Bei einer Schwebebahnfahrt stand Scherff den Wuppertaler Medien Rede und Antwort. Vor einem Jahr hat sie die Amtsgeschäfte im Wuppertal Rathaus übernommen und in dieser Zeit „unheimlich viele Menschen, Institutionen und tolle Projekte kennengelernt“, so die OB. Bei ihrem Blick zurück, der zugleich auch ein Blick nach vorn war, standen vier Themenfelder im Fokus: Stadtentwicklung, Verwaltungsmodernisierung, Stadtsauberkeit und Bildung.
Kaufhof-Kauf für eine belebte Innenstadt
Beim Thema Stadtentwicklung stellte Scherff im Gespräch die Stadtentwicklungsgesellschaft heraus, die auf ihre Initiative im kommenden Frühjahr gegründet werden soll. „Viele Projekte können in einer Stadtentwicklungsgesellschaft gebündelt und vorangetrieben werden, dort können die Fäden zentral zusammenlaufen.“ Den Erwerb des Kaufhof-Gebäudes in der Innenstadt sieht Scherff als großen Erfolg: „Hier haben wir uns gemeinsam – Stadt und Politik – auf den Weg gemacht, um die Innenstadt mit den Plänen für das Gebäude zu beleben und an so zentraler Stelle keinen jahrelangen Leerstand zu haben.“ Mit der Entwicklung der Fläche würden zudem Arbeitsplätze geschaffen.
Besserer Bürger-Service
Ein weiteres wichtiges Anliegen ist ihr die Modernisierung der Verwaltung und die Verbesserung der Bürger-Services. „Viele Menschen vertrauen den Institutionen nicht mehr. Ich möchte gern, dass wir auf diesem Feld Vertrauen zurückgewinnen.“ Heißt für Scherff konkret: Keine langen Wartezeiten in Bürger- oder Straßenverkehrsamt, die Prozesse müssen klappen. „Für dieses Thema steht natürlich sinnbildlich die Bundesbahndirektion, in der die Stadt mit vielen Anlaufstellen für die Bürgerinnen und Bürger vertreten ist.“ Außerdem soll zukünftig ein Springer-Pool dort aushelfen, wo Bedarf ist – so zum Beispiel vor den Schulferien im Bürgeramt, wenn erfahrungsgemäß besonders viele Ausweise gleichzeitig beantragt werden. Ihr Wunsch und Herzensanliegen für das kommende Jahr: „Dass man innerhalb einer Woche einen Termin bekommen kann.“
"Wilder Müll ist keine Bagatelle"
Am Herzen liegt Miriam Scherff auch das Thema Stadtsauberkeit. Dazu hat sie eine Offensive gestartet. „Ich habe einen Runden Tisch Stadtsauberkeit ins Leben gerufen, der interdisziplinär arbeitet“, so Scherff. „Dort sind schon viele Ideen entstanden, die wir umgesetzt haben.“ Die ersten Schritte sind bereits angelaufen. So hat der Eigenbetrieb Straßenreinigung etliche Flächen zusätzlich zur Reinigung übernommen, darunter viele Spielplätze. 24 Stellen wurden dafür eingerichtet. Im Gegenzug möchte Scherff die Bürgerinnen und Bürger stärker in die Pflicht nehmen. Aktuell werden Postkarten an die Wuppertaler Haushalte verteilt, die darüber informieren, in welchen Intervallen die Gehwegreinigung ansteht. Und die Bußgelder wurden stark erhöht – so für wild abgelegten Müll verdreifacht. „Das ist keine Bagatelle“, so Scherff. „Daher muss so ein Bußgeld auch einmal weh tun.“
In Bildung investieren
Zum Thema Bildung hat Scherff eine klare Perspektive: „Jeder Euro, der in Bildung investiert wird, ist eine Investition in die Zukunft.“ Wenn junge Menschen keinen Schulabschluss machten, bekämen sie in der Regel auch keine Ausbildung – eine Abwärtsspirale. „Deswegen möchte ich in Schulen und Kitas investieren“, so Scherff. So gehen im Wuppertaler Osten zum kommenden Schuljahr zwei neue Gesamtschulen an den Start, zunächst in Vorläufer-Quartieren. „Mit der Schulentwicklungsplanung reagiert die Stadt darauf, dass wir zu wenig Schulraum haben“, erläutert Scherff. Auch hier ist eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe tätig, ein Schulbaukoordinator wurde installiert. „So konnten in kurzer Zeit Standorte eruiert und das Schulbauprogramm auf den Weg gebracht werden.“
Dem Personalmangel in Kitas werde durch gezielte Personal-Politik begegnet, so Scherff weiter. „Bislang konnten 40 neue Erzieherinnen angeworben werden. Wir brauchen aber natürlich noch viel mehr. Denn unser Ziel muss sein, weniger Personal-Ausfall in den Kitas zu haben und damit mehr Zuverlässigkeit für die Familien.“
Gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft
Beim Thema Wirtschaft möchte die OB gute Rahmenbedingungen für die hiesigen Unternehmen schaffen. „Die Unternehmen bieten nicht nur Arbeitsplätze, sondern engagieren sich auch für die Stadtgesellschaft – zum Beispiel über soziale Projekte oder über die Kultur“, betont Scherff. Bei ihren Firmen-Besuchen möchte sie ein offenes Ohr dafür bieten, was die Unternehmen brauchen – oder was auch nicht gut läuft. Ein interdisziplinäres Team soll sich um eine schnellere Bearbeitung von Verfahren kümmern. Investorenmanagement für aktives Ansiedlungsmanagement und ein Unternehmensservice als Ansprechpartner sind ihr wichtig, beide sind in diesem Monat gestartet.
Haltung zeigen
In ihrem Amt möchte Scherff eine Oberbürgermeisterin sein, die Haltung zeigt. „Wuppertal ist eine vielfältige Stadt“, so Scherff. Mit dem Einstehen für Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen aus der LGBTIQ+-Community möchte sie Zeichen setzen. „Im kommenden Jahr werden wir zum zweiten Mal zu einem Empfang für die LGBTIQ+-Community einladen“, unterstreicht die OB, die auch auf ihrem Social-Media-Kanal für die Rechte aller Menschen eintritt.
Was sie generell in diesem Jahr gemerkt hat: „Die Zeit vergeht unheimlich schnell. Ich bin sehr perfektionistisch und würde gern alle Probleme gleichzeitig lösen.“ Ihre persönlichen Highlights sind Situationen, in denen sie von Kindern oder Jugendlichen als Vorbild bezeichnet werde. Gerne würde sie ihr Amt weiterführen: „Ich bringe jetzt den Wuppertal-Plan für die nächsten 15 Jahre auf den Weg.“ Darin sollen die großen Themen vorangetrieben werden. Mit ihr als OB? Sie wäre auf jeden Fall dabei.