Gestiftet wird der Preis von der Kunststiftung NRW. Bewerbungen kamen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Das Thema der diesjährigen Biennale lautet „Die Wut“.
Aus der Begründung der Jury
„Mit „Lloret de Mar“ legt Nina Kiedrowicz einen ebenso schmerzhaften wie eindringlichen Text über ein Trauma und seine Nachwirkungen vor.
Als besonders wirkungsvoll erweist sich dabei die spiralförmige Erzählweise: Behutsam tastet sie sich an das Geschehen heran, umkreist es, kehrt wieder, vertieft und reflektiert. So wird der Prozess der Traumaverarbeitung nicht nur thematisch verhandelt, sondern auch formal umgesetzt.
Der Text selbst wird zu dem dringend nötigen Raum, in dem die eigene Erfahrung endlich einen Platz findet. Inhaltlich gelingt der Autorin eine vielschichtige Darstellung von Wut und Hilflosigkeit, die die Komplexität der Gefühle anerkennt. Präzise wird das Wegschauen als Teil eines Systems des Schweigens sichtbar gemacht, das individuelle Erfahrungen in größere gesellschaftliche Zusammenhänge einbettet. So entfaltet der Text seine besondere Stärke gerade im Spannungsfeld zwischen Sagbarem und Unsagbarem, zwischen Machtmissbrauch und Selbstermächtigung.“
Zur Preisträgerin
Nina Kiedrowicz, 1992 im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen, studierte Literaturwissenschaft (B.A.) sowie Stadtforschung (M.A.) an der Universität Duisburg-Essen. Seit 2021 arbeitet sie als freie Autorin. In ihrer Arbeit geht es ihr um Perspektiven, die in öffentlichen Diskursen wenig Raum und Gehör finden. Im Herbst 2025 begann sie ein Zweitstudium der Sozialen Arbeit. Sie lebt in Berlin und Essen.
Zum Wettbewerb
"Die Anzahl an Einsendungen war überwältigend", so Julia Wessel, Projektleiterin der Wuppertaler Literatur Biennale im Kulturbüro der Stadt Wuppertal. "Angesichts des Themas "Wut" waren diesmal viele emotional erschütternde Texte dabei, die Missbrauchs- und Gewalterfahrungen oder familiäre Traumata reflektieren. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig Literatur als Medium ist, um, wie in unserem Fall, verschiedensten Wut-Erfahrungen eine Stimme zu geben."
Angesichts der hohen Anzahl starker Einsendungen hat die Jury entschieden, neben der Gewinnerin auch die Namen der Autor*innen zu veröffentlichen, die es mit ihren Texten auf die Shortlist geschafft haben. Die Literaturzeitschrift KARUSSELL veröffentlicht diese Texte neben dem Siegertext ebenfalls in der zum Festival erscheinenden Ausgabe #4 WUT.
Shortlist
Helen Hermens, „Bewohnerinnen“
Carla Moschner, „Fragmente einer Ich-&-Du-Geschichte“
Kerstin Nethövel, „Hausbesuche“
Peter Thiers, „Der Anker“
Lea Wintterlin, „Medea spricht zu ihrem weinenden Kind“
Jury 2026
Orhan Erdem (Preisträger Wuppertaler Literatur Biennale 2024), Emily Grunert (Leiterin Literaturbüro NRW), Thorsten Krämer (Schriftsteller), Avan Amir Weis (Kritiker, Dozent, Lyriker, Künstler) und Antonius Weixler (Literaturwissenschaftler, Germanistik, Bergische Universität Wuppertal)
Preisverleihung
Die Preisverleihung im Rahmen der achten Wuppertaler Literatur Biennale findet am Mittwoch, 13. Mai, um 19:30 Uhr im entstehenden Pina Bausch Zentrum statt.
Erstmals wird der Siegertext live zu hören sein. Podiumsgast wird auch die Schriftstellerin Helene Bukowski sein, die 2016 mit dem Förderpreis der Wuppertaler Literatur Biennale ausgezeichnet wurde. Ein Abend für neue Stimmen – mit Lesung, Talks und viel Mut zur Wut.
Bisherige Preisträger*innen
2014: Konrad H. Roenne (Hauptpreis), Anja Kampmann, Bastian Kresser, Daniel Zipfel
2016: Stefan Ferdinand Etgeton (Hauptpreis), Helene Bukowski, Yannic Han Biao Federer
2018: Yannik Han Biao Federer (Hauptpreis), Stephan Roiss, Franziska Schramm
2020: Philipp Böhm (Hauptpreis), Astrid Gläsel
2022: Annika Domainko (Hauptpreis), Emily Jeuckens, Katrin Krause
2024: Orhan Erdem (Hauptpreis), Lili Aschoff, Maria Marggraf
Die Wuppertaler Literatur Biennale wird vom Kulturbüro der Stadt Wuppertal in Zusammenarbeit mit zahlreichen Kooperationspartnern veranstaltet.
Die Kunststiftung NRW und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen stehen dem Festival als Hauptförderer zur Seite, weitere Unterstützer sind die Dr. Werner Jackstädt-Stiftung, die Sparkasse Wuppertal, die Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland sowie die Firmen Knipex und Barmenia.