Denn viele suchen angesichts der Unmengen an Bildern, die die elektronischen Medien in rasantem Tempo hervorbringen, nach formalen Strategien, die Klarheit und Festigkeit in geometrischen und ornamentalen Ordnungen versprechen.
Was ist zu sehen?
Schön und streng, verspielt und geordnet, poppig und politisch: Ornamente prägen die Wahrnehmung in vielen Lebensbereichen – auch in der Kunst. Die Ausstellung lädt ein zu einer lustvollen Entdeckungsreise in die Welt der Muster und Rapporte. Gleichzeitig analysiert sie deren Funktion und Bedeutung, von der Klassischen Moderne bis heute. Die Werkauswahl – sie umfasst neben zahlreichen Gemälden und Grafiken auch Textilarbeiten und Installationen – veranschaulicht einerseits die dem Ornament eigene formale Strenge. Andererseits betont sie den Aspekt des Spielerischen. Es werden rund 100 Arbeiten von rund 40 Künstlerinnen und Künstlern gezeigt.
Rund 100 Arbeiten von 40 Kunstschaffenden
Gerade die international renommierte Malerei-Sammlung des Von der Heydt-Museums bietet für eine Ausstellung zur „Macht des Ornaments“ die ideale Basis, illustriert sie doch anhand zahlreicher Hauptwerke, wie Malerinnen und Maler seit dem Beginn der Moderne Farbe, Form und Fläche zum eigentlichen Bildthema werden lassen. Von Henri Matisse und August Macke bis heute erfüllen Wiederholungen, Muster und Rapporte keine dekorative Funktion, sondern sind Ausdruck des Wunsches, das Einfache und das Komplexe schlüssig miteinander zu verbinden. Unter den Zeitgenossen stehen dafür etwa Philip Taaffe, Katja Davar oder Thomas Bayrle. Zugleich werden über vermeintlich rein dekorative Formen auch zeit- und gesellschaftskritische Fragen gestellt, denn jedes Ornament hat seine Geschichte und aufgrund dieser seine Bedeutung. Wenn beispielsweise Künstlerinnen und Künstler wie Nevin Aladağ, Azra Akzamija oder Susan Hefuna heute auf tradierte Ornamente bestimmter Kulturkreise zurückgreifen, lassen sich Muster nicht zuletzt auch als gesellschaftskritische Botschaften lesen.
Formale Strenge versus Aspekt des Spielerischen
Die Ausstellung basiert zunächst auf der sinnlichen Lust und Freude des reinen Anschauens. Es geht um tradierte Ornamente genauso wie um individuell gestaltete, dem heutigen Farb- und Formempfinden entsprechende Bildmuster. Zwar richtet sich das Interesse einerseits auf die dem Ornament eigene formale Strenge, auf Regelhaftigkeit und Serialität wie auch auf den Aspekt des Spielerischen. Damit reflektieren die ausgewählten Werke die künstlerischen Ansätze, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur abstrakten oder konkreten Kunst, später zur Op Art, führten und heute eine Wiederbelebung erfahren. In der heutigen globalen Kultur ist aber vor allem die Migration der Formen sowie die Repräsentations- und Kommunikationsfunktionen von Mustern und Ornamenten im Kontext sich vermischender Kulturkreise ein hochspannendes Thema.
Die Ausstellung ist vom 11. Oktober 2026 bis zum 14. Februar 2027 im Von der Heydt-Museum zu sehen.