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Wuppertal / Kultur & Bildung

Der Lichtbund Wuppertal

Der Lichtbund Wuppertal

Hier ziehen alle an einem Strang, allerdings in entgegengesetzter Richtung. Und die Gewinner dürfen sich etwas anziehen? Nein, weit gefehlt, denn es handelt sich um Mitglieder des Lichtbundes Wuppertal, die hier im Jahre 1928 ganz bewusst unbekleidet auf ihrem eigenen Gelände einem kräftigen Tauziehen nachgehen. Nackt, obwohl der Blätterstand der Bäume anzeigt, dass es sich nicht um die wärmste Jahreszeit gehandelt haben dürfte.

 

Der Lichtbund Wuppertal wurde 1924 als sporttreibende Naturistenvereinigung gegründet. Was sind Naturisten? Naturismus heißt: Körperbewusst und gesund leben, er schließt gegenseitige Rücksichtnahme und Solidarität und ökologisches Engagement mit ein. So lautete die genaue Bezeichnung des Bundes bei seiner Gründung „Lichtbund. Vereinigung für Lebenserneuerung“.

 

Bereits im Jahre 1911 hatten sich 7 bis 8 Personen zu einer Naturistenvereinigung zusammengeschlossen, die bis zum 1. Weltkrieg immer mehr Anhänger fand. Doch erst mit dem Ende der Monarchie trauten sich zunehmend mehr Menschen, sich an der frischen Luft unbekleidet frei zu bewegen, ohne Trennung nach Geschlecht und Alter.

 

Nachdem man längere Zeit ein von einem Landwirt gepachtetes Gelände in einem Waldgebiet genutzt hatte, gelang es dem Lichtbund 1931 unter großen Opfern, dieses Gelände dauerhaft zu erwerben. Am 29.7.1928 wurde der Lichtbund Wuppertal in das Vereinsregister der Stadt eingetragen, Ende der 20er Jahre waren es bereits 150 Personen, die auf dem Vereinsgelände neben dem Tauziehen verschiedenen sportlichen Betätigungen nachgingen. Das Gelände wurde ausgebaut und ein Badeteich wurde angelegt, 1937 kam ein Trinkwasserbrunnen hinzu, es wurden Hütten und der nötige Sichtschutz errichtet.

 

1932 jedoch wurde die Freikörperbewegung durch den sogenannten Zwickel-Erlass beeinträchtigt. Man musste sich wieder anziehen, doch aufgrund der geschützten Lage des Lichtbund-Geländes konnten die Mitglieder weiterhin unbekleidet ihren Aktivitäten nachgehen. Selbst der Göring-Erlass im März 1933, der die Nacktkultur „vernichten“ sollte, konnte das „nackte Treiben“ nicht wirklich stoppen. Die Lichtbund-Mitglieder bewegten sich zwar zunächst in Sportkleidung oder hatten diese, für den Fall einer Kontrolle, stets griffbereit.

 

Die Nationalsozialisten konnten die Freikörperbewegung letztendlich nicht beenden. Fred Hasselblatt, zeitweilig Vorsitzender des Lichtbundes Wuppertal, und Karl Bückmann kämpften erfolgreich für das Geländeleben im paradiesischen Zustand. Die Nazis verlangten aber, dass der Vereinsname in „Gemeinschaft Wuppertal des Bundes für Leibeszucht“ umbenannt werden musste.

 

Nach dem 2. Weltkrieg wurde unter dem alten Vereinsnamen ein neuer Anfang gemacht, dieser wurde nur später umgetauft in „Lichtbund Wuppertal. Vereinigung für naturnahe Lebensweise“. Es folgte bis heute ein stetiger Ausbau des Geländes mit immer mehr Einrichtungen und Sportmöglichkeiten sowie stetigen Modernisierungen und die Mitgliederzahl wuchs. Vor allem eine teilweise Verlagerung des Geländes, die durch den Ausbau der A 43 und A 46 notwendig wurde, sorgte für zahlreiche Neuerungen: Anschluss an das Wasser- und Stromnetz, Errichtung eines Clubhauses, Sauna, Schwimmbad, moderne Sanitäreinrichtungen usw. Eine Kantine kam hinzu, Kinderspielplatz, Jugendhütte, Gästeplatz für Wohnwagen, vor allem bei Sportveranstaltungen. Dennoch wurde der Grundsatz der naturbezogenen Lebensweise stets beibehalten.

 

Mittlerweile gibt es sogar internationale Kontakte mit dem FKK-Verein der Stadt St. Etienne in Frankreich und internationale Sportveranstaltungen.

 

Die Vereinstätigkeiten haben sich im Laufe der Zeit gewandelt: Waren es anfangs Tauziehen, Faust- und Völkerball und Gymnastik, die unbekleidet betrieben wurden, in den 70er und 80er Jahren vor allem Volleyball, so ist heute besonders Boule, Tennis und Aerobic beliebt. Nur eine starke Wandertruppe gab es zu allen Zeiten. In einigen Jahren wird sich das wieder geändert haben, aber der Lichtbund, der heute „Familien-Sport-Gemeinschaft Lichtbund Wuppertal e.V.“ heißt, soll eine Vereinigung für naturnahe Lebensweise bleiben. Die aktuell etwa 330 Mitglieder gehen ihren zahlreichen Aktivitäten hauptsächlich auf ihrem ca. 88.000 qm großen Gelände am Stadtrand von Wuppertal nach.

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