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Wuppertal / Kultur & Bildung

Friedrich Linz, Oberlehrer und Reichstagsabgeordneter

Friedrich Linz, Oberlehrer und Reichstagsabgeordneter der Städte Barmen und Elberfeld

Welchen Beruf wird ein Herr im besten Alter – sofern wir das Alter von um die 50 mal als bestes Alter definieren – wohl ausgeübt haben, der hier zwar zu Hause entspannt, aber im recht feinen Outfit vor einem kleinen, mit einer geblümten Tischdecke dekorierten Tischchen sitzt, auf dem einige Bücher liegen? Der Herr schaut interessiert, entschlossen und ernst direkt in die Kamera, vielleicht auch leicht angenervt. Ob das am Inhalt des aufgeschlagenen Buches liegt, in dem er gerade liest oder am Fotografen? Noch nicht einmal ein Glas Wein oder ein bisschen Schokolade gönnt er sich zu seiner Lektüre.

 

Nun, der Beruf des Lehrers könnte vielleicht zu ihm passen. Volltreffer! Zumindest, was die Zeit vor Entstehung dieses Fotos anbelangt. Der Herr ist Friedrich Linz, der am 29.1.1860 als Sohn ebenfalls eines Lehrers in Elsen (Hohenlimburg) geboren wurde. Seine Lehrerkarriere führte ihn quer durch das heutige Wuppertal: Zunächst betätigte er sich von 1883-1886 in Elberfeld (nach anderer Angabe in Kapellen bei Moers) als Volksschullehrer, dann ebendort als Mittelschullehrer und unterrichtete schließlich von 1898 bis 1906 an der Höheren Töchterschule in Barmen Deutsch, Englisch, Französisch, Geschichte und Religion, also so ziemlich alles außer Naturwissenschaften und Mathematik. Das liegt ja auch nicht jedem…

 

Nebenher war er bereits seit 1898 Stadtverordneter von Elberfeld und kandidierte 1903 erstmals für die Reichstagswahl, allerdings ohne Erfolg. Dennoch nahm die Politik viel Raum ein, und so beschloss Friedrich Linz mit dem Ende des Schuljahres 1906, sich hauptsächlich seiner politischen Karriere zu widmen und ließ sich beurlauben. Insofern stellt dieses Foto aus dem Jahre 1907 fast eine symbolische Zäsur seiner beruflichen Laufbahn dar: Zwischen Schule und Politik.

 

Für die Reichstagswahl am 25.1.1907 trat Friedrich Linz als Kandidat für die Christlich-Nationale Volks- und Bürgerpartei an. Diese Wahlen waren durch die Zustimmungsverweigerung, vor allem der Sozialdemokraten, zu einem Nachtragshaushalt für den Kolonialkrieg in Deutsch-Südwestafrika im Jahre 1906 notwendig worden. Was war geschehen? Die deutschen Kolonialtruppen hatten die aufständischen Herero und Nama, die geringschätzig als „Hottentotten“ bezeichnet wurden, gnadenlos niedergeknüppelt, was zur Verweigerung weiterer Gelder zur Finanzierung des Krieges durch den Reichstag und damit zum Ende der Regierung von Bülow führte. Durch diese Vorfälle kamen die folgenden Wahlen zu der unrühmlichen Bezeichnung „Hottentottenwahlen“.

 

Im Wahlkampf, der sich hauptsächlich um das Thema Kolonialpolitik drehte, musste sich Friedrich Linz in erster Linie gegen die Sozialdemokraten behaupten. Linz war ein Befürworter einer „gesunden Kolonialpolitik“, die Sozialdemokraten forderten ihr Ende. Jedenfalls ging es im Wahlkampf richtig zur Sache, bis hin zu Tumulten bei einer Wahlversammlung der Christlich-Nationalen Volks- und Bürgerpartei am 1.2.1907, die von den zahlreichen Sozialdemokraten unter den Anwesenden provoziert worden waren. Das kam nicht gut an, denn am Ende konnte Friedrich Linz in einer Stichwahl am 5.2.1907 mit Unterstützung aller bürgerlichen Parteien den Sozialdemokraten Hermann Molkenbuhr schlagen. Zu dieser Stichwahl kam es, da die Wahl am 25. Januar kein eindeutiges Ergebnis hervorgebracht hatte. Bei einer weiteren Stichwahl mit dem sozialdemokratischen Kandidaten Friedrich Ebert im Jahre 1912 war Linz hingegen nur zweiter Sieger.

 

Bis 1920 blieb Friedrich Linz der Politik treu, zuletzt als Vertreter der Deutschnationalen Volkspartei in der verfassungsgebenden Preußischen Landesversammlung. Er starb am 16.9.1937 in Wuppertal.

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