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Wuppertal / Kultur & Bildung

200 Jahre Friedrich-Engels-Allee

200 Jahre Friedrich-Engels-Allee

Zwei Straßenbahnwagen im Hintergrund auf der Straßenmitte, am Straßenrand geparkte Kutschen mit geduldig wartenden Pferden, Männer, die Karren ziehen, eine Dame mit zwei schweren Körben, die die Straße überquert und Fußgänger auf dem Bürgersteig: Das ist die auf dieser Postkarte aus der Zeit vor 1902 abgebildete Szenerie auf der Hauptverkehrsstraße zwischen Elberfeld und Barmen. Eine für damalige Verhältnisse durchaus belebte Straße, belebt, aber doch so gemütlich.

 

Die Dame mit den Körben und weißer Schürze konnte noch diagonal über die Fahrbahn laufen, ohne befürchten zu müssen, überfahren zu werden. Größer war vermutlich die Gefahr, in die Hinterlassenschaft eines Pferdes zu treten. Die Männer mit den Karren konnten ungestört neben den Straßenbahnschienen auf dem Kopfsteinpflaster gehen. Die Pferde waren nicht dem Lärm und Stress vorbeirasender motorisierter Fahrzeuge ausgesetzt, Fußgänger konnten hier in Ruhe bummeln und wer es damals schon eilig hatte, konnte die Straßenbahn nehmen. Die prachtvollen alten Häuser, der üppige Baumbestand, es ist ein stimmiges Bild.

 

Wenn man sich die heutige Friedrich-Engels-Allee mit ihren tausenden von Autos, die täglich auf ihr Wuppertal durchqueren, vor Augen führt, ist es kaum vorstellbar, dass es hier vor ca. 110 Jahren noch so beschaulich zuging. Damals hieß sie ja noch „Alleestraße“ und hatte in der Tat, wie man auf der Postkarte sieht, auf beiden Seiten einen reichen Baumbestand. Auf der 9. Sitzung der Stadtverordnetenversammlung zu Barmen am 11. März 1902 wurde sie auf Vorschlag des Stadtverordneten und Unterbarmer Fabrikanten Dr. Eduard Wittenstein in „Allee“ umbenannt. Wozu auch „Alleestraße“, wenn eine „Allee“ schon „baumbestandene Straße“ bedeutet. Jeder, der Kreuzworträtsel löst, hat sicher schon zigmal hinter dem Kästchen „baumstandene Straße“ „Allee“ ausgefüllt. Jedenfalls konnte Dr. Wittenstein die Stadtverordnetenversammlung mit diesem Argument zur Namensänderung bewegen. Am 18. Februar 1946 erhielt die Straße erst ihren heutigen Namen, in der NS-Zeit, vom 6. Mai 1933 bis 16. Mai 1945 trug sie die Bezeichnung „Adolf-Hitler-Straße“.

 

Dieses Jahr feiert die „Allee“ immerhin schon ihren 200. Geburtstag. Die seit dem Jahre 1752 bestehende schmale Straße im Wuppertal reichte für die Bedürfnisse des frühen 19. Jahrhunderts bei weitem nicht mehr aus. Die Planungen für eine neue Talachse begannen im Jahre 1811 unter französischer Herrschaft und von vornherein sollte die Straße, zum einen aus militärstrategischen Gründen, aber auch im Hinblick auf ihre Bedeutung als Hauptverbindung zwischen Elberfeld und Barmen, als Prachtstraße angelegt werden: Breite Fahrbahn für die Fahrzeuge (und für Napoleons Truppen) und großzügige Fußwege, dazwischen reiche Bepflanzung und Gaslaternen. Das war natürlich nicht ganz billig und so hoffte man auf Spenden betuchter Bürger, denn die zur Verfügung stehenden öffentlichen Mittel reichten dafür nicht aus. Trotz zahlreicher Spenden musste man bei der Straßenbreite doch Abstriche machen. Wenn auch der Straßenbau im Jahre 1812 weitgehend vollendet werden konnte, zog sich die Anlage der Fußwege, die auf Kosten der Anwohner gepflastert wurden und die kostspielige Pflanzung der Linden und Platanen, die z. T. heute noch stehen, bis 1814 hin. Letztere führten dann zur Namensgebung „Alleestraße“.

 

Für Napoleons Truppen spielt die Friedrich-Engels-Allee heute nun keine Rolle mehr, umso mehr aber für die moderne Infrastruktur. Gerade deswegen gibt es bereits seit den 1970er Jahren bei der Stadt Bestrebungen, die Lebensqualität in der Allee zu verbessern, den noch bestehenden historischen Baubestand in Unterbarmen zu erhalten und die Fahrbahn zu sanieren. Die klassizistischen „Haspel-Häuser“, die ebenfalls an der Friedrich-Engels-Allee stehen (in einem davon ist das Stadtarchiv untergebracht), wurden bereits 1981 restauriert. Die Aktivitäten im Jubiläumsjahr 2012 sollen den Bürgerinnen und Bürgern die Geschichte und Bedeutung dieser Straße näher bringen.

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