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Wuppertal / Kultur & Bildung

Schöller

Schöller

Eine Pfarrkirche, ein Hofgut und eine Wassermühle an einem Teich bieten ein wunderschönes Fotomotiv, und das sogar in Wuppertal. Wie bitte? Ja, so idyllisch kann Wuppertal sein. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1896, aber das schöne Fleckchen Erde, das hier zu sehen ist, nämlich Schöller, ist natürlich viel älter und auf dem Foto ist es noch gar nicht Wuppertal, denn Wuppertal gab es da als Stadt ja noch gar nicht und die Landgemeinde Schöller wurde überhaupt erst am 1.1.1975 im Zuge der kommunalen Neugliederung Wuppertal zugeführt, genauer gesagt, Wuppertal-Vohwinkel. Dabei fließt nicht die Wupper, sondern die Düssel durch Schöller, so dass man Schöller nicht unbedingt mit Wuppertal in Verbindung bringen würde. Und Leute, die nicht aus der Region stammen, werden bei dem Namen „Schöller“ ohnehin eher an Eiscreme denken.

 

Bereits 1265 wurde der Ort Schöller genannt, eigentlich sogar schon 1182, als ein Hermannus filius Helye et Engerae de Schonlare die Verwaltung eines Hofgutes zu Düssel übernahm und da das Dörfchen Düssel ja gleich um die Ecke von Schöller liegt, ist zu vermuten, dass dieser Hermann auch irgendwie zur Familie von Schöller gehörte. Andere ältere Schreibweisen von Schöller waren Scolere, Scolie oder Scholere. Das war keine italienische Siedlung, wie der Name vermuten lassen könnte, sondern ein Lehenshofgut mit nachgeordneten Bauernstellen der Benediktinerabtei Corvey bei Höxter. Lehensnehmer war eben diese Familie von Schöller, die zwar Besitzer, aber keine Eigentümer des Hofgutes waren. Sie übten wohl eine Art Verwaltertätigkeit auf dem Hof aus.

 

Im Laufe der Zeit bildete sich aus dem Oberhofsystem ein Ritter- und Herrensitz der Familie von Schöller heraus, als sich Gutsverwalter Engelbert von Schöller 1430 die Rechte auf die Einkünfte im Kirchspiel Schöller vom Kloster Corvey sicherte und die Schöllers zu Rittern, später zu Grafen wurden. Außerdem entwickelte sich eine Art Dorfgemeinschaft, die es mit sich brachte, dass aus der Hofkapelle des Hofgutes Schöller eine Pfarrkirche für das Dorf Schöller wurde. Nach der Säkularisierung 1803 gingen die noch verbliebenen Rechte der Abtei Corvey auf die Familie Schaesberg-Thannheim über, die als Erben der Familie von Schöller Eigentümer des Hofgutes wurden. Der letzte Schöller-Spross hatte nämlich schon 1697 das Zeitliche gesegnet. Die Familie von Schaesberg ist noch heute Eigentümerin des Gutes Schöller.

 

Besonders auffällig am heutigen Gut ist der alte Wehrturm. Hier wurden einst Gefangene hinter einem Gitter festgehalten, entkleidet und mit Honig bestrichen, als Leckerbissen für Bienen und Wespen. So erging es auch einem Räuberhauptmann, dem Auerbäumer Hannes, eigentlich ein Weber, der in der Nähe des Schöller-Clans wohnte und der um 1800 Raubzüge organisierte. Dummerweise wurde er eines Tages von einem festgenommenen Räuberkollegen verpfiffen und fand sich kurz darauf im Schlossturm wieder. Aber auch nach dreitägigem Festschmaus der Bienen und Wespen soll er seine Räuberkumpels nicht verraten haben. Vielmehr konnte er fliehen und wurde erst ein paar Jahre später hingerichtet, weil er unvorsichtigerweise nach Schöller zurückkehrte.

 

Schöller ist, wie gesagt, noch recht neu im Wuppertaler Stadtgebiet. 1808 wurde es zu einem Teil der Bürgermeisterei Haan und nach deren Auflösung im Jahre 1894 wurde es der Bürgermeisterei Gruiten zugeführt. Nun liegt Schöller auch wirklich mitten zwischen mehreren Gemeinden und noch so weit außerhalb von Vohwinkel, dass es seinen ursprünglichen ländlichen Charakter bewahren konnte.

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