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Wuppertal / Kultur & Bildung

Winterfreuden am Bergischen Haus auf der Hardt

Winterfreuden am Bergischen Haus auf der Hardt

„Ski und Rodeln auf der Hardt gut.“ So könnte der Wintersportbericht zu diesem Foto gelautet haben. Jedenfalls vergnügen sich die Kinder auf Schlittschuhen und mit Schlitten auf Eis und Schnee auf den Hardthöhen, vor über 110 Jahren, als es noch richtige Winter gab und man bei dem Wort „Klimawandel“ wohl eher an Politikwechsel oder die Wetterfühligkeit des Kaisers gedacht hätte. Die jungen Damen links tragen schicke breite Hüte, aber alle Kinder auf dem Foto sind mit einer Kopfbedeckung gegen die Kälte geschützt. Es muss also ziemlich kalt gewesen sein.

 

Die Kinder tummeln sich hier im älteren Teil der Hardt am Treppenaufgang zum Bergischen Haus. Einer der bedeutenden Gartenkünstler des 19. Jahrhunderts, der Frankfurter Gartenarchitekt Heinrich Siesmayer (1817-1900) erhielt 1880 den Auftrag, die Erweiterungsflächen des bestehenden Elberfelder Erholungspark auf der Hardt auszubauen und zu gestalten. Das war die „alte Neue Hardt“, so genannt, weil später noch eine „Neue Hardt“ hinzukam. Dass Siesmayer das konnte, wusste man bereits, denn er zeichnete z. B. u.a. für den Palmengarten in Frankfurt und den Kurpark in Bad Nauheim verantwortlich und hatte auch in Elberfeld bereits mit der Planung für den 1881 eröffneten Zoo seine Spuren hinterlassen.

 

1882 war Heinrich Siesmayer mit der Gestaltung der Neuen Hardt und der Verschönerung der Alten Hardt fertig und ein markanter Ort in diesem Gestaltungsprogramm war das Bergische Haus, das hier im Hintergrund zu sehen ist. Dies wurde allerdings erst 1885 errichtet, auf einer großen Terrasse, die mit Brunnen, Beeten, Bäumen, Sträuchern verziert wurde und wo die Elberfelder Bürger nach dem Wandeln im Park beim Essen einen herrlichen Ausblick auf ihre Stadt und die Hardt genießen konnten. Ein Ausflugslokal, aber eigentlich ein Multifunktionsgebäude, denn es war nicht nur Restaurant und Café, sondern konnte auch für Feierlichkeiten und Musikveranstaltungen genutzt werden. Die Bürgerinnen und Bürger konnten bequem mit der Kutsche bis an die Treppe heranfahren und dann über mehrere Stufenaufgänge über die schmucke Terrasse zum Bergischen Haus hochsteigen. Der Sockel des Gebäudes bestand aus einheimischen Steinen aus den Steinbrüchen der Hardt, der obere Teil war ein Fachwerkkonstrukt.

 

Nachdem es schon relativ bald erweitert werden musste, bekam das Bergische Haus vermutlich im Laufe des Jahres 1900 am Treppenaufgang einen ungewöhnlichen „Schutz“: Zwei steinerne Landsknechte auf Sockeln „bewachten“ mit ihren Hellebarden den Aufgang zum Ausflugslokal, wobei der Landsknecht auf der rechten Treppenseite in lässiger Haltung nicht gerade wehrbereit aussah. Wenn man genau hinguckt, kann man ihn am linken Rand im Hintergrund auf dem Foto erkennen.

 

Im Ersten Weltkrieg wurde das Bergische Haus durch ein Feuer schon arg in Mitleidenschaft gezogen, wurde aber wieder aufgebaut, bevor der Bombenangriff auf Wuppertal im Juni 1943 auch diesem Gebäude ein Ende bereitete. Heute gibt es hier nur noch eine große Aussichtsterrasse, die Treppenanlagen blieben erhalten und wurden restauriert, die Reste des Bergischen Hauses wurden im Zuge der Erneuerung der Hardt-Anlagen beseitigt. Wer sich stärken möchte, geht ein Stückchen die Hardt hoch zum Biergarten auf den Hardt-Terrassen an der Villa Eller, allerdings muss er wohl bis zum nächsten Frühjahr darauf warten, hier sein Bierchen im Freien trinken zu können…

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