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Wuppertal / Kultur & Bildung

Die historische Stadthalle am Johannisberg

Die historische Stadthalle am Johannisberg

Eigentlich ist auf dem Foto die Elberfelder Ortslage „An der Windfoche“ auf dem Johannisberg zu sehen. 1815 wohnten hier 156 Menschen. Doch dann kam der Kapellmeister Abraham Küpper (1809-1869) und errichtete hier ein großes Lokal mit Festsaal. Das war es dann mit der Windfoche. Küpper etablierte hier ab 1831 die von ihm gegründete „Langenbach´sche Kapelle“ und regelmäßige Musikveranstaltungen, die so beliebt wurden, dass der Festsaal bald erweitert werden musste und doch auch schnell wieder zu klein war. Außerdem überschritt Elberfeld um 1885 die 100.000 Einwohner-Marke, hatte eine florierende Wirtschaft, nur ein repräsentatives Gebäude gab es nicht.

 

So hatte die Stadtverordnetenversammlung 1893 die Frage der Errichtung einer Stadthalle auf der Tagesordnung. 1894 beschloss man dann, eine solche auf dem Gelände der Familie Küpper auf dem Johannisberg aufzubauen. Die Angaben über den Kaufpreis für das Grundstück variieren. Es waren, sagen wir mal grob, etwa eine halbe Million Mark, wovon ein knappes Drittel vom Bürgertum gesponsert werden musste. Am 5. Oktober 1895 wurde mit dem Bau der Stadthalle begonnen. Nach nur vierjähriger Bauzeit konnte der Prachtbau im Stil der Neorenaissance italienischer Prägung vom 6. bis zum 8. Juli 1900 mit einem ordentlichen Musikfest mit zahlreichen Orchesterkonzerten eingeweiht werden. Dazu war auch der berühmte Dirigent und Komponist Richard Strauss eingeladen. Sein über zweistündiges Konzert am 8. Juli mit einem umfangreichen Programm war ein Riesenerfolg und absoluter Höhepunkt der Einweihungsfeierlichkeiten. Es sollte allerdings das einzige Konzert von Richard Strauss in Elberfeld bleiben.

 

Mit seiner zweigeschossigen Sandsteinfassade, dem rechteckigen Grundriss und vier dicken Türmen an den Ecken sieht die Stadthalle im Grunde aus wie ein Schloss. Wenn man sich das eindrucksvolle Gebäude mit seiner glanzvollen Architektur auf dem historischen Foto so betrachtet, kann man sich vorstellen, dass es sich schon damals im Vergleich mit Festsaalbauten in anderen Großstädten messen konnte. Die Außenfassade wurde mit allerlei Figuren geschmückt, das Obergeschoss fällt auf durch ionische Halbsäulen und große Rundbogenfenster. Über der Eingangshalle thront ein Balkon mit dem Elberfelder Wappen an der Brüstung.

 

Das Elberfelder Rathaus wurde ja fast gleichzeitig errichtet und das war möglich in einer Stadt, in der die Industrie und das Bürgertum großes Selbstbewusstsein und Finanzkraft demonstrierten. Klotzen statt Kleckern. Hauptgrund für den Bau der Stadthalle aber war der Bedarf an Räumlichkeiten für große kulturelle Veranstaltungen, denn zuletzt stand neben dem Küpper´schen Lokal auf dem Johannisberg nur der Festsaal der Gesellschaft „Casino“ für größere Konzerte und dergleichen zur Verfügung.

 

Das Innere der Stadthalle hält, was das Äußere verspricht, nur, dass hier die einzelnen Säle und Räume verschiedene Baustile aufweisen. Die Wandelhalle mit ihren Säulenreihen bringt es mit ihren 650 m² auf eine beachtliche Größe. Das Ausmaß des Großen Saales mit seinen Deckengemälden, der Kern des Gebäudes, beträgt immerhin rund 1000 m². Das reicht für 1550 Sitzplätze und 2000 Stehplätze. Daneben gibt es noch einige kleinere Säle für kleinere Veranstaltungen und Festlichkeiten.

 

Ein Konzertgarten mit Pavillon wurde im Jahre 1900 auch angelegt, der heute für „Public Viewing“ bei Fußballspielen genutzt wird oder im Sommer zu einem Strand mit Bars für echtes Urlaubsfeeling umgestaltet wird.

 

Den Zweiten Weltkrieg hat die Stadthalle weitgehend unbeschadet überstanden und diente in der Nachkriegszeit als „Ausweichquartier“ für Opern- und Operettenveranstaltungen der zerstörten Wuppertaler Theaterhäuser. Mehr Schaden richteten dem Zeitgeist entsprechende „Modernisierungen“ in den 1950er Jahren an, der Deckengemälde und Wanddekorationen zum Opfer fielen. Nüchternheit war angesagt. Jahre des allmählichen Verfalls wurden erst mit der gründlichen Restaurierung der Wandelhalle von 1980 bis 1982 beendet. In den 1990er Jahren allerdings wurden 80 Millionen DM in eine grundlegende Sanierung und Restaurierung gesteckt und wesentliche Elemente des ursprünglichen Baus wiederhergestellt, so dass auch heute noch in diesem edlen Ambiente regelmäßig große Kultur- und Musikveranstaltungen stattfinden können, aber auch Silvesterpartys oder Ü 30-Discos. Die technische Ausstattung ist natürlich auf dem aktuellen Stand.

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