Der Umgang mit der „Pallas Athene“ war aufgrund von Brekers Rolle als einer der prominentesten und einflussreichsten Künstler im Nationalsozialismus viele Jahre umstritten.
Interaktive Skulptur
Mit ihrem Werk „Eulensicht“ lädt die Künstlerin Azra Akšamija die Betrachtenden zur Auseinandersetzung mit der Geschichte der „Pallas Athene“ und ihres Schöpfers ein. Die interaktive Skulptur, die ähnlich wie ein münzbetriebenes Fernrohr funktioniert, ermöglicht einen neuen Blick auf Brekers Werk und die ideologische Indienstnahme des Motivs der „Pallas Athene“ durch den Nationalsozialismus.
Denn wer durch das „Fernglas“ in Form eines stilisierten Eulenkopfes schaut, sieht Brekers Statue gerahmt von der Kontur eines „Pallas Athene“-Kopfes im strengen Profil. Akšamija zitiert damit die nationalsozialistische Interpretation der Figur aus der antiken Mythologie, wie sie besonders prominent auf dem Umschlag des Katalogs zur „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 erscheint.
Weise Eule mahnt
Bei Nacht erschließt sich eine weitere Dimension der „Eulensicht“. Ein aus einem Auge der Eule projizierter Lichtstrahl beleuchtet Brekers „Pallas Athene“ und wirft den Schatten der Figur an die Schulfassade. Durch die Beleuchtung wird auch ein Zitat von George Santayana sichtbar: „Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ Die überlegende Nachtsicht der „Eule“ erkennt somit Gefahren, die der Mensch im Dunkeln nicht wahrnimmt.
Azra Akšamijas „Eulensicht“ ergänzt die „Pallas Athene“ vor dem Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium nicht nur in dem Sinne, dass sie ihr eine neue, kritische Lesart hinzufügt. Sie stattet die Figur darüber hinaus mit einem Attribut aus, das Breker ihr vorenthalten hat, obwohl es fest zur klassischen Darstellungstradition gehört: die Eule, Symbol der Weisheit.