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Wuppertal / Kultur & Bildung

Forum: 120 Interessierte diskutierten zum Auftakt

Zum Auftakt der Debatte um die Zukunft des Schauspielhauses diskutierten am Dienstag, 1. März, rund 120 Interessierte in der kleinen Spielstätte an der Kluse. Dabei legten Experten aus der Verwaltung die Grundlagen für die Diskussion dar – bauliche Möglichkeiten und Grenzen des Gebäudes, Denkmalschutz, Stadtplanung und finanzieller Spielraum der Bühnen.

„Das Schauspielhaus ist transparent, großzügig, in den klaren Formen der 60er Jahre und auf einer Industriebrache erbaut“, so Kulturdezernent und Moderator Matthias Nocke in seiner Eröffnung. Der Bau sei in städtischem Selbstbewusstsein errichtet worden. Daran herrsche heute auch kein Mangel, allerdings herrsche Mangel an städtischer Selbstverwaltung, so Nocke mit Hinweis auf die angespannte Haushaltslage der Stadt. Nun gehe es darum, eine Lösung für das traditionsreiche Haus und die ganz Wupperschleife an der Kluse zu finden.

Pina-Bausch-Haus in der Wupperschleife?

„Wünschenswert wäre es aus unserer Sicht, das Haus weiterhin für kulturelle Veranstaltungen und Zwecke zu nutzen“, konstatierte Günter Völker, Vorsitzender der Freunde der Wuppertaler Bühnen. So sei ein Tanzzentrum Pina Bausch ideal an dieser Stelle – dazu müssten dann aber Bund und Land einen maßgeblichen finanziellen Beitrag leisten. Der „herausragenden kulturellen Botschafterin“ damit ein Denkmal zu setzen, sei ein letztes Dankeschön an die „geniale Künstlerin“, unterstrich Völker. Zudem ermöglichten die zahlreichen Gastspiele des Tanztheaters in der ganzen Welt möglicherweise Raum für andere kulturelle Veranstaltungen auf der großen Bühne. Die Theaterfreunde, so Völker weiter, bemühten sich um eine kleine Spielstätte für die Zeit nach 2012. „Wenn das Schauspielhaus schließen muss, muss gehandelt werden – eine kleine Spielstätte ist aus unserer Sicht unverzichtbar.“

Lüftungsanlage reif fürs Museum

Das Thema Geld brachte Dr. Hans-Uwe Flunkert vom städtischen Gebäudemanagement ins Gespräch. Nachdem er einen kurzen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des Hauses geworfen hatte – Architekt Gerhard Moritz Graubner war ein Star seiner Zeit, der viele prägende Gebäude in verschiedenen Städten erbaute -, ging er auf die Details des Baus ein. Die 20 Meter breite Bühne wird von einem 18 Meter hohen Schnürboden überspannt, der ebenso wie alle anderen technischen Einrichtungen bis heute auf dem Niveau der 60er Jahre betrieben würde. „Lüftung, Heizung und Elektroanlagen sind eher reif fürs Museum als für den Betrieb dieses Hauses“, sagte Flunkert. Entsprechend hoch sind die Betriebskosten: Eine Million Euro im Jahr allein für Heizkosten und Strom. „Außerdem fehlen ein behindertengerechter Zugang und Toiletten, und die Bestuhlung muss überholt werden.“ Eine grundlegende Sanierung des Baus mit allen rechtlichen und technischen Notwendigkeiten würde mit 7 Millionen Euro zu Buche schlagen. „Danach hätten wir keinen Prachtbau, sondern lediglich ein betriebsbereites Haus.“

750 Plätze zu füllen

Nach dem Blick auf die „Hardware“ lenkte Enno Schaarwächter, Geschäftsführer der Wuppertaler Bühnen, die Aufmerksamkeit auf die „Software“. Was es bedeute, ein Haus zu betreiben und fit zu machen? „120 Vorstellungen im Jahr und 50 bis 70 Vorstellungen im Foyer“, lautete seine Antwort. Um das Opernhaus ebenso mit voller Auslastung weiter zu betreiben, müsste dort die gleiche Anzahl Vorstellungen „gefahren“ werden. „Hüben wie drüben – also in Barmen und in Elberfeld – den Zuschauerraum mit jeweils 750 Plätzen zu füllen, ist mit dem jetzigen finanziellen Rahmen nicht zu schaffen.“ Dabei seien Mittel für ein größeres Schauspielensemble, Gast-Regisseure oder Sonderveranstaltungen wie Matineen und Konzerte noch nicht berücksichtigt. Seine Vision: Nur eins der beiden großen Häuser weiter zu betreiben – mit angedockter kleiner Spielstätte.

Denkmal mit Zukunft

Stadtplanung und Denkmalschutz lauteten die Themen von Bau- und Planungsdezernent Frank Meyer. „Das Gebäude selbst ist eine Inszenierung, ein beredtes Zeugnis hoher Architektenkunst.“ Daher seien nicht nur das gesamte Gebäude mit Garten, Höfen und dem vorgelagerten Platz, sondern auch große Teile des Inventars unter Denkmalschutz gestellt worden. „Denkmalschutz kann allerdings kein Dogma sein“, so Meyer weiter. „Ein Denkmal hat nur dann eine Zukunft, wenn es sich einer zeitgemäßen Nutzung nicht verschließt.“ Er wolle mit dieser Aussage nicht den Denkmalwert in Frage stellen, aber: „Die sanierte Schwimmoper und das Opernhaus zeigen, wie man die Ansprüche zeitgemäßer Nutzung und den Denkmalschutz erfolgreich unter einen Hut bringen kann.“

Diskussionsforum im Internet

Froh über die Diskussion, die nun geführt werde, zeigte sich Landtagsabgeordneter Andreas Bialas (SPD). „Eigentlich müsste es für Kommunen eine Selbstverständlichkeit sein, ein solches Haus zu führen“, sagte er. In Zeiten hoher Verschuldung sei das aber nicht mehr möglich, so Bialas. Nun gelte es, den Kommunen finanziell zu helfen. Dabei sah er das Land in der Pflicht. „Die Kulturausgaben in Wuppertal liegen bei 3 Prozent des Gesamthaushaltes – da müssen wir nicht ständig über weitere Kürzungen reden.“ Er stellte einen Aktionsplan des Landes in Aussicht und mahnte Hilfe des Bundes an. Ein  Pina-Bausch-Haus sei „eine sehr interessante Variante“, die zwingend vom Land begleitet werden müsse. Das biete die Chance, das Tanztheater zukunftsfest zu machen, ein Archiv zu pflegen und neue Stücke zu entwickeln. „Eine Brache wäre an dieser Stelle eine städtebauliche Katastrophe.“

Die anschließende Diskussion mit dem Publikum schloss Kulturdezernent Matthias Nocke mit einem Aufruf: „Diskutieren Sie mit, beteiligen Sie sich unter www.wuppertal.de!“ Das Online-Forum ist offen für alle Beiträge, die anschließend gesammelt, ausgewertet und in einer Abschlussveranstaltung im Foyer des Schauspielhauses präsentiert und diskutiert werden.

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  • Stadt Wuppertal
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