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Wuppertal / Kultur & Bildung

Die Haspeler Brücke

Die Haspeler Brücke

Über sieben Brücken musst Du gehen“, wer kennt nicht diesen Song, in dem man nach sieben dunklen Jahren endlich das Glück erfährt. Ich weiß nicht, über wie viele Wupperbrücken man gehen muss, um sich glücklich zu fühlen, vielleicht reicht ja schon diese eine auf dem Foto.

 

Wir sehen hier einen Straßenbahnwagen auf der Haspeler Brücke, eine Brücke mit symbolischer Bedeutung: Zugleich Bindeglied und Grenze zwischen Barmen und Elberfeld. Der Straßenbahnwagen kommt uns hier aus Elberfeld entgegen, um über die Haspeler Straße weiterzufahren Richtung Oberbarmen. Und keine Angst, in der Gegenrichtung kracht die Bahn nicht vor den Felsen, sondern fährt in einer scharfen Linkskurve in den Elberfelder Hofkamp ein. Sie hatte schon einen Vorgänger: Seit 1874 verkehrte hier eine Pferde-Straßenbahn, bevor sie 1896 von elektrisch betriebenen Wagen abgelöst wurde. Man konnte, wie man hier sieht, auch schon über die Brücke schweben. Straßen- und Schwebebahn haben jedenfalls die Vereinigung der Städte im Wuppertal verkehrstechnisch unterstützt.

 

Die hier abgelichtete Haspeler Brücke war erst im Jahre 1903 fertiggestellt worden und überquert die Wupper an einer Stelle, an der man auch um 1300 - so ist es urkundlich belegt - schon übersetzte, sich unter Umständen aber nasse Füße holte. Der Straßenname Furter Hof (südlich neben der Haspeler Straße) erinnert an den - nun ja - Furter Hof, der hier bereits (nachweislich) im Jahre 1466 neben dieser Furt durch die Wupper stand. Hier verlief auch die Elberfelder Landwehr, die die Grenze zwischen dem bergischen Amt Beyenburg und Elberfeld sicherte. An der Wupperfurt gab es einen Durchlass für Fuhrwerke und einen für Fußgänger in Form eines Haspelkreuzes und am Ende hatten dieser heutige Stadtteil und schließlich auch die Brücke ihren Namen weg: „Haspel“. Und das Stadtarchiv ist in einem der „Haspelhäuser“ nur ca. 300 m von der Haspeler Brücke entfernt untergebracht.

 

Irgendwann gab es dann auch eine erste Brücke aus Stein an Stelle der Furt, die aber 1729 starkem Eisgang nicht standhalten konnte. Im 18. Jahrhundert war die Brücke auch immer wieder Schauplatz heftiger Kämpfe, so 1759 während des Siebenjährigen Krieges zwischen den Franzosen und dem Feldherrn Ferdinand Erbprinz von Braunschweig und 1796 im sogenannten Ersten Koalitionskrieg von Österreich, Preußen und weiteren deutschen Staaten gegen das revolutionäre Frankreich.

 

Langweilig war es an diesem Brückenstandort wohl nie. Hier soll Kaiser Wilhelm II. im Oktober 1900 die Barmer Bürgerinnen und Bürger brüskiert haben, weil er angeblich auf seiner Fahrt mit der Kutsche von Barmen nach Elberfeld genau auf der Haspeler Brücke seine Auguste zum Hut aufsetzen veranlasste mit dem Hinweis, sie kämen ja nun in die Stadt. Anders sah das der 18jährige Friedrich Engels, der, wie man seinem „Brief aus dem Wupperthal“ vom März 1839 entnehmen kann, darin von den „trübseligen Straßen Elberfelds“ schrieb und weiter ausführte: „…und eine schöne Brücke (eben die Haspeler Brücke) zeigt, dass man nach Barmen kommt…“ und dann „…sowie die Brücke passiert ist, nimmt alles einen freundlicheren Charakter an…“ Die Geschmäcker sind eben verschieden.

 

Heute fährt hier keine Straßenbahn mehr und keine Kaiserkutsche, manchmal schwebt allerdings noch der Kaiserwagen der Schwebebahn über die Brücke hinweg. Dafür überqueren umso mehr Autos hier die Wupper auf dem Weg zur Friedrich-Engels-Allee oder in die Gegenrichtung nach Elberfeld. Viele Worte für eine Brücke, die gerade mal 31 m lang und 20 m breit ist.

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