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Wuppertal / Kultur & Bildung

Friedrich Storck alias Fritz Höarmeckan (1838-1915)

Friedrich Storck alias Fritz Höarmeckan (1838-1915)

Diesen Mann mit dem ausufernden Bart könnte man sich auch gut als kernigen Bayern im Gebirge vorstellen, ganz klassisch, mit Lederhose, Trachtenhemd und Gamsbarthut. Doch dieser Herr mit dem außergewöhnlich ausdrucksstarken Gesicht, mit der neben dem Bart auffallenden großen Nase und den leicht vorstehenden Augen ist ein Elberfelder Urgestein. Es ist kein Zufall, dass er hier mit Stift vor einem aufgeschlagenen Buch am Tisch sitzt, sich auf dieses Buch sogar aufstützt, denn er beherrschte die Sprache, sogar die lokale Sprache und er hatte viel zu erzählen.

 

Auf dem Foto blickt uns der Schriftsteller und Heimatdichter Friedrich Storck entgegen, ein humorvoller Poet, der den Schalk im Nacken (oder in den Augen?) hatte. Das sieht man schon daran, dass er ein falsches Geburtsdatum in Umlauf brachte, nämlich den 26.12.1839, was dazu führte, dass am 21.2.1900 zu Ehren seines angeblich 60. Geburtstages am 26.12.1899 in der Elberfelder Stadthalle eine große Friedrich-Storck-Feier abgehalten wurde. Dabei hatte er bereits am 27.12.1838 das Licht der Welt erblickt, im Hause am Neuenteich 79, in dem Konrad Krimmelbein die Kneipe „Zur Landskron“ unterhielt. Die Feier zum 70. Geburtstag von Friedrich Storck, wieder in der Stadthalle, fand dann allerdings völlig korrekt am 27.12.1908 statt.

 

Er genoss eine große Popularität im Bergischen Land, war beliebt wegen seiner unbekümmerten, lebensbejahenden, Zuversicht ausstrahlenden Dicht- und Erzählkunst, dabei war er schon früh mit familiären Sorgen konfrontiert. Schon im Alter von 12 Jahren musste Friedrich Storck seinen Beitrag zum Lebensunterhalt der Familie leisten. So stiefelte er jeden Morgen um 6 Uhr in die Textilfabrik Johann Simons Erben, obwohl er lieber weiter die Schule besucht hätte, und blieb dort auch zeitlebens angestellt.

 

Mit 19 Jahren allerdings entdeckte er seine Leidenschaft für die Dichtkunst und konzentrierte sich zunehmend darauf. Zunächst schrieb er, der ein begeisterter Turner war, über das Turnen. Als er 1865 Juliane Hampel (1839-1915) ehelichte, wurde er so von der Liebe beflügelt, dass er etliche Gedichtbände zu diesem Thema füllte. Diese Liebe zu seiner Frau führte zu elf Kindern, wobei drei davon durch eine schwere Krankheit innerhalb einer Woche verstarben. Auch darüber halfen ihm seine Dichtungen hinweg, mit deren Hilfe er diesen schweren Schicksalsschlag verarbeitete. Sein bestes Mittel gegen solche Gemeinheiten des Lebens aber blieb immer sein Humor, sein Lebensmut, der ihn nie verließ.

 

Ab etwa 1875 entdeckte er für sich die Elberfelder plattdeutsche Mundart und legte sich gar ein Pseudonym zu: Unter dem seltsamen Namen Fritz Höarmeckan veröffentlichte Friedrich Storck 1876 den Band „Je länger je lewer“, 1887 entstand unter diesem Namen „Ömmergrön“. In seinen plattdeutschen Werken drehte sich alles um das bergische Volk und den bergischen Humor, er gab seinen Büchern so komische Namen wie „Kalleroden“ (1892) oder „Pitzepatzen“ (1895).

 

Trotz weiterer Sorgen und Schicksalsschläge wie der langen Krankheit seiner Frau und dem Tod eines weiteren Sohnes erhielt Friedrich Storck sich seine Lebensfreude bis zu seinem Tode am 5. Dezember 1915. Er wurde auf dem Friedhof Hochstraße in Elberfeld beerdigt. 1911 hatte er noch seine Autobiografie „Aus der Schule des Lebens“ fertiggestellt. Sein jüngster Sohn Viktor Friedrich (1877-1969) trat in seine Fußstapfen, wurde Volksdichter und schrieb im Elberfelder Platt.

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