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Wuppertal / Kultur & Bildung

Die Brauerei Carl Bremme

Die Brauerei Carl Bremme

Wer freut sich nicht im Sommer auf ein frisch gezapftes 7-Minuten-Pils mit dicker Schaumkrone im Biergarten!? Bier ist im Grunde mehr als nur ein Getränk und es sind im Laufe der Zeit viele Trinksprüche entstanden, die unsere Liebe zum Bier offenbaren. Sprüche wie „Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils“, „Lieber Pils-Bier als Shakespeare“ oder „Bier macht nicht glücklich, aber es beruhigt“ kennt wohl jeder. Und Bismarck klagte „Es ist ein Grundbedürfnis der Deutschen, beim Bier schlecht über die Regierung zu reden“.

 

Aber vielleicht macht Bier doch glücklich, denn ist es nicht ein schöner Anblick, wie die Bierkutscher der Brauerei Bremme auf diesem Foto, das vermutlich in den 1960er Jahren entstanden ist, bei herrlichem Wetter eine Wagenladung voller Fässer dieses goldenen Getreidesaftes durch die Friedrich-Engels-Allee kutschieren!? Wem läuft da nicht das Wasser im Munde zusammen!? Ganz nostalgisch kommen sie daher, eine traditionelle Bierkutsche, gezogen von zwei Pferden, während von der anderen Seite modernere Verkehrsmittel in Form einer Straßenbahn und eines VW-Käfers entgegenkommen.

 

Die Brauerei Carl Bremme gibt es ja leider schon länger nicht mehr, aber der Name hallt zumindest in Wuppertal bis heute nach. Carl Bremme aus Unna hatte sie im August 1842 an der Ecke Färberstraße/Berliner Straße in Heckinghausen gegründet. Eine Erfolgsgeschichte begann: Zunächst wurde das Bier nur für die eigene Gastwirtschaft gebraut, aber schon wenige Jahre später wurden Gastwirtschaften in Barmen, Elberfeld und im umliegenden Bergischen Land mit Bremme-Bier versorgt. Bereits 1848 verlagerte Carl Bremme seinen Braubetrieb in die Barmer Reichsstraße und beschäftigte neben fünf Brauburschen auch fünf Lehrlinge.

 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der anfängliche Handwerksbetrieb zunehmend industrialisiert. So wurde 1866 die erste Dampfmaschine in der Produktion eingesetzt und 1869 nutzte Carl Bremme die von Carl von Linde neu entwickelte Kältetechnik. Mit dem Umzug zum 1.9.1874 in die Albertstraße, wo auf einem großen Gelände eine neue Brauerei gebaut wurde, war der Schritt zum richtigen Industriebetrieb mit hochmoderner Brautechnik endgültig vollzogen. Die Bierproduktion schoss in schwindelnde Höhen, von 2.000 HL im Jahre 1867 auf 6.000 HL im Jahre 1874 auf 44.000 HL im Todesjahr von Carl Bremme, 1883. Das war natürlich noch nicht das Ende der Fahnenstange, den Höchststand des Bierausstoßes wurde 1905 mit 150.000 HL erreicht. Mit dem immer größeren Bierstrom wuchs auch die Bekanntheit und Beliebtheit des Bremme-Bieres.

 

Auch die Söhne von Carl Bremme, Gustav (ab 1876), Emil (ab 1879) und der jüngste, Adolf (ab 1883), traten in die Firma ein und bastelten fleißig und erfolgreich am weiteren Aufstieg der Brauerei. Emil und Adolf starben im letzten Kriegsjahr 1918, so dass Gustav das Unternehmen bis 1923 alleine weiterführen musste, bis die nächste Bremme-Generation in Person von Emil, Adolf und Karl die Leitung übernahm. Der Sohn eines Mitstreiters von Carl Bremme, der bisherige technische Leiter Alexander Dietz, wurde ebenfalls Teilhaber des Unternehmens. Auch das letzte Kriegsjahr des Zweiten Weltkriegs forderte Opfer bei den Bremmes: Alexander Dietz und Karl Bremme starben, letzterer bei einem Autounfall. Es blieben Emil und Adolf als persönlich haftende Gesellschafter.

 

Die Bremme-Brauerei erlitt im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden, konnte aber durchgehend produzieren, wenn auch der Bierausstoß bis auf 32.000 HL im Jahre 1946 fiel, aber man bemühte sich um einen zügigen Wiederaufbau. 1952 gab es sogar eine Abteilung für Flaschenbier und Limonade.

 

Später kam Bewegung in die Brauereien-Landschaft und der Wuppertaler Konkurrent, die Wicküler-Brauerei, riss sich die Bremme-Brauerei unter den Nagel. Der Verkauf der Wicküler Fassbierproduktion an die niederländische Grolsch-Brauerei bedeutete 1992 das endgültige Ende der Produktion in der Brauerei Carl Bremme. Ein paar Jahre lang noch wurde an anderen Orten, z. B. in Iserlohn, das Bremme-Pils nach Originalrezept gebraut, aber Silvester 1996 floss zum letzten Mal Bremme-Fassbier durch Wuppertaler Kehlen und Mitte 1997 war auch mit Bremme Flaschenbier Schluss. Marken wie „Brauherren Alt“, „Bremme Brauherren Pils“, „Bremme Meisterbock“ und andere gab es nicht mehr.

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