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Wuppertal / Kultur & Bildung

Das Wupper-Hochwasser vom 24. November 1890

Das Wupper-Hochwasser vom 24. November 1890

Venedig 1890. Die Gondoliere streiken. Attenzione: Eine Überquerung der städtischen Kanäle ist nur zu Fuß möglich. So könnte eine Zeitungsmeldung der „La Gazzetta di Venezia“ unter diesem Foto lauten. Oder gibt es noch andere Städte, in denen die Häuser direkt im Wasser stehen? Oh ja, in Wuppertal, zumindest einmal im November 1890, als die Wupper über die Ufer trat und die Innenstädte von Barmen und Elberfeld überschwemmte.

 

So sehen wir hier zwei Männer, die es sich nicht nehmen lassen, sich trotz der nasskalten Witterung nasse Füße zu holen und durch den überschwemmten Neuen Weg zu stapfen. Wie aufregend dieses Ereignis war, sieht man an den Neugierigen, die in den Hauseingängen stehen. Sie wirken eher interessiert als besorgt. Im Hintergrund kommt keine Gondel, sondern eine Kutsche angerauscht, auch sie muss sich ihren Weg durch die Wasserstraße bahnen. Es könnte aber auch ein Pferdewagen voller Schaulustiger sein, die die Gelegenheit nutzten, um alles hautnah zu erleben.

 

Wie kam es überhaupt zu dieser, angesichts der derzeitigen Trockenheit kaum vorstellbaren Flut? Es hatte bereits seit Tagen sintflutartig geregnet und in der Nacht zum 24. November erreichten die Regenfälle ihren Höhepunkt. Das brachte nicht das Fass, aber die noch nicht kanalisierte Wupper zum Überlaufen. Trotz des andauernd strömenden Regens hatte jedoch niemand mit der am frühen Morgen hereinbrechenden Hochwasserkatastrophe gerechnet. In nur wenigen Stunden schoss das Wasser durch die Straßen, fegte die Holzbrücken weg und füllte Keller und Geschäfte. Bis zum Rathaus drang das Wasser in Elberfeld vor, in Barmen schwoll die Wupper meterhoch an bis zum heutigen Opernhaus, dem damaligen Theater. Der Pegelstand erreichte 4,10 m, am Alten Markt betrug der Wasserstand 1,60 m. Für Nichtschwimmer ungeeignet. Das Landgericht wurde zur Wupper-Insel. Zu allem Überfluss kam es zwischendurch auch immer wieder zu Hagelschauern.

 

Die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun, um die altbergischen Häuser vor dem Einsturz zu bewahren und Menschen aus gefährlichen Situationen, in die sie sich zum Teil selbst gebracht hatten, zu retten. Nichtsdestotrotz kamen in Barmen fünf Menschen in den Fluten, die hier auf Grund starker Strömungen besonders gefährlich waren, ums Leben. Sie befanden sich auf einem Postwagen, der in den Mühlengraben geraten war. In Elberfeld war ein Toter zu beklagen. Auch viele Tiere ertranken.

 

Natürlich hatte die Flutkatastrophe weitere Folgen für viele Fabriken im Tal, sie mussten vorübergehend schließen, der Strom fiel aus, Zeitungen konnten nicht gedruckt werden, die Gasversorgung war unterbrochen. Auch im Landgericht konnte angesichts seiner Insellage nicht verhandelt werden.

 

Mit dem kommenden Wetterwechsel verschwand das Wasser aber genauso schnell wieder, wie es gekommen war, doch den Menschen hatte sich dieser 24. November als Tag des schlimmsten Hochwassers aller Zeiten in Elberfeld und Barmen eingeprägt. Gewitzte Fotografen machten mit ihren Bildern von der Katastrophe noch nachträglich gute Geschäfte. Eines davon ist dieses.

 

Die Schäden waren gigantisch. Um einen Wiederholungsfall zu vermeiden, begann man zügig mit der Flussregulierung, Kanalbauten und Eindeichung. Dass der so beschaulich dahin fließende Fluss auch heute noch gefährlich werden kann, zeigte sich zuletzt am 2. April 2006, als bei starkem Hochwasser nicht etwa ein BMW oder Golf, sondern eine Pferdekutsche in die Wupper stürzte. Die Mitfahrenden kamen mit dem Schrecken davon, aber die Pferde ertranken.

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