Mit "Rebecca Horn. Emotion in Motion" präsentiert der Skulpturenpark Waldfrieden eine umfassende Einzelausstellung der 2024 verstorbenen Künstlerin. Die retrospektiv angelegte Schau vereint großformatige Installationen und kinetische Kunstwerke aus vier Jahrzehnten und zeigt in allen Ausstellungshallen sowie in der Villa Waldfrieden das vielseitige, medienübergreifende Schaffen einer der bedeutendsten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Entstanden ist die Ausstellung in enger Zusammenarbeit mit der von Rebecca Horn 2007 in Bad König gegründeten Moontower Foundation, die seit dem Tod der Künstlerin ihren künstlerischen Nachlass verwaltet und betreut.
Flügel hängt über Kopf
Die Ausstellung im Skulpturenpark Waldfrieden zeigt dreizehn Arbeiten von Rebecca Horn, die zwischen den 1980er- und 2010er-Jahren entstanden sind, darunter großformatige kinetische Skulpturen, die durch ihre Mechanik Klänge erzeugen. Die Geigen auf dem Leitergerüst heißen "Turm der Namenlosen" und entstanden 1994 unter dem Eindruck des Krieges im ehemaligen Jugoslawien. Die wiegenden Metallstangen tragen den Titel "Hauchkörper" und datieren auf das Jahr 2017. Und in der mittleren Ausstellungshalle überrascht ein Flügel an der Decke, über Kopf hängend: In zeitlichen Abständen öffnet sich das Instrument, die Tasten fallen mit einem dissonanten Akkord heraus. "Concert for Anarchy" heißt es und entstand 2006.
Installationen reagieren per Bewegungsmelder auf Besucher
Rebecca Horn wurde 1944 in Michelstadt im Odenwald geboren. Die Arbeit an ihren ersten Körperskulpturen, die sie während ihres Studiums an der Hochschule für bildende Künste Hamburg in den 1960er-Jahren als Kunststoffabformungen umsetzte, führten aufgrund der im Verarbeitungsprozess entstandenen giftigen Dämpfe zu einem langen Krankenhausaufenthalt der Künstlerin. Aus dieser Erfahrung der Isolation sind Rebecca Horns Körperextensionen entstanden: Objekte, die den menschlichen Körper erweitern und die Horn in Performances präsentierte. Die Thematik von Fragilität, Verletzlichkeit und die räumliche Begrenzung menschlicher Existenz ist zum zentralen Gegenstand in Rebecca Horns Werk geworden.
Vielfach ausgezeichnet
Rebecca Horns Arbeiten sind weltweit ausgestellt worden. 1972 präsentierte sie bei der Documenta 5 erstmals ihre Körperextensionen. Bereits 1993 erhielt sie – als erste weibliche Künstlerin – im New Yorker Guggenheim Museum eine Retrospektive. Horn wurden im Verlauf ihres Schaffens zahlreiche internationale Auszeichnungen und Preise verliehen, darunter zuletzt: Praemium Imperiale for Sculpture (Tokio, 2010), Grande Médaille des Arts Plastiques (Paris, 2011), Orden pour le mérite für Wissenschaften und Künste (Berlin, 2016) und Wilhelm-Lehmbruck-Preis (Duisburg, 2017).
Die Ausstellung ist bis zum 30. August im Skulpturenpark Waldfrieden zu sehen.
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr