Die Planungen zum Pina Bausch Zentrum nehmen weiter Konturen an. Das städtische Projektbüro und das Gebäudemanagement der Stadt arbeiten daran, die verschiedenen Verfahrensschritte für ein internationales Zentrum für Tanz an der Kluse voranzutreiben. Im September wird der Rat der Stadt final über die Realisierung des Projektes abstimmen.
Im Juli werden die Ergebnisse des Vorentwurfs der Wuppertaler Stadtbauverwaltung präsentiert. Was beinhalten diese Ergebnisse, und wie unterscheiden sie sich von Ihrem Entwurf im Wettbewerb?
Die Einreichung umfasst einen vollständigen Satz Zeichnungen – Pläne, Schnitte, Ansichten und technische Studien – sowie einen detaillierten Bericht zur Projektbeschreibung und eine aktualisierte Kostenschätzung. Der Entwurf ist präziser und technisch ausgereifter geworden, der Vorschlag selbst ist jedoch im Wesentlichen unverändert.
Die Baukosten in Deutschland steigen seit Jahren rasant an. Wie stellen Sie sicher, dass die geplanten Baukosten für das Pina Bausch Zentrum im Budget bleiben?
Wir haben eng mit Hoehler + Partner, der Stadt Wuppertal und dem Beraterteam zusammengearbeitet, um die Kosten während des gesamten Projekts kontinuierlich zu überwachen.
Der Entwurf selbst wurde mit Blick auf Wirtschaftlichkeit konzipiert. Die Architektur ist bewusst direkt und industriell statt dekorativ. Wir verwenden einfache, langlebige Materialien wie Kanalglas, Sichtbeton, Stahl und robuste Innenausbauten. Das Gebäude bezieht seinen Charakter aus seiner räumlichen Flexibilität und seiner schlichten Eleganz, nicht aus teuren Oberflächen.
Im September wird der Wuppertaler Stadtrat die endgültige Entscheidung über die Realisierung des Pina-Bausch-Zentrums treffen. Welchen Rat würden Sie den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung in Bezug auf diese Entscheidung geben?
Wir vertrauen darauf, dass der Stadtrat dieses Projekt weiterhin seit Langem unterstützt. Wuppertal ist bereits fester Bestandteil der Tanzgeschichte; das Pina-Bausch-Zentrum bietet eine seltene Gelegenheit, auf diesem Erbe aufzubauen, indem es nicht nur das Werk von Pina Bausch würdigt, sondern auch ein neues Zentrum für Experimente, kulturellen Austausch und Gemeinschaftsleben schafft, das die Zukunft der Stadt prägen wird.
Besonders hervorzuheben ist im Planungsprozess das große Engagement – sowohl seitens des städtischen Teams und der Mitarbeiter und Künstler des Pina Bausch Zentrums und Tanztheaters, mit denen wir eng zusammengearbeitet haben, als auch seitens der lokalen Gruppen und Unterstützer des Projekts, die wir aus der Ferne begleitet haben. Wir hoffen, dass dieses gemeinsame Verantwortungsgefühl das Projekt auch weiterhin voranbringen wird.
Wie sähe Ihre ideale Vision dieses Hauses in zehn oder zwanzig Jahren aus?
Wir müssen uns fragen, was Choreografen in drei Jahrzehnten denken werden. Und was in drei Jahrzehnten danach? Architektur ist im Allgemeinen ein sehr langsamer, schwerer und träger Prozess – wenn man ein Bauwerk errichtet, ist es für immer da.
Wie kann man also für eine Zukunft entwerfen, die man nicht vorhersehen kann? Prioritäten, Publikum und Technologien verändern sich ständig. Abgesehen von der Schwerkraft und dem Bedarf an robuster Bausubstanz und ausreichender elektrischer Kapazität lässt sich für die Zukunft der Künste nur eines vorhersagen: Die nächste Generation wird die vorherige immer herausfordern.
Daher ist Flexibilität entscheidend. Wir betrachten dieses Gebäude als eine Art Maschine, die sich im Laufe der Zeit an die Bedürfnisse von Künstlern, Tänzern, Choreografen, Kuratoren und dem Publikum anpassen kann. So ermöglichen beispielsweise die offenen Wände im Erdgeschoss fließende Übergänge zwischen Innen- und Außenraum. Öffentliche Bereiche innerhalb und außerhalb des Gebäudes sind mit Bühnentechnik (Aufhängepunkte, Strom, Beleuchtung) ausgestattet, um es kleinen Gruppen oder auch Solotänzern zu erleichtern, ihre Arbeit zu präsentieren.
Wie kann Architektur die Öffentlichkeit nicht nur empfangen, sondern aktiv einbeziehen?
Es ist wichtig, Barrieren abzubauen. Die Öffentlichkeit fühlt sich oft ausgeschlossen, wenn sie wenig über ein Fachgebiet weiß. Durch Transparenz und Durchlässigkeit kann das Gebäude zu einer Einladung werden, auch ohne Eintrittskarte für eine Aufführung.
