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WuppertalPressemeldung – 04.11.2026

Verwaltung stellt vier Alternativ-Varianten für ein abgespecktes Pina Bausch Zentrum vor

In zwei Informationsveranstaltungen für stimmberechtigte Mitglieder und sachkundige Einwohner der Finanz- und Kulturausschüsse im Rat hat die Verwaltung nun vier Szenarien für das geplante Pina Bausch Zentrum vorgestellt.

Um die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Effekte des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch fundiert zu untersuchen, hat die Stadt Wuppertal das renommierte Berliner Institut für kulturelle Teilhabeforschung (IKTf) mit der Erstellung einer erstmaligen Analyse der Umwegrentabilität (UWR) beauftragt. Die Analyse untersucht die wirtschaftlichen Effekte in der Stadt, die durch das öffentlich geförderte Tanztheater Pina Bausch entstehen. Sie schätzt die mit dem Tanztheater verbundene lokale Nachfrage: betriebliche Ausgaben sowie Konsum der Beschäftigten und des Publikums, jeweils einschließlich modellierter Folgewirkungen, also indirekte Effekte. Steuern und Sozialbeiträge werden gesondert betrachtet. Die UWR setzt diese Nachfrage zur städtischen Förderung ins Verhältnis. Andere Förderungen wie Landes- oder Bundesmittel wurden dabei nicht berücksichtigt. Die UWR setzt diese Nachfrage zur städtischen Förderung ins Verhältnis. 

Übernachtungsgäste bringen Geld ins Tal

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die UWR des Tanztheaters Pina Bausch bei pessimistischer Betrachtung zu einem lokalen Nachfrageeffekt je 1 EUR städtischer Förderung von 1,32 EUR führt. Bei mittlerer Betrachtung läge der Effekt bei 1,78 EUR und bei optimistischer Betrachtung bei 2,21 EUR je eingesetzten städtischen Euro.

UWR-Effekte aus Ausgaben der Tanztheater-Besucherinnen und Besuchern beziehen sich auf die Übernachtungsgäste. Hier hat das IKTf die Wahrscheinlichkeit der Übernachtungen dreigeteilt: pessimistisch (50%) 1 Nacht, Basis (75%) 1,5 Nächte und optimistisch (90%) 2,23 Nächte. In allen drei Fällen wird die Folgewirkung des direkten Konsums mit 45% prognostiziert.

Die Gesamtwirkung in der Untersuchung zeigt, wie viel wirtschaftliche Aktivität das Tanztheater insgesamt in Wuppertal auslöst. Sie fasst dafür alle zuvor berechneten wirtschaftlichen Effekte in Wuppertal zusammen: die Ausgaben des Tanztheaters für Waren und Dienstleistungen, die Ausgaben der Beschäftigten und Besuchern sowie die modellierten Steuereffekte. 

Bedeutung eines Pina Bausch Zentrums

Abschließend stellt das IKTf die vielfältige Bedeutung des PBZ heraus. Auf der kulturellen Wirkungsebene die künstlerische Exzellenz, auf der lokal-gesellschaftlichen Ebene die Förderung der kulturellen Bildung, die soziale Integration, die Stadtentwicklung und das Wohlbefinden der Stadtbevölkerung, auf der nationalen und internationalen Ebene die Steigerung des Images der Stadt als Anziehungspunkt für Tourismus und die Attraktivität für Unternehmen und Fachkräfte sowie die lokale Nachfrage.

Das Pina Bausch Zentrum ist damit laut der Untersuchung nicht nur ein bedeutendes Kulturprojekt, sondern eine Investition in die kulturelle Identität, die internationale Sichtbarkeit und die Zukunftsfähigkeit Wuppertals. Die wirtschaftliche Wirkung des bestehenden Tanztheaters verdeutlicht, welches Potenzial in einer weiteren Stärkung dieses international renommierten Kulturstandorts liegt.

