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WuppertalPressemeldung – 03.02.2026

Umsturzgefahr: Linden am Rathaus müssen gefällt werden

Traurige Nachrichten zu den Bäumen am Rathaus in Barmen: Die Prüfung eines externen Gutachters ergab massive Beeinträchtigungen in der Standsicherheit der fünf Linden und damit ein erhebliches Sicherheitsrisiko für die Öffentlichkeit. Aus diesem Grund werden die 55 Jahre alten Bäume in der kommenden Woche gefällt.

Nachdem Mitte Januar eine der Linden ohne jedes Vorzeichen umgekippt war, hatten die Fachleute der Verwaltung gehofft, die anderen Bäume erhalten zu können. Die Linde zeigte vorher äußerlich keine Anzeichen für Instabilität. Leider wurde jedoch nach umfangreicher Prüfung mittels spezieller Zugversuche deutlich, dass ein Erhalt der Bäume nicht sinnvoll wäre. Mehr als fünfzig Prozent der Krone müssten je Baum eingekürzt werden, was zu einer erheblichen Schwächung führen würde. Gleichzeitig könnten mittelfristig erneut Standunsicherheiten auftreten.

Ursache des Umsturzes ist eine schwache Verwurzelung

„Ursache für die Standunsicherheit ist eine extrem schwache Verwurzelung der Bäume. Dies war auch Grund für den Umsturz der Linde im Januar. Durch einen zu kleinen Wurzelraum und die extreme Bodenverdichtung auf dem Johannes-Rau-Platz war ein Auswachsen der Wurzeln aus dem Pflanzloch kaum möglich“, erklärt Annette Berendes, Leiterin des Ressorts Grünflächen und Forsten.

OB Miriam Scherff: "Wir werden jetzt alles versuchen"

Oberbürgermeisterin Miriam Scherff zeigte sich betroffen von der Entwicklung: „Dass wir diese prägenden Bäume verlieren, schmerzt mich sehr. Der Johannes-Rau-Platz wird ohne die Linden einen großen Teil seines besonderen Ambientes verlieren, und ich weiß, wie sehr viele Wuppertalerinnen und Wuppertaler an diesem Anblick hängen. Doch so sehr wir auch um jeden Baum kämpfen: Wenn die Standsicherheit nicht mehr gegeben ist, und Menschen gefährdet werden könnten, gibt es keine Alternative zum Handeln. Wir werden jetzt alles versuchen, um wieder Bäume auf dem Johannes-Rau-Platz zu pflanzen, wenn die technischen Voraussetzungen für gutes Wachstum hergestellt werden können.“

Nachpflanzung wird geprüft

Aktuell prüft das Ressort Grünflächen und Forsten den Untergrund und die Finanzierung für Nachpflanzungen. Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Bäume mindestens achtzehn Kubikmeter Wurzelraum benötigen. Die Stadt arbeitet mit größter Mühe daran, dass potenzielle neue Bäume ausreichend Platz bekommen und so gut wurzeln können. „In der Vergangenheit konnten wir in einem ähnlichen Fall bereits einen Erfolg verbuchen: Die nachgepflanzten Bäume auf dem Von der Heydt-Platz haben ausreichend Wurzelraum bekommen, und zusätzlich haben wir dafür gesorgt, dass die Bäume ihre Wurzeln miteinander verbinden konnten, was zu sehr guten Bedingungen geführt hat“, so Annette Berendes

Auch eine Plantane hinterm Rathaus betroffen

Mindestens eine Platane auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus muss ebenfalls aus den gleichen Gründen gefällt werden. Die übrigen Bäume auf den Parkplätzen Rathaus und Brauhaus werden in den kommenden Wochen nun ebenfalls überprüft und alle hoffen, dass keine weiteren Fällungen notwendig sind.

Zum Sachverhalt gibt es auch eine Erklärung der Leiterin des Grünflächenamtes Dipl.Ing. Annette Berendes

"Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben jahrzehntelang die insgesamt 7 Bäume kontrolliert und gepflegt, dabei ist eine wesentliche emotionale Bindung entstanden. Der Umsturz der Linde vor dem Rathaus, bei dem mit viel Glück niemand zu Schaden gekommen ist, hat uns vollkommen überrascht, denn alle Bäume haben immer einen gesunden Eindruck gemacht. Als wir jedoch die nur geringe Wurzelausbildung an der umgestürzten Linde gesehen haben, hatten wir bereits die Befürchtung, dass diese Linde nicht die einzige bleiben wird, die bald nicht mehr auf dem Rathausvorplatz stehen wird.

