Trier (1915-1999) gehört zu den wichtigsten Protagonisten der ungegenständlichen Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland. Bereits 1948 zeigte das Von der Heydt-Museum die erste Einzelausstellung des Künstlers. Zu seinem 75. Geburtstag, 1990, wurde im Von der Heydt-Museum erneut sein Werk ausgestellt. Zu diesem Anlass - das Museum war gerade im Umbau - malte Trier speziell für den Treppenaufgang ein großes, übereinander zu hängendes Triptychon: „Archimedes stört seine Kreise selbst“, das 1989 angekauft wurde.
Der Kopf denkt, die Hand malt
Die damalige Museumsdirektorin Sabine Fehlemann widmete einen Teil ihrer Eröffnungsrede zur Hann-Trier-Retrospektive (2.9.-14.10.1990) dem „Archimedes“:
„Zum Schluss ein paar Worte zu unserer Neuerwerbung, dem dreiteiligen 'Archimedes'. Der große Wissenschaftler, den ein griechischer Soldat erschlug, nur weil er von ihm forderte: 'Störe meine Kreise nicht', faszinierte ihn. Er hat auf Sizilien gelebt im dritten vorchristlichen Jahrhundert.
Was ihn mit Trier verbindet, sieht der Künstler so: auch er habe zuerst gezeichnet und zwar in den Sand, bevor er zeichnend zu wissenschaftlichen oder gedanklichen Lösungen seiner Probleme gekommen sei. Denken geschieht durch Handeln, in beiden Fällen mit der Hand. Der Kopf denkt, aber die Hand malt. Die Hand experimentiert, der Kopf zieht seine Konklusion daraus. In diesem Sinne ist auch das neue dreiteilige Bild im Treppenhaus zu interpretieren, weil Trier handelnd seine Kreise selbst stört; so konnte er sich dem Erschlagenwerden entziehen."