Verdiente Gewinnerinnen, starke Botschaften und eine flammende Rede für mehr Feminismus – der zwölfte Empfang für Unternehmerinnen und Frauen in Führung überzeugte auch in diesem Jahr. Eingeladen hatte das Kompetenzzentrum Frau und Beruf Bergisches Städtedreieck, gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Miriam Scherff aus Wuppertal, Oberbürgermeister Daniel Flemm aus Solingen und Oberbürgermeister Sven Wolf aus Remscheid. Knapp 150 Gäste waren der Einladung in die Historische Stadthalle Wuppertal gefolgt und erlebten einen Abend, der sicherlich bei vielen noch lange nachklingt.
Großen Anteil daran hatten die drei Gewinnerinnen und ihre beeindruckenden Lebensläufe. Oder um Moderatorin Sarah Knörr zu zitieren: „Beeindruckend? Ja! Unerreichbar? Nein!“
Musikalisch begleitet wurde der Abend von der Harfenistin Juliane Bärwaldt. Nach dem offiziellen Teil nutzten viele Frauen die Gelegenheit, sich auszutauschen, Verbindungen zu stärken und neue Kontakte zu schließen.
Die Preisträgerinnen
Vorbildhafte Unternehmerin: Vera Bökenbrink
Die Fakten sprechen für sich: Vera Bökenbrink führt das Traditionsunternehmen STAHLWILLE mit mehr als 500 Beschäftigten seit 2020 als Alleingeschäftsführerin. Unter ihrer Verantwortung gelang es, das Unternehmen aus der Krise zu führen und ein stetiges Wachstum zu generieren. Sie setzt auf Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit. Darüber hinaus zeichnet Vera Bökenbrink aber auch ihr Führungsverständnis aus. Sie vermittelt die Werte eines Familienunternehmens, etabliert eine wertschätzende Unternehmenskultur und schafft es, die Mitarbeitenden zu einem Team zusammenzuschwören. Außerhalb des Unternehmens engagiert sich Vera Bökenbrink auch in der Förderung von Frauen in Führungspositionen. Sie ist unter anderem Mentorin im Cross-Mentoring-Programm des Kompetenzzentrums und setzt sich für die Sensibilisierung von Themen wie Sexismus am Arbeitsplatz ein. Die Jury würdigt mit Vera Bökenbrink eine vorbildliche Unternehmerin, die nicht nur auf Zahlen schaut, sondern immer die Menschen dahinter sieht und sie mitnimmt. Oberbürgermeisterin Miriam Scherff betonte in ihrer Laudatio, warum die Jury so klar für Bökenbrink votiert hatte. „Wir sehen in ihrem Wirken so viel mehr als das was die reinen Zahlen sagen. Wir sehen eine Persönlichkeit mit Haltung!“.
Kreative Lösung zur eigenen Existenzsicherung: Daniela Höhmann
Karrieren verlaufen nicht immer geradlinig. So auch bei Daniela Höhmann, die Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal studierte und viele Jahre erfolgreich in der Kreativbranche tätig war. Während sie ihre an Demenz erkrankte Mutter pflegte und die Folgen eines Burnouts bewältigte, entschied sie sich bewusst für einen beruflichen Neuanfang. Im Dezember 2024 übernahm Daniela Höhmann das Kulturmagazin „die beste Zeit“ und gründete den gleichnamigen Verlag. Als Herausgeberin, Chefredakteurin und Gestalterin verbindet sie heute ihre kreative Erfahrung mit neuen inhaltlichen Schwerpunkten. Parallel spricht sie öffentlich über Themen wie Burnout, Neurodivergenz sowie die Herausforderungen der Pflege von Angehörigen und setzt sich für mehr gesellschaftliche Anerkennung pflegender Familienmitglieder ein. Die Jury würdigte insbesondere ihren Mut, nach einer schwierigen Lebensphase erneut den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und ihre persönlichen Erfahrungen offen zu teilen. Daniela Höhmann steht damit beispielhaft für einen selbstbestimmten Neuanfang und den konstruktiven Umgang mit gesellschaftlichen Tabuthemen. Was viele an dem Abend besonders bewegte und was auch Oberbürgermeister Sven Wolf in seiner Laudatio mit persönlichen Erfahrungen unterstrich, war Höhmanns Umgang mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. An den Reaktionen im Publikum wurde deutlich, wie viele Personen sich verstanden fühlten.
Leitung eines nachhaltigen Projekts für Frauen: Dagmar Hertle
Dagmar Hertle wird als engagierte Vorkämpferin für die Gleichstellung und Sichtbarkeit von Frauen in Medizin und Gesellschaft ausgezeichnet. Ihr Lebensweg ist geprägt von dem Wunsch, Frauen bessere Bedingungen zu ermöglichen. Als Fachärztin für Innere Medizin, Psychotherapie und ärztliches Qualitätsmanagement sammelte sie Erfahrungen in einem männerdominierten Umfeld und setzte sich früh für Frauengesundheit und Gleichberechtigung ein, u. a. im „Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V.“ und in der CEDAW-Allianz. Heute arbeitet sie im BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung mit Schwerpunkt Frauengesundheit. Dagmar Hertle engagiert sich auch lokal in Wuppertal sehr stark, sie war Mitbegründerin des „Bündnis gute Geburt“ und auch eine der Gründerinnen des Projekts „Wupperfrauen“. Dieses setzt sich für mehr Sichtbarkeit von Frauen und ihrem Wirken im Stadtbild ein und fordert eine gerechtere Benennung von Straßen. Die Jury zeichnet Dagmar Hertle aus, weil sie ohne formale Führungsposition große Wirkung erzielt, Themen vorantreibt, Menschen vernetzt und Projekte erfolgreich umsetzt. Solingens Oberbürgermeister Daniel Flemm legte in seiner Laudatio dar, dass Hertle auch ohne Macht- oder Führungsposition viel für die Gleichberechtigung und Sichtbarkeit von Frauen erreicht habe. So würdigte er unter anderem auch Hertles Engagement für die Wupperfrauen.