Der anschließend zusätzlich hinzugezogene externe Gutachter bestätigte unsere Befürchtungen: die Wurzelstandorte bei allen Bäumen sind zu gering ausgebildet, als dass ein Verbleib der Bäume möglich wäre. Eine umfangreiche Prüfung mittels spezieller Zugversuche machte das deutlich; mehr als fünfzig Prozent der Krone müssten je Baum eingekürzt werden, um eine vertretbare Stabilität zu erhalten. Ein derartiger Eingriff in die Baumkronen ist nicht zu vertreten, da die großen Schnittwunden eine zu große Schwächung der Bäume nach sich ziehen.

Wir tragen derzeit alle wesentlichen Informationen zusammen, die erforderlich sind für eine Nachpflanzung der Bäume. Hierzu zählen vor allem die Leitungspläne der Versorgungsträger im Untergrund, aber auch Angaben zum Denkmalschutz (der gesamte Platz steht unter Schutz) oder die damaligen Planungen zu den Baumstandorten. Sobald uns diese Angaben vorliegen, wird – entlang dieser Vorgaben – mit der Planung nach den aktuellen geltenden Regeln der Technik begonnen, anschließend ist die Finanzierung zu sichern. Das Entfernen von Pflaster oder Platten ist aus Gründen des Denkmalschutzes und aufgrund der intensiven Nutzung des Platzes nicht möglich, die neuen Baumstandorte können jedoch hydrologisch und wassersensibel angepasst werden. In den letzten Jahrzehnten sind die Erkenntnisgewinne in diesem Bereich bedeutend. Eine Baumgrubengröße von 18 cbm ist unser Mindest-Ziel; ob dies aufgrund der Standortverhältnisse möglich ist, werden wir hoffentlich bald herausgefunden haben. Ggf. können neben der ordinären Pflanzgrube auch Wurzelgräben und Tiefenbohrungen z.B. dabei helfen, einen Standort mit der gewünschten Größe zu schaffen. Auf dem Von-der Heydt-Platz ist uns dies gelungen, hier konnten wir auch einen Verbindungsraum der Baumgruben untereinander etablieren, um den Bäumen optimale Standortbedingungen zu bieten.

Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben alle eine große Expertise in Baumkontrolle und Baumpflege, die auch formal nicht nur mit einer entsprechenden Ausbildung, sondern auch mit zusätzlichen Zertifizierungen bestätigt ist. Die Ausführung von Baumpflanzungen und der Jungbaumpflege ist Tagesgeschäft. Der öffentlich vereidigte Sachverständige und Gutachter ist ebenfalls seit sehr vielen Jahren in Fachkreisen hoch anerkannt, eine „differenziertere Begutachtung“ wird keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn ergeben. Sobald ein Gutachten eine Frist (im vorliegenden Fall von 2 Wochen) für die Fällung eines Baumes benennt, ist dem unmittelbar zu folgen, da die Bäume akut umsturzgefährdet sind. Bodenverbesserungen und Rückschnitte können in der aktuellen Situation die Verkehrssicherheit nicht wiederherstellen. Es ist daher kein „übereiltes Verfahren“, sondern wir haben hier leider keinerlei Alternative. Fällung ist bei uns immer erst der allerletzte Ausweg. Wenn Sie aufmerksam den städtischen Baumbestand betrachten, werden Sie häufig Kronensicherungen oder auch behutsame Rückschnitte beobachten können. Dies belastet den städtischen Haushalt nicht unwesentlich und erfordert einen erheblichen Einsatz von Personal, sollte uns allen jedoch der Erhalt der schönen, alten und für uns so wichtigen Bäume wert sein. 

Wir erstellen derzeit ein stadtweites Stadtbaumkonzept, das überprüft, in welchen Grünanlagen, auf welchen Plätzen und in welchen Straßen zusätzlich Bäume gepflanzt werden können. In Folge werden wir in den nächsten Jahren – gerne auch wieder mit Ihnen zusammen – möglichst viele zusätzliche Bäume im Stadtgebiet pflanzen können."

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Stadt Wuppertal

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