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WuppertalPressemeldung – 01.10.2025

Überraschende Begegnung mit verbotenen Büchern

Aktion der Stadtbibliothek zur „Banned Books Week“ ab 6. Oktober: Unter dem Motto „Blind Date mit einem Buch“ lädt sie ihre Besucherinnen und Besucher dazu ein, verbannte Bücher auf eine ganz besondere Weise zu entdecken.

Bücher können neue Perspektiven eröffnen und zum Nachdenken anregen. Sie fördern Diskussionen, hinterfragen Gewohntes und erweitern den Horizont. Dennoch werden immer wieder Bücher verboten und zum Beispiel aus Bibliotheken entfernt – aus politischen, gesellschaftlichen oder moralischen Gründen. 

In den USA werden tausende von Büchern verbannt

In den USA werden jedes Jahr tausende Bücher in Bibliotheken, insbesondere in Schulbibliotheken, angefochten und entfernt. 2023 zählte die American Library Association (ALA) über 4.200 unterschiedliche Titel, die beanstandet wurden – so viele wie nie zuvor. Zum Vergleich: 2015 lag die Zahl noch bei rund 275 Titeln. Hauptgründe sind Darstellungen von Sexualität, insbesondere LGBTQ+-Themen, vermeintlich „nicht altersgerechte“ Inhalte, obszöne Sprache, Gewalt oder rassistische Sprache. Oft werden auch religiöse oder politische Einwände vorgebracht. Besonders häufig sind Werke betroffen, die von marginalisierten Autorinnen und Autoren stammen oder deren Perspektiven sichtbar machen. 

Zwei Drittel aller Versuche zur Zensur in öffentlichen und Schulbibliotheken in den USA gehen mittlerweile von organisierten Bewegungen aus, wie Interessensgruppen und Regierungsstellen, darunter gewählte Amtsträger, Vorstandsmitglieder und Verwaltungsbeamte. Damit zeigt sich ein klarer Trend: Buchverbote sind heute weniger lokale Einzelfälle, sondern Teil einer landesweiten, politisch geprägten Bewegung.

Freier Zugang zu Informationen

Hier setzt die „Banned Books Week“ an, eine seit 1982 jährlich im Herbst in den USA stattfindende Kampagne. Bibliotheken, Verlage und Buchhandlungen machen damit auf die wachsenden Listen verbotener Bücher aufmerksam und verteidigen dagegen das Recht auf freien Zugang zu Informationen. Die Kampagne wird von der American Library Association (ALA), dem Dachverband der Bibliotheken in den USA, gemeinsam mit Partnerorganisationen organisiert.

In diesem Jahr findet die Banned Books Week vom 5. bis 10. Oktober statt. Längst hat sich diese zu einer internationalen Aktionswoche ausgeweitet und auch die Stadtbibliothek Wuppertal beteiligt sich daran. Unter dem Motto „Blind Date mit einem Buch“ lädt sie ihre Besucherinnen und Besucher dazu ein, verbotene Bücher auf eine ganz besondere Weise zu entdecken. Mitarbeitende der Stadtbibliothek haben die in den USA veröffentlichten Listen verbannter Bücher gesichtet und daraus neun Titel ausgewählt, die auch auf Deutsch erschienen sind. Diese Bücher stehen nun eingepackt in schlichtes Papier jeweils in einem Regal versammelt bereit. Titel und Cover bleiben verborgen, lediglich ein kurzer Hinweis auf das Thema verrät etwas über den Inhalt. Wer sich auf die Aktion einlässt und sich eins der verpackten Bücher ausleiht, erlebt nicht nur eine literarische Überraschung, sondern auch eine Begegnung mit der Freiheit des Denkens. 

Zeichen für Meinungsfreiheit

„Mit unserer Teilnahme an der Banned Books Week setzen wir ein Zeichen für Meinungsfreiheit, Respekt und Toleranz“, betont Karin Röhrich, Direktorin der Stadtbibliothek. „Das freie Denken und der demokratische Umgang mit unterschiedlichen Meinungen stehen unter Druck, bestimmte Gruppen wollen es immer mehr einschränken. Das dürfen wir nicht zulassen. Bibliotheken stehen für den freien Zugang zu Wissen und Informationen, für die Möglichkeit, sich selbst eine Meinung zu bilden. Denn demokratische Gesellschaften brauchen Lesende, die Informationen einordnen, kritisch reflektieren und Dialoge führen können“, so Direktorin Röhrich weiter. 

Blind Date mit einem Buch

Einladung zum Blind Date in fünf Bibliotheken: Die Themenregale mit den verpackten Büchern stehen vom 6. bis 11. Oktober in der Zentralbibliothek sowie in den Stadtteilbibliotheken Barmen, Cronenberg, Ronsdorf und Vohwinkel bereit. Es sind neun verschiedene Titel zu den folgenden Themenfeldern dabei: Antirassismus, Queer, Transgender, Migration, Religion, Missbrauchserfahrungen. Die Bücher hat die „Vereinigung der Freunde der Stadtbibliothek Wuppertal e.V.“ für die Stadtbibliothek angeschafft. 

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Stadtbibliothek Wuppertal

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