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Wuppertal / Kultur & Bildung

Das Planetarium in Barmen

Das Planetarium in Barmen

Der Weg ist das Ziel. Wer dieses Gebäude in Hanglage betreten möchte, muss erst mal etwas für seine Fitness tun und eine ganze Reihe von Treppen erklimmen, um es zu erreichen. Einen Aufzug gibt es hier nicht. Die Damen rechts auf der Treppe sind auch sehr zielstrebig auf dem Weg nach oben, während die beiden Herren auf dem Treppenabsatz es nicht so eilig haben und erst mal ein Schwätzchen halten. Vielleicht tun sie auch nur so, weil sie vom Treppensteigen müde sind… Doch was gibt es in diesem merkwürdigen Rundbau, der aussieht wie eine Käseglocke, überhaupt zu sehen? Befindet sich darin ein 3 D-Kino? Ein Tempel?

 

Es ist natürlich das Barmer Planetarium in den Barmer Anlagen, hier auf dem Foto von Max Biegel etwa ein Jahr nach seiner Eröffnung am 18. Mai 1926 zu sehen. Ein Planetarium der Superlative: Es war das erste Großplanetarium weltweit und zudem noch eines der Größten seiner Art, allerdings nur für fünf Tage, dann hatte die Stadt Düsseldorf mit einem eigenen, noch größeren Planetarium, das anlässlich der Ausstellung „GeSoLei“ am Rheinufer gebaut wurde, die Nase vorn.

 

Der Ingenieur und Physiker Dr. Walther Bauersfeld (1879-1959) hatte im Auftrag der Firma Carl Zeiss in Jena eine neuartige Projektionstechnik zur Simulierung des Sternenhimmels und des Verlaufs der Bahnen der Himmelskörper entwickelt. Eine Präsentation sorgte für Furore, die die Stadt Barmen am 21. Oktober 1924 zum Bau dieses modernen Projektionsplanetariums an einem Standort oberhalb der Barmer Stadthalle motivierte. Eine Errichtung im unteren Bereich der Barmer Anlagen wurde angesichts des Widerstandes der Anwohner schnell wieder verworfen.

 

Das Ergebnis der Bauplanung von Stadtbaudirektor Rückle und Stadtbaurat Köhler sind man auf dem Foto: Eine ausladende Treppe führte von der damaligen Unteren Lichtenplatzer Straße zu einem 15 Meter hohen Kuppelbau mit ca. 25 Meter Durchmesser. Der dreigliedrige eckige Eingangsbereich zu einer Vorhalle stand in einem auffälligen Kontrast zu dem runden Hauptgebäude. Und damit man gleich wusste, dass es hier um Planeten und Sterne ging, erwarteten einen links und rechts vom Eingang die Statuen von Mars und Venus in Überlebensgröße, die der Bildhauer Paul Wynand (1879-1956) aus Muschelkalk in Form gebracht hatte.

 

Kernstück des Kuppelbaus war natürlich der tonnenschwere Projektionsapparat der Firma Carl Zeiss. 16 Einzelprojektoren zauberten jede denkbare Sternenhimmelvariante an die Kuppelwände, die von über 600 Besuchern gleichzeitig bestaunt werden konnten. Dr. Erich Hoffmann, Physik- und Mathematiklehrer am Realgymnasium Sedanstraße, wurde wissenschaftlicher Leiter des 350.000 Reichsmark teuren Planetariums.

 

Das anfängliche große Interesse an den Barmer Sternenprojektionen ließ jedoch aufgrund der Weltwirtschaftskrise und der geografischen Nähe des Konkurrenzplanetariums in Düsseldorf recht schnell nach, so dass Mitte der 1930er Jahre überwiegend nur noch Schulklassen an den Vorführungen teilnahmen.

 

Der Zweite Weltkrieg war dann auch der Anfang vom Ende des Planetariums. Den Bombenangriff auf Barmen im Mai 1943 hatte der Kuppelbau mit nur einem Riss zwar noch halbwegs glimpflich überstanden, aber mangels Ausbesserung zog eindringendes Wasser die Bausubstanz in Mitleidenschaft, die technische Einrichtung wurde gestohlen, die Statuen, die den Eingang flankierten, wurden mutwillig zerstört. Der Bau verfiel recht schnell, am Ende stand nur noch das Eisengerippe des Kuppelbaus und 1955 wurde das Planetarium endgültig abgerissen. Eine Gedenktafel weist heute noch auf den Standort hin und bezeichnet das gewesene Planetarium als „Stätte der Belehrung und Besinnung“.

Herr Thorsten Dette
Teamleiter

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