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Wuppertal / Wuppertal

Schmunzelgeschichten

Am Anfang war die Bimmelbahn

Das waren noch Zeiten, als die bewährte Cronenberger Bimmelbahn von Elberfeld nach Cronenberg fuhr. Zu dieser Zeit waren beide Orte noch eigenständige Städte mit eigenen Bürgermeistern. Was in Cronenberg hergestellt wurde, ging als fertige Ware über die Gleise der Bimmelbahn in alle Welt. Rangiergleise gab es in Cronenberg wie in Küllenhahn. Schwere Dampfloks bewegten die Güterwagen der Cronenberger und Küllenhahner Werkzeuge. Die Cronenberger Steinindustrie hatte ebenfalls einen hervorragenden Bahnanschluss in der Nähe des Bahnhofs Küllenhahn. Das Leben der Menschen blühte derart, dass sie einst zu den Wohlhabendsten in ganz Deutschland gehörten. Die Elberfelder arbeiteten zum Teil in Cronenberg, ebenfalls die Cronenberger in Elberfeld. Zu dem Güterverkehr kam der Personenverkehr. Viele Menschen fuhren mit der Bimmelbahn zu ihrem Arbeitsort. Das Achtung gebietende Pfeifen und Läuten der Dampflokomotive war auf der steilen, kurvenreichen Strecke oft zu hören - daher im Volksmund liebevoll das Wörtchen: Bimmelbahn!
Text Edwin Markert

Kohlen und Kartoffeln

So einige Erlebnisse aus der Nachkriegszeit über die heute sicher geschmunzelt werden darf, sind noch deutlich vor Augen. Kohlen kamen aus dem Ruhrgebiet nach Cronenberg und Küllenhahn. Die Kohlenhändler luden mit der Schüppe und eigener Kraft die Kohlen auf ihre LKWs. Bauern, welche mit Pferd und Wagen die Rampe an der Kuchhauser Straße anfuhren, luden die Kartoffeln, die unter anderem vom Niederrhein kamen, vom Waggon der Bahn ab. Mit der Kartoffelgabel wurden sie zentnerweise in Säcke abgewogen. Der damalige Preis für einen Zentner Kartoffeln: ca. 3,00 Reichsmark.

"Hamstertaschen"

Vieles, was von den Zügen gefallen war, wurde von den Gleisen stibitzt; und da dies doch streng verboten war, kam man auf leisen Sohlen im Schutze der Dunkelheit, um die „Beute" in die mitgebrachten Taschen und Säcke zu füllen. Diese so „erworbenen" Errungenschaften linderten so manche Not und führten durch die schlechte Zeit.

Verhängnisvolle Entdeckungsreise

Die Abenteuerlust einer Kuh - sie begab sich von ihrer Weide am Boltenberg unerlaubt auf den Weg in Richtung Bahngleise - endete für diese sehr tragisch, für die Bewohner der Tiergartenstraße hingegen unerwartet erfreulich. Kurz nach dem sich die Kuh von der Weide entfernt hatte, ging ein Rufen durch die Straße: „Fleisch auf den Gleisen!". Der Unbeteiligte und ahnungslose Betrachter dieses Vorfalls würde sich wohl geängstigt haben beim Anblick der vielen mit Messern und Äxten bewaffneten Menschen. In absoluter Rekordzeit war die Kuh zerlegt, verteilt und verpackt, die beim Überqueren der Gleise von der Bimmelbahn erfasst und getötet worden war.
Text Hannelore Althaus

Der Bahndamm brennt

Nach dem Krieg, so weiß man, gab es kaum Benzin. Für die Führer der Bimmelbahn war das recht bedeutungslos, denn diese fuhr ja mit Kohle. Die Feuerwehrmänner hingegen hatten ihre Not, wenn es bei sommerlicher Hitze und Funkenflug wieder einmal hieß: Der Bahndamm brennt! Nicht selten dauerte es bis zu 60 Minuten bis der Holzvergaser des Löschfahrzeuges genügend Energie aufbrachte, um endlich den Einsatz fahren und das Feuer löschen zu können.

Eine vornehme Dame im Zug

Als noch einst die Dampflokomotive mit meheren Wagen von Elberfeld nach Cronenberg fuhr, stieg eine vornehme Dame in Elberfeld in diesen Zug. Bei der Fahrscheinkontrolle frug diese Dame den Zugschaffner: „Wie oft halten Sie bis Cronenberg?" Ach, meinte der originale Elberfelder Schaffner in seiner volkstümlichen Mundart:

„De Zug häu-elt an jedem Driethüüsken!"

Wegen dieser "ungehörig unanständigen" Antwort beschwerte sich diese Dame bei der "Obrigkeit". Der arme Zugschaffner verlor seinen Posten.
Text Edwin Markert

 

Die Gräfin

Vom Wilhelmring ist zu berichten, dass dort in den Kriegsjahren ein ausrangierter Eisenbahnwaggon aus der Zeit um 1880 abgestellt wurde. Diesen Waggon hatte sich eine Gräfin zum Wohnort erwählt. Sie war die Tochter des Adjutanten von Hindenburg, der seinerzeit in Berlin residierte und wirkte. Warum sich die Gräfin in diesem Waggon zurückgezogen hatte, ist ihr Geheimnis geblieben. Kein Geheimnis ist jedoch, dass sich die Dame aufgrund ihres bescheidenen und hilfsbereiten Wesens besonderer Beliebtheit erfreute. Eine ihrer löblichen Taten war die Rettung eines alten Baumes vor der städtischen Säge. Man nannte und nennt sie heute noch liebevoll: „Die Gräfin vom Wilhelmring".

 

Edwin Markert verfasste vor etwa 10 Jahren ein Mundart-Gedicht zu Ehren der Gräfin:

 

Unsere Gräfin

Vör gu-et 60 Johren trock et ner Gräfin op den Hahnerberg nom Wlhelmreng. Mer merkten er de Herkonft aan, wor frönklech ewes für Jedermann. Se wor nit bestatt, hat u-ech keng Blagen on wecker wohl ku-en ehr gät sagen. Se wonden nit en i-enem Schlot odder en i-ener Borg, nee se wonden en i-enem aulen Isenbahnwagen, em Welhelmreng ganz hengen dorch. Manch Jöhrken het se do gewonnt, van denn Nobern wu-ed se met Dank belont, weil se en Bue-em vör der städteschen Säg ‚ gerett' dat fongen u-ech die Hahnerberger su rechteg nett. Wecker dat ganze Spell van Domols noch nit wi-et, de kann jo e-is dohen gon on kieken wo de Bo-em medden op dem Börgersti-eg sti-eht.

 

Für nicht Mundartkundige hier der Versuch einer Übersetzung - leider ein wenig auf Kosten des Reimes:

 

Unsere Gräfin

Vor gut 60 Jahren zog es eine Gräfin auf den Hahnerberg zum Wilhelmring. Man merkte ihr die Herkunft an, war freundlich stets zu jedermann. Sie war nicht getraut und hatte keine „Blagen" und wer wollte, durfte was er mochte zu ihr sagen. Sie wohnte nicht in einem Schloss, auch nicht in einer Burg, nein, sie wohnte in einem Eisenbahnwagen, am Wilhelmring ganz hinten durch. Manches Jährchen hat sie da gewohnt, von den Nachbarn wurde sie mit Dank belohnt. Dass sie einen Baum vor der städtischen Säge gerettet hat, fanden die Hahnerberger so richtig nett.

Wer das ganze Spiel von damals noch nicht kennt, der kann ja mal hingehen und gucken wo der Baum mitten auf dem Bürgersteig steht.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

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