Zuletzt ging die Stadt von einer Übergabe im dritten Quartal 2028 aus. Durch die neuen Verzögerungen steigen auch die Kosten um rund 2,1 Millionen Euro. Bisher lagen die veranschlagten Bauprojektkosten bei rund 32,47 Millionen Euro.
Gravierende Abweichungen vom Bauplan
Der Rat der Stadt Wuppertal beschloss die Gesamtsanierung und den Ausbau des Hauptgebäudes bereits im Mai 2023. Damals plante die Verwaltung, das Projekt über Fördermittel des Bundes zu finanzieren. Weil das Förderprogramm einen Neubau ausgeschlossen hat, entschied sich die Stadt für die Sanierung des Bestands. Nach Entkernung des Gebäudes und weiteren Untersuchungen im Bestand, traten jedoch gravierende Abweichungen von den alten Bauplänen zutage. Die Stadt musste deshalb tragende Bauteile aufwendig sanieren und den Beton vollständig instand setzen. Wegen der Verzögerungen konnten die Fördermittel nicht genutzt werden, weshalb die Stadt Wuppertal die Maßnahme nun komplett über Kredite finanzieren muss.
Problematisches Fundament
Die aktuellen Probleme liegen vor allem im Boden. Die historischen Fundamente tragen die Lasten der geplanten Aufstockung nicht. Zudem wechselt der Untergrund ständig zwischen hartem Kalkstein und tiefen, mit Lehm gefüllten Spalten. Unter einem Gebäudeteil liegt die Bodenplatte sogar fast hohl und ist stark verrostet. Fachleute müssen nun rund 100 Mikropfähle tief im Fels verankern, um das Gebäude mit den neuen Lasten die die Aufstockung und Sanierung mit sich bringt, sicher zu gründen. Dafür ist eine individuelle Erkundung jedes einzelnen Fundamentpunktes nötig.
Es wird teurer
Neben den Fundamenten bremsen weitere Faktoren das Projekt. Weil für die alten Decken keine zugelassenen Befestigungen existierten, testeten Experten erst die Tragfähigkeit alternativer Halterungen. Das führt nun zu einem höheren Aufwand beim Einbau der Gebäudetechnik. Allein die Erdbauarbeiten und der Spezialtiefbau kosten rund 720.000 Euro mehr. Die längere Miete für das Ausweichquartier an der Yorckstraße, die Baustelleneinrichtung und die Gerüste schlagen mit etwa 1,16 Millionen Euro zu Buche. Die zusätzlichen Planungsleistungen kosten rund 220.000 Euro.
Weitere Risiken möglich
Es bestehen zudem noch weitere Risiken für den Zeitplan und die Kosten. Bei ersten Untersuchungen der Bestandsdecken kam heraus, dass darin liegende Eisen ohne Schutz sind und rosten. Ob die Stadt alle Decken sanieren muss, steht noch nicht fest. Auch die alten Fundamente an der Ostfassade weichen stark von den Plänen ab. Weil die Situation so komplex ist, verzögert sich die Prüfung der Statik erheblich. Das beauftragte Büro arbeitet wegen der ständigen neuen Erkenntnisse am Limit, weshalb sich auch die Bestellung von fertigen Deckenbauteilen verschiebt. Zuletzt birgt das Grundstück eine bekannte Gefahr durch Erdfälle, da der Boden dort in der Vergangenheit schon mehrfach einbrach. Die Verwaltung untersucht derzeit, ob Unterspülungen den Bau weiter gefährden.