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Wuppertal / Kultur & Bildung

Der Hohenstein in Barmen

Der Hohenstein in Barmen

Mutige Kletterer versuchen, diesen Felsen zu erklimmen. Zwei Bergsteiger haben es bereits geschafft. In stolzer Pose haben sie vom Felsplateau Besitz ergriffen. Wenn nicht die Fabrikschlote dahinter verraten würden, dass wir hier auf die pulsierende Industriestadt Barmen blicken, könnte man meinen, wir befänden uns an den Externsteinen im Teutoburger Wald oder gar auf dem Loreleyfelsen am Rhein, nur dass hier nicht die berühmte Nixe mit ihrem langen goldenen Haar oben sitzt und die Schiffer mit ihrem Gesang betört, sondern eben ein paar Männer, die einfach mal auf den Felsen klettern wollten. Wie Männer eben so sind. Und wenn hier unterhalb schon nicht der Rhein fließt, dann doch immerhin die Wupper.

 

Dieser hier durchaus imposant wirkende Dolomitfelsen ist der Hohenstein, eigentlich eine Felsengruppe, im südlichen Teil des Barmer Stadtviertels Rott, und er gab schon früher Anlass zu allerlei Fantasien. Ein Hingucker war er für die Barmer schon, als er noch nicht in einem Park integriert war. W. Langewiesche beschrieb dieses Naturdenkmal Hohenstein im Jahre 1863 sinngemäß als schroffen, nackten Felsen, der durch vulkanische Aktivitäten in grauer Vorzeit entstanden sein soll und die Gesellschaft mehrerer kleiner Felsen genießt. Er soll eine heidnische Opferstätte gewesen sein und nach mittelalterlich-christlichem Glauben ein Schreibpult des Teufels.

 

Dafür gibt es schließlich klare Beweise: Eine kleinere Felskuppe daneben wurde „des Teufels Dintefass“ genannt und ein schwarzer Fleck auf dem Felsen stützt die mittelalterliche Auffassung, dass der Teufel beim Schreiben mit der Tinte nicht allzu sorgfältig umgegangen ist und gekleckst hat. Die beiden Männer auf der Postkarte stehen also auf dem Schreibtisch des Teufels. Aber auch christliche Lieder wurden an diesem magischen Ort gerne gesungen. Andere Fantasien machten diesen Felsblock zu einem versteinerten Brautpaar oder hatte da auch der Teufel seine Finger im Spiel…?

 

Nach der Verleihung der Stadtrechte an Barmen im Jahre 1808 wurde dieser Ort aber auch einfach ein beliebter Aussichtspunkt, von dem die Bürger mit Stolz auf ihr zur Stadt gewordenes Barmen blickten. Damals war dieser aus dem Wuppertal steil ansteigende Hang noch unbebaut. Das änderte sich aber im Laufe der Zeit. Zunächst führte nur ein Fußweg vom Tal am Hohenstein vorbei zu den oberhalb gelegenen Gärten. Doch um 1900 war der Stadtteil Rott dem Felsengelände erheblich auf die Pelle gerückt und so legte der Gartenarchitekt Arthur Stüting (1872-1927) um den Hohenstein herum einen kleinen Park an. Dabei achtete er darauf, dass die gesetzten Pflanzen den Blick auf die Stadt nicht verbauten und die Felsen überall gut zu sehen waren. Außerdem wurde bei der Anlage der Spazierwege am steilen Hang darauf geachtet, dass das Spazierengehen nicht zur mühseligen Bergwanderung wurde. Diese Parkanlage zwischen Tannenstraße und Bogenstraße hat eine Größe von 4450 m² und wurde im Jahre 1908, praktisch zum 100jährigen Stadtjubiläum Barmens, der Öffentlichkeit übergeben.

 

Gut, im Laufe der Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts hat der Hohenstein etwas von seiner Präsenz verloren. Der Pflanzenwuchs im Park hatte den Felsen zunehmend verdeckt und den Panoramablick auf Barmen teilweise erschwert, aber in jüngster Zeit wurde der Hohenstein wieder etwas freigelegt und er animiert - trotz Warnschildern - wieder zum Klettern. Seine Bedeutung für Barmen zeigt sich auch darin, dass es die Straße „Hohenstein“ gibt, die etwas unterhalb des Parks vorbeiführt und eine gleichnamige Realschule an eben dieser Straße.

 

Wer den vom Gymnasium Sedanstraße entwickelten „Geopfad Werner-Paeckelmann-Weg“ (benannt nach dem bekannten Geologen Prof. Dr. Werner Paeckelmann (1890-1953)) durch Barmen folgt, gelangt über einen Abzweig auch zum Hohenstein und wird auf einem Schild darüber informiert, dass er hier vor einem Teil eines Korallenriffs aus dem Mitteldevon steht, das zum Rheinisch-Westfälischen Kalkzug gehört und der Kopf des Felssporns die Höhenlage einer eiszeitlichen Wupperterrasse markiert. Und dann soll sich, einer alten Sage zufolge, der Hohenstein mittags um 12 Uhr einmal um sich selbst drehen. Gesehen hat das vermutlich nur jemand, der vom Aufstieg zum Felsen schwindlig geworden war oder einen über den Durst getrunken hat, aber mit solchen Gerüchten bleibt der Hohenstein wenigstens in aller Barmer Munde.

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