Kulturdezernent: "Verbindung von Kunst, Stadtgesellschaft und internationaler Ausstrahlung"

Dazu Kulturdezernent Dr. Hagen W. Lippe-Weißenfeld: „Die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung des Tanztheaters Pina Bausch geht weit über wirtschaftliche Effekte hinaus. Es prägt das Selbstverständnis unserer Stadt, schafft kulturelle Begegnungsräume und trägt dazu bei, Wuppertal international als bedeutenden Standort für Tanz und darstellende Kunst sichtbar zu machen. Das PBZ kann diese besondere Verbindung von Kunst, Stadtgesellschaft und internationaler Ausstrahlung künftig weiter stärken.“

PBZ: Vier Varianten zur Senkung der Bau- und Betriebskosten vorgestellt

Jährliche finanzielle Belastung könnte je nach Variante deutlich sinken

Das Kulturdezernat hat in enger Zusammenarbeit mit dem Gebäudemanagement der Stadt Wuppertal (GMW), der Beratungsfirma actori und dem Zentralen Fördermanagement (ZFM) die in der Ratssitzung vom 28. September 2026 von Kulturdezernent Dr. Hagen W. Lippe-Weißenfeld angekündigten vier alternativen Varianten ausgearbeitet. Die Ausgangsfrage für deren Erarbeitung lautete: Wie lassen sich – insbesondere vor dem Hintergrund des HSK – die investiven Kosten und die konsumtiven Kosten für das geplante Pina Bausch Zentrum (PBZ) reduzieren, ohne das inhaltliche Konzept der vier Säulen – Tanztheater, Produktionszentrum, Foundation und Forum Wupperbogen – zu verwässern? 

Am Mittwoch, 4. November, wurde den Ratspolitikern und Vertretern der Kunst- und Kulturszene sowie sachkundigen BürgerInnen im Rahmen von zwei Informationsveranstaltungen die insgesamt vier Varianten vorgestellt. Diese reichen vom bisher geplanten Neubau von Diller Scofidio + Renfro (Variante 1), über einen verkleinerten Neubau von Diller Scofidio + Renfro (Variante 2) über einen Ersatz des Diller Scofidio + Renfro – Neubaus durch einen Ersatzneubau (Variante 3) bis zum Verzicht auf einen Neubau (Variante 4).

Im Mittelpunkt der Präsentation standen die Auswirkungen unterschiedlicher baulicher Ansätze auf die Investitionskosten, die jährlichen Baufolgekosten des Gebäudemanagements für das PBZ und die laufenden Betriebskosten. Ziel ist es, die finanziellen Konsequenzen der jeweiligen Optionen transparent zu machen und eine fundierte Grundlage für die weitere politische Beratung und Entscheidung in der Ratssitzung am 21. Dezember zu schaffen.

Vier Varianten mit unterschiedlichen finanziellen Auswirkungen

Die Berechnungen zeigen, dass sich durch eine Reduzierung des Bauvolumens sowohl die investiven Kosten als auch die konsumtiven Kosten signifikant senken lassen. Je nach Variante fallen die Einsparungen unterschiedlich hoch aus.

Variante 1: Geplanter Neubau mit angepassten Kalkulationsparametern

Der Entwurf des New Yorker Architekturbüros Diller Scofidio + Renfro wird unverändert realisiert. Bei Baukosten von rund 219,09 Millionen Euro, einschließlich Index und Risikoaufschlag von 25 Prozent, ergibt sich eine jährliche Baufolgekosten des Gebäudemanagements von rund 10,12 Millionen Euro im Eröffnungsjahr 2032. Der inhaltliche Betrieb mit Veranstaltungen im Schauspielhaus und in den Multifunktionsräumen bleibt nach den Berechnungen unverändert. Die jährlichen Gesamtkosten würden sich gegenüber der Ausgangssituation um rund 15 Prozent verringern. Fazit: Der Neubau in der bisherigen Planungsvariante ist von der Stadt finanziell nicht leistbar. Diese Variante scheidet daher auf Empfehlung der Verwaltung aus.

Variante 2: Reduzierter Neubau

Der geplante Entwurf von Diller Scofidio + Renfro wird in verkleinerter Form umgesetzt. Die kalkulierten Baukosten sinken auf rund 203,51 Millionen Euro einschließlich Index und Risikoaufschlag von 25 Prozent, die jährliche Baufolgekosten des Gebäudemanagements auf rund 9,3 Millionen Euro im Eröffnungsjahr 2033. Durch geringere Gebäudebetriebskosten reduziert sich auch der städtische Zuschuss für das PBZ von 3,40 auf 3,27 Millionen Euro. Mietkosten für den Ausgleich wegfallender Flächen sind dabei berücksichtigt. Die jährlichen Gesamtkosten würden gegenüber der Ausgangssituation um rund 20 Prozent sinken. Fazit: Auch ein reduzierter Diller-Neubau stellt durch einen fehlenden Kostendeckel nicht sicher, dass es nicht zu möglichen Mehrkosten kommt. Diese Variante scheidet daher auf Empfehlung der Verwaltung aus.