Die kreative Energie des PBZ – Proben, Aufführungen, Veranstaltungen, Ausstellungen, Gastronomie – wird von allen Seiten sichtbar und zugänglich gemacht. Diese Offenheit zieht sich durch das gesamte Gebäude. Die Erweiterung der Schauspielhaus-Terrasse ragt in den Aufführungshof hinein und bietet einen Blick hinter die Kulissen in den Multifunktionsraum, von dem aus Installationen, offene Proben und Aufführungen beobachtet werden können. Bewegliche Fassaden ermöglichen es, das Gebäude physisch zu öffnen und bei schönem Wetter die Öffentlichkeit durch Lobby, Hof und Aufführungsraum zu locken. Eine Terrasse über dem Archiv bildet ein Pendant zum Ballettstudio im Freien, während „The Kitchen“ ein Ort der Begegnung für Besucher und Tänzer ist. Regelmäßige offene Proben sowie erschwingliche Tickets und Speisen sind unerlässlich, um diese Offenheit zu verwirklichen.
Welche Rolle kann Architektur Ihrer Meinung nach für eine Stadt spielen, insbesondere in einem Kulturprojekt, das einen so starken Einfluss auf die Stadtgesellschaft haben soll?
Architektur kann Teil des Kulturprojekts sein und nicht nur dessen funktionaler Rahmen. Neue Kulturbauten tragen vielfältige Verantwortungen: Sie tragen dazu bei, die Künste für die gesamte Bevölkerung zugänglich zu machen, nicht nur für wenige; sie schaffen unstrukturierte öffentliche Räume; sie berücksichtigen die Umwelt; und sie fördern die Kultur der Architektur und des gebauten Raums. Architektur kann als Katalysator wirken, den Tourismus ankurbeln und die Identität einer Stadt stärken. Es ist heute möglich, einen „Bilbao-Effekt“ ohne enorme Investitionen zu erzielen. Wir hoffen, dass das PBZ diesen Effekt in Wuppertal erzielen wird, indem es das in der DNA der Stadt verankerte Erbe eines der bedeutendsten Choreografen aller Zeiten in den Fokus rückt, das auch in Zukunft die Tanzkunst prägen wird.
Welche Bedeutung hat der Standort in Wuppertal für Ihren Entwurf?
Das industrielle Erbe der Stadt und des Ruhrgebiets prägte die Ästhetik des Gebäudes und die Verwendung von Sichtstahl und Rohmaterialien. Die benachbarte Schwebebahn diente als große Inspiration für die strukturelle Gestaltung.
Trotz der Nähe zum Stadtzentrum und Bahnhof ist das Pina Bausch Zentrum durch die Bundesallee und die Wupper von seiner Umgebung getrennt. Anstelle einer „Kulturinsel“ schlagen wir eine fließende Grenze vor, die das Gelände mit der Stadt und den Städtebau mit der Natur verbindet.
Die Ost-West-Achse wird durch den neu begrünten Boulevard der Bundesallee und die durch das neue PBZ-Gebäude und die zukünftige Bebauung im Norden entstehenden Straßenränder gestärkt. Die neue Bepflanzung des Geländes schafft eine grüne Verbindung vom Botanischen Garten über das Gelände bis hin zu den Parks und Grünflächen am Flussufer. Im Norden wird die Bundesallee zu einem fußgängerfreundlichen Boulevard verengt, dessen Ende an der Hofaue einen großzügigen Platz bildet. Dieser Platz dient als Bindeglied zwischen der Innenstadt und dem Pina Bausch Zentrum. Ein durchgehender Belag aus Pflastersteinen und Begrünung auf dem gesamten Gelände wird die vielfältige Bebauung optisch verbinden und Wuppertal ein unverwechselbares städtebauliches Erscheinungsbild verleihen – ein neues kulturelles Zentrum, das Wuppertal eine einzigartige Identität verleiht.
Welche Erwartungen haben Sie an die Nutzung und die Erfahrungen der Wuppertaler Bevölkerung mit diesem Projekt?
Der Vorplatz wird restauriert und durch zusätzliche Bepflanzung neu gestaltet. Ein großflächiger Bepflanzungsteppich wird das gesamte Areal und die vielfältige Bebauung optisch verbinden und gleichzeitig die ökologischen und städtebaulichen Verbindungen vom Botanischen Garten entlang des Grünkorridors bis hin zum Fluss stärken. Besucher können das Gelände aus allen Richtungen erreichen: mit dem Auto über eine Haltestelle am Sopp’schen Pavillon, mit dem Fahrrad über einen neuen Weg am Flussufer und eine neue Fußgängerbrücke, die den Fluss mit dem südlichen Stadtteil verbindet und Fluss und Ufer belebt. Die Bepflanzung und Terrassierung des Flussufers erhöhen den Hochwasserschutz und ermöglichen der Öffentlichkeit einen direkten Zugang zum Fluss.