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Wuppertal / Pressemeldung – 13.10.2020

Von der Heydt-Museum erwirbt umfassendes Jankel-Adler-Konvolut

Dem Von der Heydt-Museum ist es gelungen, ein umfangreiches Werkkonvolut von Jankel Adler zu erwerben. Die 548 Grafiken und vier Gemälde konnten mithilfe der Von der Heydt-Stiftung, des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, der Kulturstiftung der Länder sowie mit einer Spende angekauft werden.

Die Erwerbung ist für das Von der Heydt-Museum von besonderer Bedeutung. Sie etabliert in der Sammlung einen neuen Schwerpunkt und verstärkt die Kompetenzen des Hauses bei der Dokumentation der Künstlervereinigung „Junges Rheinland“. Das Von der Heydt-Museum verfügt bereits über einen wertvollen Bestand zu Jankel Adler, der an seine Verbindungen zum Rheinland und die Anfänge seines künstlerischen Werdegangs in Barmen erinnert.

Von Wuppertal nach Paris und London

Das kürzlich erworbene Konvolut umfasst Adlers gesamtes Schaffen: von den 1920er Jahren über seine Zeit in Paris bis zum britischen Exil. Es zeigt damit eindrucksvoll sowohl die Vielschichtigkeit der künstlerischen Vorgehensweise als auch die Entwicklung der individuellen Formensprache dieses Malerrevolutionärs. Wie sein Landsmann Chagall definierte Adler seine individuelle Position vor dem Hintergrund seiner jüdischen Herkunft und formte dabei ein weltweit verständliches Bildrepertoire.

Im Rahmen eines zweijährigen Forschungsvolontariats, ermöglicht durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, wird das Werkkonvolut zurzeit intensiv wissenschaftlich bearbeitet und für weitere Forschungen zugänglich gemacht. Es wird voraussichtlich 2022 in einer umfassenden Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert.

Wichtiger Repräsentant der rheinischen Kulturszene

Jankel Adler hatte eine besondere Beziehung zum Wupper-Tal. Seit 1916 studierte er an der Barmer Kunstgewerbeschule bei Prof. Gustav Wiethüchter und fand Anfang der 1920er Jahre Anschluss an die rheinische Kunstszene. Zunächst war der gebürtige Pole in der Barmer Künstlervereinigung „Die Wupper“ aktiv, anschließend knüpfte er Kontakte mit anderen Künstlergruppen wie dem „Jungen Rheinland“, den „Kölner Progressiven“ und dem „Aktivistenbund“. Sammler wurden auf Jankel Adler aufmerksam, er war in Ausstellungen vertreten und zählte bald zu den führenden Künstlern im Rheinland. Auch überregional fand er Anerkennung und Beachtung, war international vernetzt und pflegte Kontakte u.a. nach Berlin, Paris und Polen.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste Adler befürchten, als „Kulturbolschewist“ angegriffen und nicht nur als progressiver Künstler, sondern auch aufgrund der Rassenideologie verfolgt zu werden. Bereits 1933 emigrierte er deshalb nach Paris. Viele seiner Werke wurden bei den nationalsozialistischen Aktionen gegen die sogenannte „Entartete Kunst“ 1937/38 in deutschen Museen beschlagnahmt und zerstört bzw. gelten bis heute als verschollen.

Impulsgeber für junge britische Künstler

Ab 1943 hielt Jankel Adler sich in London auf und fand Anschluss an die britische Kunstszene. Bald wurde er zum Impulsgeber für jüngere britische Künstler wie Robert Colquhoun, Robert MacBryde und John Minton. Es folgten Einzelausstellungen in England, Israel, Belgien und den USA. Am 25. April 1949 starb Adler 54-jährig an den Folgen einer Herzattacke.

Das Konvolut, das nun für das Von der Heydt-Museum erworben wurde, zeigt, in welchem Maße Jankel Adler an den Avantgarde-Bewegungen ab den 1920er Jahren partizipierte, bevor er in der Emigration einen Neuanfang finden musste. Sein frühes Schaffen, das nur spärlich überliefert ist, zeigt Einflüsse des Analytischen Kubismus, des Konstruktivismus und der Neuen Sachlichkeit. Seine Motive sind der Alltagsrealität entnommen. In den 1930er Jahren entwickelte Adler eine neue, abstraktere Bildsprache mit verschlungenen und zerrissenen Linien, Deformationen und Fragmentierungen. Thematisch setzte er sich mit apokalyptischen Themen, Leid, Gewalt, Zerrissenheit und Verunsicherung auseinander.

Arbeiten aus allen Schaffensphasen

Von besonderem Interesse sind die Arbeiten aus seiner letzten Schaffensphase in England, da sie sonst in keiner deutschen Museumssammlung derart umfangreich vertreten sind. Ihre Formensprache bildete sich in den 1940er Jahren aus postkubistischen und surrealistischen Elementen, was sich oft in gegenstandslosen Kompositionen bzw. Metamorphosen des menschlichen Körpers zeigt. Die Werke, überwiegend Aktbilder und Stillleben, umfassen die ganze Spannweite seines Arbeitens und Denkens: von flüchtigen Skizzen, intimen Momenten der Inspiration und Reflexion im Atelier bis hin zu komplexeren Bildentwürfen.

Von der Heydt-Museum

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Bildnachweise

  • Stadt Wuppertal
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