Variante 3: Ersatzneubau

Anstelle des geplanten DS+R Entwurfs wird ein Ersatzneubau betrachtet. Die Baukosten belaufen sich in dieser Variante auf rund 171,18 Millionen Euro einschließlich Index und Risikoaufschlag von 40 Prozent für den Ersatzneubau bzw. 25 Prozent für die Bestandsgebäude, der mit einem höheren Risikoaufschlag die geringere Planungstiefe aufgrund der erforderlichen Neuplanung berücksichtigt. Die jährlichen Baufolgekosten des Gebäudemanagements würden im Eröffnungsjahr 2034 rund 7,6 Millionen Euro betragen. Der Zuschuss für das PBZ würde auf 2,70 Millionen Euro sinken. Neben geringeren Gebäudebetriebskosten sind dabei auch Veränderungen beim Personal- und Produktionsbudget, bei den Eigeneinnahmen sowie zusätzliche Mietkosten für entfallende Flächen des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch und der Pina Bausch Foundation berücksichtigt. Die jährlichen Gesamtkosten könnten sich ab 2034 um rund 34 Prozent verringern. Fazit: Der Ersatzneubau ist durch eine Neuausschreibung mit festem Kostendeckel kalkulierbar und vermeidet mögliche spätere Mehrkosten. Er sichert zudem die Umsetzung des inhaltlichen Konzepts mit den vier Handlungsfeldern. Seine architektonisch-bauliche Attraktivität und zum Graubner-Bau passende Ästhetik kann durch ein präzise formuliertes Leistungsverzeichnis sichergestellt werden. Diese Variante wird daher von der Verwaltung empfohlen.

Variante 4: Verzicht auf den geplanten Neubau

In dieser Variante wird der Neubau von Diller Scofidio + Renfro ersatzlos gestrichen. Die ausgewiesenen Baukosten belaufen sich auf rund 136,83 Millionen Euro einschließlich  Index und Risikoaufschlag von 25 Prozent. Die jährlichen Baufolgekosten des Gebäudemanagements würden im Eröffnungsjahr rund 5,79 Millionen Euro betragen. Der Zuschuss für das PBZ würde auf 1,50 Millionen Euro sinken. Die Berechnung berücksichtigt unter anderem geringere Gebäudebetriebskosten, Einsparungen bei Personal und Produktionsbudget, wegfallende Eigeneinnahmen sowie Mietkosten für die künftig nicht mehr im Gebäude verfügbaren Flächen des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch und der Pina Bausch Foundation. Die jährlichen Gesamtkosten könnten sich gegenüber der Ausgangssituation ab 2034 um rund 46 Prozent verringern. Fazit: Durch den Wegfall des Neubaus wäre das inhaltliche Konzept mit den vier Handlungsfeldern nicht mehr umsetzbar. Diese Variante scheidet daher auf Empfehlung der Verwaltung aus.

Langfristige finanzielle Auswirkungen im Blick

Die Baufolgekosten des Gebäudemanagements für das Pina Bausch Zentrum ist ein wesentlicher Bestandteil der langfristigen finanziellen Belastung der Stadt Wuppertal. Sie dient insbesondere der Rückzahlung der für den Bau erforderlichen Kreditmittel. Darüber hinaus werden darüber Bauunterhalt, Verwaltungskosten des Gebäudemanagements der Stadt Wuppertal (GMW) und Abschreibungen finanziert. Die zugrunde gelegte Mietkalkulation sieht eine jährliche Steigerung von 2,5 Prozent über einen Zeitraum von 50 Jahren vor.

Die vorgestellten Varianten verdeutlichen, dass Entscheidungen über Bauvolumen und bauliche Ausgestaltung weitreichende Auswirkungen auf die kommunalen Finanzen haben. Gleichzeitig unterscheiden sich die Optionen hinsichtlich ihrer räumlichen Voraussetzungen und der Möglichkeiten, die vorgesehenen Nutzungen des Pina Bausch Zentrums umzusetzen.

Die Präsentation für stimmberechtigte Mitglieder und sachkundige EinwohnerInnen der Finanz- und Kulturausschüsse im Rat diente dazu, die finanziellen Auswirkungen der unterschiedlichen Szenarien nachvollziehbar darzustellen. Sie bildet eine Grundlage für die weitere politische Diskussion zu den finanziellen und inhaltlichen Anforderungen.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Stadt Wuppertal, Bettina Milz

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