Inhalt anspringen

Wuppertal / Kultur & Bildung

Die Wülfingtreppe im Ostersbaum und andere Treppen

Die Wülfingtreppe im Ostersbaum und andere Treppen

Es gibt Dinge, die muss man einfach nicht haben, z. B. mit schweren Einkaufstaschen diese Treppe hochsteigen, wenn man einen längeren, aber weniger steilen Umweg über die Straße nach oben machen kann. Denn hier ist sicher so mancher schon beim Anblick der langen Treppe spontan erschöpft. Vielleicht hätte man einen Aufzug, einen Schrägaufzug oder eine Rolltreppe daneben bauen sollen. Andererseits mag sich der eine oder andere auch motiviert fühlen, die Stufen mit munteren Schritten in Rekordzeit zu bewältigen und locker-flockig mehrere Stufen auf einmal zu nehmen. Ist schließlich gut für die Fitness.

 

Diese Treppe würde sich im Grunde sogar als Zuschauertribüne eignen, wenn man die Straße unten als Bühne nutzen würde. Gut, die oberen Reihen würden ein Fernglas benötigen, um etwas zu sehen. Wie auch immer.

 

Wir sehen hier eine historische Aufnahme der eindrucksvollen, großzügig angelegten Wülfingtreppe im Elberfelder Wohnquartier Ostersbaum. Eindrucksvoll ja, dabei ist sie mit ihren 62 Metern Länge und 141 Stufen noch nicht mal die längste durchgehende Treppe in Wuppertal. Die 1887 erbaute Jakobstreppe, die im Stadtbezirk Elberfeld-West die Friedrich-Ebert-Straße (B 7) mit der Nützenberger Straße auf dem Nützenberg verbindet, bringt es sogar auf 155 Stufen. Deshalb darf sie sich mit dem Titel der längsten durchgehenden Treppe Wuppertals schmücken. Benannt wurde sie nach ihrem Erbauer Jakob Wilhelm Haarhaus (1798-1881), Unternehmer und Handelskammerpräsident in Elberfeld und Eigentümer des Nützenbergs. Trotzdem finde ich die Wülfingtreppe wesentlich imposanter, denn die Jakobstreppe zwängt sich zwischen Häuserschluchten auf engem Raum nach oben.

 

Aber zurück zur Wülfingtreppe: Diese wurde auf Initiative von Angehörigen der einflussreichen, wohlhabenden Textilfabrikantenfamilie Wülfing im Jahre 1896 als direkte Verbindung der Schleswiger Straße/Holsteiner Straße mit der darüber liegenden Flensburger Straße für Fußgänger erbaut. Auch viele andere Treppen wurden Ende des 19. Jahrhunderts für die Wohnquartiere errichtet. Das ist in einer Stadt wie Wuppertal, die innerhalb des Stadtgebiets Höhenunterschiede von 250 m aufweist, ja auch nicht wirklich verwunderlich. Besonders die Nordstadt und das angrenzende Ostersbaum sind reichlich mit den verschiedensten Treppen ausgestattet. Noch heute kann der begeisterte Treppensteiger in Wuppertal ca. 500 Treppen mit mehr als 12000 Stufen erklimmen, von denen 23 unter Baudenkmalschutz stehen. Es sind einige darunter, die es auf deutlich mehr als 100 Stufen bringen, vor allem die 1920 erbaute Anilintreppe in Elberfeld-West von der Nützenberger Straße zur Anilinstraße, die es auf 186 Stufen bringt.

 

Architektonisch besonders reizvoll ist u.a. die denkmalgeschützte Vogelsauer Treppe in Elberfeld-West zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Nützenberger Straße, deren unterer Teil 1904 mit 110 Stufen gebaut wurde und die 1929 um einen oberen Teil mit 131 Stufen erweitert wurde. Sie besitzt Stützmauern aus Bruchsteinen und Elemente aus Basaltlava. Am bekanntesten ist hingegen die um 1900 erbaute Treppe Tippen-Tappen-Tönchen. Hier wurde einfach das Klappergeräusch der früher getragenen Holzschuhe zum Namensgeber für diese verwinkelte Treppe. Über 103 Stufen und etliche Absätze gelangt man über diese, sogar in einem Karnevalsschlager besungene Treppe, vom Luisenviertel auf den Ölberg.

 

Es gibt noch viele andere interessante Treppen in Wuppertal und einen Teil davon kann man jedes Jahr sportlich erlaufen, denn der Treppenlauf in Ostersbaum führt auf 10,6 km über 848 Stufen. Bei diesem Lauf ist auch die Wülfingtreppe zu überwinden.

 

Immer wieder animieren die Wuppertaler Treppen auch zu Kunstaktionen: Seit 1999 gibt es die „Lichterwege“, dazu werden tausende von farbigen Lichtern auf 15 Treppen in Ostersbaum verteilt und Chöre und Musiker geben der stimmungsvollen Illumination noch eine passende musikalische Note. Im Jahre 2006 führte die Elisabeth-Montag-Stiftung zusammen mit der Stadt Wuppertal und der Regionale 2006 mit Unterstützung des Ministeriums für Bauen und Verkehr NRW das Kunstprojekt „7 Treppen“ durch, bei der eben 7 Treppen, u.a. die Wülfingtreppe, farbig und plastisch künstlerisch gestaltet wurden.

Diese Website nutzt Cookies, um Ihnen die optimale Nutzung und die Sicherheit unseres Angebotes zu gewährleisten. Weitere Informationen finden Sie im Datenschutzhinweis.

Datenschutzerklärung DSGVO
Seite teilen