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Wuppertal / Kultur & Bildung

Selma von der Heydt

Selma von der Heydt

Es ist nicht das Fenster zum Hof in Alfred Hitchcocks gleichnamigem Spielfilm, durch das James Stewart als Fotojournalist Jefferies, der wegen eines Gipsbeines an den Rollstuhl gefesselt ist, zum Zeitvertreib das Geschehen im Hinterhof verfolgt. Diese junge Dame blickt auch gar nicht aus dem Fenster, aber sie präsentiert sich dem Betrachter von außen direkt hinter der Scheibe. Sie sitzt halbwegs entspannt, aber konzentriert auf einem Stuhl, die Hände im Schoß und scheint sich überhaupt nicht dafür zu interessieren, wer sie durch das Fenster von außen anschaut. Oder genießt sie es angeschaut zu werden? Man hat den Eindruck, es ist noch eine weitere Person im Raum, die die Aufmerksamkeit der Dame auf sich zieht. Vielleicht ein Maler, der sie gerade porträtiert oder ein Fotograf? Vielleicht sitzt sie auch einfach nur gerne am Fenster, weil das Wetter schön ist, und lässt ihre Gedanken schweifen.

Wie auch immer, es stellt sich die Frage, wer ist diese junge Dame überhaupt? Sie war Teil einer der Familien im Wuppertal, deren Namen man überall begegnet und auch sie hat in Wuppertal viele Spuren hinterlassen: Selma von der Heydt, geb. Haarhaus, die Mutter des „umtriebigen“ Bankiers und Kunstmäzens Eduard von der Heydt und dessen Bruders August, denen vor längerer Zeit schon einmal ein Foto des Monats gewidmet war. Die am 5. August 1862 in Elberfeld geborene Selma Haarhaus stammte aus einer angesehenen Elberfelder Kaufmannsfamilie und heiratete den Vater ihrer Kinder, August Freiherr von Heydt (1851-1929), am 11.11.1880. Dieser war ein vielbeschäftigter Mann, zum einen im väterlichen Bankhaus Von der Heydt-Kersten & Söhne, zum anderen förderte er intensiv Kultur und Natur seiner Heimatstadt. So gehen z. B. der Bau des Zoologischen Gartens und die Einrichtung des städtischen Kunstmuseums auf sein Konto und er war Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender des Elberfelder Verschönerungsvereins.

Selma teilte mit ihm die Begeisterung für Kunst, Kultur, Literatur und Musik und wurde ihm in allen Belangen eine eng verbundene Partnerin. Sie unterstützte seine Förderprojekte oder initiierte eigene wie 1893 das Denkmal für den Dichter Heinrich Heine am Spessartweg in Küllenhahn, das aber bald wieder zerfiel, so dass 1958/59 ein neuer Gedenkstein für Heine im Von der Heydt-Park errichtet wurde. Zum 300jährigen Jubiläum Elberfelds stiftete August von der Heydt den Gerechtigkeitsbrunnen für den Exerzierplatz auf dem Engelnberg, und Selma spendete ihrerseits einen kleineren Brunnen am Freudenberg.

Das Haus auf der Königshöhe, das August und Selma zwischen 1870 und 1880 erwarben, 1885 zu einer Sommervilla ausbauten und 1907 nochmal erweiterten, wurde bald zu einem Sammelort für bedeutende Gemälde und ein Ort kultureller Veranstaltungen wie Lesungen mit dem Dichter Rainer Maria Rilke. Neben der Dichtkunst liebte Selma auch die Musik und besonders die von Richard Wagner, nach dem sie sogar einen Platz im Wald benannte. Die Villa wurde allerdings im Jahre 1924 an die Stadt Elberfeld verkauft, nachdem August und Selma von der Heydt 1920 ins vornehme Godesberg übergesiedelt waren.

Auch die soziale Einstellung teilte Selma von der Heydt, wie gesagt, mit ihrem Mann. Der Erhalt grüner Flächen in der rasant zunehmenden Besiedlung des Wuppertals gehörte zu ihren gemeinsamen Projekten. Sie ließen Waldflächen, die den Namen „Selma-Schonung“ erhielten, aufforsten und Wanderwege anlegen, wie im Mirker Hain, wo Wegesteine die Initialien von Selma von der Heydt tragen. Zudem war sie Vorstandsmitglied des Vaterländischen Frauenvereins und des Roten Kreuzes und kümmerte sich mit ihrem Mann im Ersten Weltkrieg ehrenamtlich um das als Lazarett genutzte Rot-Kreuz-Krankenhaus an der Hardt.

Nach dem Tode August von der Heydts am 28.9.1929 gab es eine Ausstellung seiner Kunstsammlung im Städtischen Museum Elberfeld und Selma schenkte dem Museum 15 bedeutende Kunstwerke aus seinem Besitz. Selma von der Heydt überlebte ihren Mann um 15 Jahre, sie starb an ihrem Geburtstag, am 5. August 1944, im Alter von 82 Jahren.

 

Herr Thorsten Dette
Teamleiter

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