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Wuppertal / Kultur & Bildung

Ein Sonntagsausflug im Sommer, Treffpunkt Brausenwerth

Ein Sonntagsausflug im Sommer, Treffpunkt Brausenwerther Platz

Was für ein herrliches Wetter an diesem Sonntag, den 24. Juli 1904! Was macht man da am besten, wenn man nicht ins Schwimmbad geht? Richtig, einen Ausflug! Und hier geht es ja auch schon recht vergnügt zu, die fünf befreundeten Paare, die sich hier am Brausenwerther Platz getroffen haben, scheinen bester Laune zu sein. Man hat sich zu einer Tour nach Müngsten, Burg und Remscheid entschieden. Gute Idee, denn die Kaiser-Wilhelm-Brücke, die erst am 21. März 1897 fertig gestellt worden war, wollte man endlich mal sehen. Heute ist sie ja besser bekannt als Müngstener Brücke. Dort konnte man ein bisschen spazieren gehen, draußen Kaffee trinken und die Sonne genießen, anschließend noch Schloss Burg besichtigen und einen Abstecher nach Remscheid machen. Aber wie hinkommen? Das war wohl 1904 kein Problem mehr, denn der Bahnhof war nicht weit vom Brausenwerth entfernt und die Bahnstrecke schon 1872 eröffnet worden.

 

Kaiser Wilhelm I. auf seinem Podest im Hintergrund scheint die Herrschaften zu Pferd begleiten zu wollen. Das Denkmal von dem Bildhauer, Maler und Schriftsteller Gustav Eberlein (1847-1926) auf dem Platz am Brausenwerth war am 18. Oktober 1893, dem Tag der Völkerschlacht in Leipzig, eingeweiht worden. Wenige Tage nach dem Tode Kaiser Wilhelms I. am 9. März 1888, im Dreikaiserjahr, hatte man sich entschlossen, ihm ein Denkmal zu setzen und dafür in der Bevölkerung 100000 Mark gesammelt. Das Ergebnis ist auf dem Foto zu sehen.

 

Aber die Ausflügler scheinen sich für Kaiser Wilhelm nicht zu interessieren. Die Damen begutachten ihr modisches Outfit, schließlich waren die Röcke in den letzten Jahren zunehmend bequemer geworden, abgesehen mal vom Korsett, mit dem frau sich immer noch die Luft abschnürte. Nur die Dame, die uns den Rücken zukehrt, dürfte eher im Café sitzen als wandern wollen, denn ihr enges Kleid lässt große Schritte nicht zu. Bis 1910 wurden die Röcke noch enger und man sprach vom „Humpelrock“. Im Gegensatz dazu wurden die Hüte und Frisuren immer ausladender und erreichten um 1910 Wagenradgröße. Immerhin machte das einen Sonnen- oder Regenschirm überflüssig.

 

Die Herren der Schöpfung tragen hier alle den typischen Gehrock, den Zylinder haben sie gegen einen schlichteren, freizeittauglichen Hut eingetauscht. Der Herr links ist ja ein ganz cooler, die Zigarre lässig in der Hand, leicht auf seinen Spazierstock aufgestützt, blickt er leicht amüsiert und entspannt in die Kamera, während der andere „bestockte“ Herr sich sichtlich auf den Ausflug freut. Wir können nur raten, welcher Herr zu welcher Dame gehört, ist auch nicht so wichtig, denn unterwegs werden sich die Damen viel zu erzählen haben und auch die Herren sich gerne unter ihresgleichen austauschen.

 

Gleich werden sie zum Bahnhof aufbrechen, vielleicht warten sie auch noch auf ein weiteres Pärchen und so betrachten wir nochmal kurz den Brausenwerth. Der Brausenwerth war eine Flussinsel der Wupper. „Braus“ war der Name einer bereits 1598 hier ansässigen Familie und Werth bedeutet „Flussinsel“. Im Stadtbild von Elberfeld ist diese Insel überbaut, so dass sie nicht als solche wahrnehmbar ist. Diese Insel erstreckt sich im Prinzip zwischen den heutigen Schwebebahnstationen Kluse und Döppersberg.

 

Der schöne Brausenwerther Platz und die umstehenden Gebäude wurden 1943 bei Luftangriffen zerstört, darunter auch die angrenzende, 1887 eröffnete Badeanstalt und das 1888 eröffnete benachbarte Elberfelder Stadttheater. Kaiser Wilhelm hatte man schon im März 1937 bei einer verkehrlichen Neugestaltung des Brausenwerther Platzes trotz des Protestes der Bevölkerung mitsamt seinem Granitsockel entfernt und im Dezember 1937 im Deweerth´schen Garten neu aufgestellt, wo er dann endgültig dem Krieg zum Opfer fiel. Mit dem Ausbau der Straßen am Döppersberg verschwand der Brausenwerther Platz unter dem Asphalt und durch einen Beschluss vom 22.11.1960 musste der Name „Brausenwerth“ der Bezeichnung „Bundesallee“ weichen, von dem schönen Platz ist also nichts übrig geblieben, aber das konnten die Ausflügler hier natürlich noch nicht ahnen…

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