahr haben zwei unserer Auszubildenden wieder mit besonderem Erfolgt ihre Ausbildung beenden können und sind als Kammerbeste ausgezeichnet worden – einer unserer Systemintegratoren wird Ende des Monats als einer der Landesbesten geehrt. Und das obwohl beide die Ausbildung verkürzt haben. Das ist ein Riesenerfolg für unsere Auszubildenden, aber auch unsere Ausbilder“, führt Heymann weiter aus.

Die Ausbildung ist aber nur ein Baustein – das Amt für Informationstechnik und Digitalisierung investiert sehr viel Energie in die Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter und sucht insbesondere für den gehobenen Dienst am externen Markt gezielt nach Absolventen anderer Fachrichtungen. „Bewerber, die Informatik im Bachelor oder Master studiert haben, sind die absolute Ausnahme bei uns – selbst Wirtschaftsinformatiker sind selten. Gerade für die Projektbereiche suchen wir auch gezielt Natur-, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, die vielleicht technisch noch mehr zu lernen haben, aber Stärken zum Beispiel in den Bereichen Kommunikation oder Projektmanagement mitbringen. Was an Wissen fehlt, schließen wir durch Weiterbildung und enge Betreuung durch erfahrene Kollegen. Wir beschäftigen mittlerweile auch Studenten und betreuen Praktika, Projekt- und Abschlussarbeiten.“

Gutes Arbeitsumfeld

Wesentlicher Faktor aus Sicht der Stadt Wuppertal ist aber auch, ein spannendes Arbeitsumfeld zu bieten. Die Projekte der Modellregion haben hier auch dazu beigetragen, den hauseigenen IT-Dienstleister als interessanten Arbeitgeber zu positionieren. „Viele potentielle Bewerber können sich gar nicht vorstellen, wie vielfältig und spannend auch die Informationstechnik einer Kommune sein kann – die Infrastruktur, die wir betreiben und betreuen, ist mit der eines sehr großen Mittelständlers zu vergleichen. Die Projekte, die wir zurzeit durchführen – sei es die Umstellung der Verwaltung auf E-Akten oder die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen insbesondere für unsere Bürgerinnen und Bürger – verändern die ganze Organisation und werden auch die Wahrnehmung der Verwaltung nach außen nachhaltig prägen. Wir befassen uns auch mit den Technologien von morgen und welche Auswirkungen diese auf die Verwaltung haben wird – so haben wir in diesem Jahr auch unser Innovationslabor gegründet, wo wir uns mit Cloudcomputing, Blockchain, Chatbots, IoT und anderen Trends auseinandersetzen.“

Um eine weitere Lücke zu schließen – nämlich Fachleute ganz gezielt direkt für den gehobenen Dienst auszubilden – bietet die Stadtverwaltung ab dem kommenden Jahr zum ersten Mal das duale Bachelorstudium zum Verwaltungsinformatiker an. „Wir haben lange dafür gekämpft, dass dieses Angebot endlich kommt – leider sind die Plätze, die uns die Hochschule zur Verfügung stellt noch sehr begrenzt, sollen aber in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden.“, so Heymann.

„Informatiker mit dem Verständnis für die Prozesse einer Verwaltung sind genau das, was wir brauchen – nicht nur beim IT-Dienstleister, sondern auch in den Fachämtern, denn diese Kräfte können als Multiplikator fungieren und sind wichtig dafür unsere Belegschaft mitzunehmen. Die größte Herausforderung der Digitalisierung – zumindest so wie eine Stadtverwaltung sie zum Einsatz bringt – ist nicht nur die Technik, sondern das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, damit sie sich darauf einlassen und mitmachen. Das gilt für die Bürger genauso wie für unsere Beschäftigten“, ergänzt Dr. Slawig.

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