Verschiedene Aktionen, zum Beispiel Workshops an einer Wuppertaler Schule rund um den Aktionstag thematisieren Männlichkeitsbilder und setzen dort an, wo Gewaltprävention beginnt. Denn: Gewaltprävention gelingt nur, wenn auch Männer sich gegen Gewalt an Frauen und Mädchen stark machen.
Keine Täterberatung in Wuppertal
Im vergangenen Jahr hat der Runde Tisch gegen häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt auf die Notwendigkeit zur Einrichtung eines Programms zur Täterarbeit, im Sinne der Istanbul Konvention (Artikel 16.) aufmerksam gemacht. Nach wie vor gibt es in Wuppertal keine Täterberatung.
Perspektiven auf Männlichkeit
Gewalt beginnt im Kopf und in Vorstellungen davon, wie Männer „zu sein haben“. Über soziale Medien, insbesondere auf Plattformen wie TikTok, YouTube oder Instagram, erreichen junge Männer antifeministische, traditionelle, queerfeindliche und rechtsextreme Inhalte. Hier setzt die diesjährige Präventionsarbeit an: In Kooperation mit einer Wuppertaler Schule werden mehrere Workshops zur kritischen Auseinandersetzung mit Männlichkeitsbildern durchgeführt. Dabei setzen sich Schülerinnen und Schüler unter anderen mit Fragen auseinander wie:
- „Was bedeutet Männlichkeit für mich?“
- „Warum ist ‚Alpha-Männlichkeit‘ so attraktiv?“
- „Wie beeinflussen Social Media meine Sicht auf Beziehungen und Geschlechterrollen?“
Die Workshops unterstützen Jugendliche darin, eigenständig und kritisch mit medialen Rollenbildern umzugehen.
Workshop für Lehrpersonal
Außerdem wird es durch die Schulpsychologische Beratung speziell für Lehrpersonal und die Schulsozialarbeit einen kostenlosen Workshop zum Thema Diskriminierung unter Schülerinnen und Schülern aufgrund von Geschlecht und sexueller Orientierung geben. Der Workshop findet am 1. Dezember statt und es sind noch Plätze frei. Eine Anmeldung erfolgt per Mail an: schulpsychologische.beratungstadt.wuppertalde
Plakataktionen und Informationsangebote
Neben den Bildungsangeboten werden in der Stadt Plakate an den Schwebebahnhaltestellen und an weiteren Werbeflächen zu sehen sein. An den Screens an der B7 wird ebenfalls ein kurzer Spot gezeigt, der auf den Aktionstag aufmerksam macht. Informationen zu Hilfs- und Unterstützungsangeboten für von Gewalt Betroffenen werden durch Postkarten verteilt. Diese liegen in Gastronomie, Einzelhandel, Kulturstätten, bei der Polizei, der Frauenberatung sowie in städtischen Einrichtungen wie Rathaus Barmen, Bergischer VHS, Jobcenter, Haus der Integration, Jugend- und Sozialamt aus.
Weitere Aktionen in Wuppertal
- Ein Flyer des Gesundheitsamt Wuppertal spricht gezielt Kunden von Sexarbeit an: Der Slogan „take care – fair play“ hebt die sexuelle Selbstbestimmung von Sexarbeitenden hervor und ihr Recht auf Unversehrtheit. Die Angebote der Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit HIV/STI Beratung werden beworben und richten sich auch ausdrücklich an Männer, die Kunden von Sexarbeit sind. Der Flyer ist digital oder in den Beratungsstellen zu finden
- Die Bergische VHS lädt am 24. November um 19.30 Uhr im Rahmen der Politischen Runde zur Veranstaltung „Wie macht man Urlaub vom Patriarchat?“ mit Frederike Oertel ein
- Die drei Wuppertaler Soroptimist International Clubs Bergisch-Land, Toelleturm und Wuppertal veranstalten am 29. November ab 11 Uhr auf der Treppe vor dem Rathaus Barmen einen öffentlichen Flashmob gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Interessierte sind eingeladen, gemeinsam das Wort „Woman“ zu formieren. Im Anschluss findet ein Austausch am Kirchenbüdchen auf dem Weihnachtsmarkt Barmen statt. Neben Informationsmaterial werden 300 orangene „Sorgenwürmchen“ mit Hilfetelefonnummern verteilt. Außerdem erscheint während der Orange Days auf zahlreichen Leuchttafeln im Stadtgebiet die gemeinsame Botschaft: „NEIN zu Gewalt an Frauen und Mädchen“
- Der Zonta Club Wuppertal beteiligt sich ebenfalls an den Orange Days:
Am 25. November informiert ein Infostand mit orangener Bank am Eingang der City Arkaden; ganztägig gibt es eine weitere orangene Bank und einen Infopoint im Köbo-Haus der Sparkasse.
Vom 26. November bis 10. Dezember steht eine orangene Bank in der AOK-Geschäftsstelle
Vom 18. bis 25. November bietet Policks Backstube „Orange Berliner“ mit Schokofüllung an - Die Frauenberatung & Selbsthilfe sowie Frauen-helfen-Frauen laden am 25. November gegen 14.30 Uhr zu einer Versammlung auf den Bahnhofsvorplatz. Unter dem Motto „Ins Gespräch kommen“ wird gemeinsam diskutiert: Was braucht es, damit Frauen sich wirklich sicher fühlen? Wo begegnet Gewalt im Alltag? Wie können wir gemeinsam hinschauen, unterstützen und verändern? Außerdem werden orangene „Sorgenwürmchen“ mit Hilfetelefonnummer-Stickern verteilt
Hintergrund
Jeden Tag erlebt eine von drei Frauen in Deutschland körperliche oder sexualisierte Gewalt. Die Fälle häuslicher Gewalt und Sexualstraftaten steigen jährlich. In 2024 haben 702 das Beratungsangebot von Frauen helfen Frauen e.V. für von häuslicher Gewalt oder Stalking Betroffene in Anspruch genommen, davon 277 Kontakte im Rahmen einer nachgehenden Beratung nach einem Frauenhausaufenthalt. Das Frauenhaus war durchgehend voll belegt. Durch Wohnungsmangel und lange Bearbeitungszeiten bei Behörden hat sich die Aufenthaltsdauer sehr verlängert, so dass weniger freie Plätze zur Verfügung gestellt werden konnten. Die hilfesuchenden Frauen und Kinder mussten auf eine Warteliste gesetzt oder in andere Städte vermittelt werden. Die Polizei Wuppertal verzeichnet für den Präsidialbereich Wuppertal, Remscheid und Solingen für 2023 insgesamt 2666 Anzeigen im Bereich häuslicher Gewalt.