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Wuppertal / Kultur & Bildung

Am Mäuerchen 1860: Historische Idylle in Elberfeld

Am Mäuerchen 1860: Historische Idylle in Elberfeld

Dieser idyllische Anblick würde einen idealen „Malerwinkel“ abgeben; vielleicht kamen ja einst auch Maler hierher, um das sich ihnen bietende Bild auf der Leinwand festzuhalten. Die Herren auf dem Foto genießen wohl einen Moment der Ruhe an der leise dahin fließenden Wupper, selbst das am Rande abgestellte Pferd mit der anhängenden Kutsche scheint den Anblick, der nur von dem am anderen Ufer liegenden Fabrikgebäude gestört wird, zu genießen.

 

Beim „Mäuerchen“, das die Fortsetzung der Elberfelder Aue bildete, handelte es sich um eine sehr feine Wohngegend der Stadt Elberfeld des 19. Jahrhunderts, hier wohnten u.a. der Bankier Karl von der Heydt und andere angesehene und reiche Persönlichkeiten der Stadt in ihren prachtvollen Häusern, die durch eine niedrige Kaimauer geschützt wurden. Sie gab der Straße „Am Mäuerchen“ den Namen. Diese für dieses Teilstück der Wupper zur Flussregulierung gebaute Mauer reichte vom Anfang der Straße bis zu ihrem Übergang in die Auer Straße.

 

Im Vordergrund ist ein Teil der Schlossbleiche unterhalb des Gemeindegangs zu erkennen. Hier trafen sich einst die Frauen der umliegenden Häuser auf einer saftigen Wiese, um ihre Wäschestücke zum Bleichen auszubreiten und sich dabei miteinander zu unterhalten.

 

Die die Idylle störende Fabrik links im Bild ist das Gebäude der Manufaktur Johann Simons Erben, einem Betreiber für mechanische Webstühle. Johann Simons (1735-1789), der aus dem Raum Krefeld nach Elberfeld gekommen war, hatte die Firma um 1760 gegründet. Um 1875 war sie mit 710 Beschäftigten die größte Firma im Tal. Um 1900 wurde das Fabrikgelände von der Stadt erworben. Hier entstand u.a. das 1906 eröffnete Thalia-Theater und die Industrie- und Handelskammer. Die etwa in der Bildmitte erkennbare Simonssche Brücke über die Wupper zum Islandufer entspricht in etwa dem heutigen Bismarcksteg. Im Hintergrund sind die Türme der St. Laurentiuskirche erkennbar, der ersten katholischen Kirche in Elberfeld nach der Reformation, die von 1828 bis 1832 am Laurentiusplatz im Luisenviertel erbaut wurde.

 

Wer heute an der Schwebebahnhaltestelle Ohligsmühle aussteigt, wird dieses idyllische Bild allerdings nicht mehr vorfinden.

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