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Wuppertal / Kultur & Bildung

Weihnachten 1885 bei den von der Heydts

Weihnachten 1885 bei den von der Heydts

Weihnachten. Kinder warten ungeduldig auf die Bescherung, helfen beim Schmücken des Weihnachtsbaumes oder vertreiben sich die Zeit vor dem Fernseher, mit dem PC, dem Notebook oder dem iPod, bis es soweit ist. Gut, auch Facebook oder SchülerVZ helfen, die Wartezeit bis zur großen Geschenkeschlacht zu überstehen, zudem wäre ein Besuch des Weihnachtsgottesdienstes denkbar. Doch wie war das im Jahre 1885?

 

Wir blicken hier in die Gesichter zweier Kinder, die mit ihrem Vater von R. Schlegel, einem Fotoatelierinhaber aus der Casinostraße 7 in Elberfeld, fotografiert worden sind. Das jüngere Kind links blickt fast missmutig in die Kamera, so als hätte es keine Lust mehr, noch länger auf die Geschenke zu warten, während der Junge rechts sich vielleicht denkt: „Hm, den Weihnachtsbaum hätte ich besser geschmückt“ oder „wieso haben wir eigentlich keinen Weihnachtsbaum?“. Und er präsentiert sich mit einem gewissen Stolz in seiner Körperhaltung. Der Vater hingegen freut sich vielleicht schon auf das Festessen oder er hat seinen Jungs geholfen, die Wartezeit bis zum Heiligen Abend kurzweilig zu überbrücken.

 

Alle drei sind bereits festlich gekleidet, das Frohe Fest scheint also gleich loszugehen. Doch wer sind diese drei Personen überhaupt? Der Junge links ist Eduard von der Heydt, späterer Ehrenbürger Wuppertals. Er wurde am 26. September 1882 im Haus der Familie am Kerstenplatz 6 in Elberfeld geboren. In diesem Haus ist vermutlich auch das Foto entstanden. Er starb am 2. April 1964 in Ascona in der Schweiz. Eduard von der Heydt wurde, wie sein Vater und sein Großvater, Bankier und hatte stets einen Riecher für die Kohle, widmete sich aber auch begeistert der Kunst.

 

Sein am 8. August 1881 in Elberfeld geborener Bruder August starb am 11. März 1943 ebenfalls in Elberfeld.

 

Die Brüder wuchsen sehr behütet im Schoße der Patrizierfamilie von der Heydt auf und wurden zunächst von einem Hauslehrer unterrichtet, bevor sie dann ab der Untertertia bis zum Abitur im Jahre 1900 das heutige Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium besuchten. Schon früh reisten sie mit ihren Eltern in der europäischen Weltgeschichte herum. Nach dem Abi ging es gemeinsam nach Genf, wo sie Rechts- und Staatswissenschaften studierten, dann nach Freiburg. Anschließend trennten sich ihre Wege.

 

August zog es zurück in die väterliche Firma, ohne jemals zu ihrem Leiter bestellt zu werden. Eduards Leben verlief weniger gradlinig. Nach einem Amerika-Aufenthalt waren ihm Elberfeld und die Familie zu eng geworden. So gründete er 1909 in London (mit Erfolg) seine eigene Bank. Nach einer Verwundung im 1. Weltkrieg wechselte er vorübergehend ins Diplomatenfach und kam auf diesem Wege nach Holland, gründete dort 1920 wieder eine Bank und beteiligte sich an weiteren. Seine 1919 mit Vera von Schwabach geschlossene und 1927 geschiedene Ehe blieb glück- und kinderlos. In den 20er Jahren ging er auch unter die Kunstsammler und kaufte alles, was nicht niet- und nagelfest war. Schließlich auch Gebäude. Vor allem den Monte Verita in Ascona, den er zu einem gesellschaftlichen und kulturellen Treffpunkt ausbaute. 1937 wurde er Schweizer Staatsbürger.

 

Jetzt haben wir uns noch gar nicht mit dem ebenfalls abgebildeten Vater der beiden Jungs befasst. Dieser heißt, wie sein älterer Sohn, August, wurde am 18.5.1851 ebenfalls in der Familienvilla am Kerstenplatz 6 in Elberfeld geboren und starb am 28. September 1929 in Bonn-Bad Godesberg. Auch er wurde Bankier und Kunstmäzen, stieg 1874 ins väterliche Bankhaus ein, ab 1878 auch als Teilhaber. Durch seine finanzielle Unterstützung konnte das Stadttheater am Brausenwerth errichtet werden, der Zoologische Garten erbaut werden und vieles mehr. Und er unterstützte die moderne Kunst. Wie sein Sohn Eduard wurde auch er u.a. Ehrenbürger der Stadt. 1880 hatte er Selma Haarhaus geheiratet, die ihm die beiden Söhne auf dem Foto schenkte.

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