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Wuppertal / Kultur & Bildung

Der Brunnen am Bökel

Der Brunnen am Bökel

Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach, wird sich wohl der kleine Nackedei in Bronze, der den Bökelbrunnen krönt, gedacht haben und hat gleich in jede Hand einen Spatz genommen, sofern es denn überhaupt einer ist.

 

Ob sich der Elberfelder Bildhauer Erich Cleff vom Brüsseler „Manneken Pis“, das bereits 1619 von dem Brüsseler Bildhauer Hieronimus Duquesnoy geschaffen wurde, hat inspirieren lassen? Nur dass der Junge auf dem Bökelbrunnen im Gegensatz zum Brüsseler Brunnen-Pendant sich nicht öffentlich erleichtert. Wer auf das Restaurant auf dem Foto hinter dem Bronzekind aufmerksam geworden ist, muss raten, was es dort zu essen gibt, denn der Junge hat sich einfach davor aufgebaut. Es ist das Restaurant „Jägerstübchen“ von Franz Herlinghaus.

 

Der Bökelbrunnen hatte im Laufe seiner Geschichte zwei Standorte. Der erste Bökelbrunnen, der von Prof. Erich Cleff entworfen und ausgeführt wurde, wurde im Mai 1920 auf einem kleinen Platz im Bökel, dem heutigen Johannisberg, am Fuße der Treppe zur Bahnhofsstraße aufgestellt. Bökel bedeutet übrigens in etwa „Hügel“. Der Brunnen wurde vom Elberfelder Verschönerungsverein anlässlich seines 50jährigen Bestehens am 23.5.1920 gestiftet.

 

Bereits im August/September 1917, also noch zu Zeiten des 1. Weltkriegs, erfolgte die Annahme der Stiftung durch die Stadt Elberfeld. Das Brunnenbecken aus Muschelkalk, das von der Firma Schilling aus Kirchheim bei Würzburg gefertigt wurde, hätte im Dezember 1918 geliefert werden können, wenn nicht noch eine Bahnsperre bestanden hätte. Auch die Bronze für den Guss der Figur war schwierig zu bekommen. Als dann auch noch Bildhauer Cleff erkrankte, wurde der Brunnen im Mai 1920 schließlich zunächst ohne den darauf thronenden Bronzeknaben hingestellt. Zwei Jahre dauerte es noch, bis der Brunnen vollständig an seinem Platz stand, um sogleich Ziel einer Demontage durch böse Buben zu werden. Aber im Mai 1922 war der Schaden wieder behoben.

 

Den 2. Weltkrieg überlebte der Brunnen leider nicht, er ging gemeinsam mit den historischen Fachwerkhäusern des bereits 1526 erwähnten kleinen Bökel-Viertels beim Luftangriff 1943 zugrunde. Doch der Verlag W. Girardet, Herausgeber des General-Anzeigers der Stadt Wuppertal, hatte ein Einsehen und stiftete im Jahr 1961 einen neuen Bökelbrunnen, der am 9. Juni 1961 am neuen Standort Bahnhofstraße eingeweiht wurde. Interessanterweise hat Erich Cleff, nun ein alter Herr von 80 Jahren, auch den neuen Brunnen wieder geschaffen, diesmal ist das Brunnenbecken allerdings aus Granit und stammt aus dem Fichtelgebirge.

 

Erich Cleff, der am 29.3.1881 in Rheydt geboren wurde und die Kindheit und Jugendzeit in Elberfeld verbrachte, starb kurz nach der Brunneneinweihung am 20.12.1961. Er hatte eine Steinmetzlehre absolviert und gehörte ab 1898 zu den ersten Schülern der Kunstgewerbeschule in Elberfeld. 1913 wurde er dort auch Lehrer und 1926 erfolgte seine Ernennung zum Professor. In den 1920er Jahren fertigte er verschiedene Denkmäler, Porträtbüsten und Gedenktafeln als Auftragsarbeiten im Stadtgebiet des heutigen Wuppertal an.

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