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Wuppertal / Kultur & Bildung

Besuch des Kaiserpaares am 24. Oktober 1900

Besuch des Kaiserpaares am 24. Oktober 1900

Was ist denn hier am Carlsplatz in Barmen los? Eine Demo? Spontanes Abschiedskonzert der gealterten Rolling Stones oder Empfang für die deutsche Fußballnationalmannschaft, der zu Ehren man einen roten Teppich ausgelegt hat? Aber Moment mal, weder die Stones noch die Fußballer würden mit der Kutsche kommen, die hier einfach über den ausgelegten Teppichläufer gerattert ist.

 

Nein, wir schreiben Mittwoch, den 24. Oktober 1900, jenen denkwürdigen Tag, an dem das deutsche Kaiserpaar den Städten Barmen, Elberfeld und Vohwinkel die Ehre seines Besuches gab. Die große Menschenmenge, die in weiß gekleideten jungen Damen und Herren auf der Eingangstreppe der neu erbauten Ruhmeshalle in Barmen fallen sofort auf, aber wo ist der Kaiser? Man muss schon genau hingucken. Wilhelm II. und seine Viktoria sitzen in der vorderen Kutsche, aber sie sind kaum zu erkennen, da die Kutsche durch die Bewegung leicht unscharf ist.

 

Was hatte denn das Kaiserpaar überhaupt veranlasst, nach Wuppertal zu kommen? Die Ruhmeshalle, ein Prachtbau mit pompöser Kuppel, war von 1897 bis 1900 am Carlsplatz, dem heutigen Geschwister-Scholl-Platz, zu Ehren der beiden 1888 verblichenen Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. für stolze 600.000 Mark erbaut worden. In der Ruhmeshalle waren natürlich Standbilder der beiden Monarchen in Überlebensgröße sowie eine Statue von Wilhelm II. aufgestellt worden. Der Barmer Oberbürgermeister begrüßte nun hier vor der Ruhmeshalle das Kaiserpaar und hinterließ mit diesem seine Spuren auf dem roten Teppich zum Gebäude. Dann weihte der Kaiser die Ruhmeshalle, die heute das Haus der Jugend beherbergt, ein.

 

Auch in Elberfeld hatte er etwas einzuweihen: das neue Rathaus, dessen Bauzeit fünf Jahre betragen hatte. Hier zeigte sich das Kaiserpaar mit Oberbürgermeister Wilhelm Funck dem Volk auf dem Balkon.

 

Aber das war noch nicht alles, Wilhelm II. und Viktoria hatten volles Programm in Wuppertal. Unter den Augen und großem Jubel der Bevölkerung weihten sie mit einer Probefahrt mit der funkelnagelneuen Schwebebahn vom Bahnhof Döppersberg nach Vohwinkel dieses innovative Verkehrsmittel ein, das erst am 1. März 1901 richtig in Betrieb genommen wurde. Vorher hatte man dem Kaiserpaar im Bahnhof die Pläne und Entwürfe der Schwebebahn präsentiert. Man will ja schließlich wissen, auf was man sich da einlässt… Schon seit dem frühen Morgen hatten sich die Menschen rings um den Schwebebahnhof günstige Plätze gesichert, um das Kaiserpaar gut sehen zu können. Die Schwebebahnfahrt des Kaiserpaares und ihres Gefolges erfolgte im sogenannten Kaiserwagen, dem Wagen Nr. 5, der heute noch im Besitz der Wuppertaler Stadtwerke ist, seit Mai 1997 unter Denkmalschutz steht und heute eine touristische Attraktion darstellt. Wenn er heute durch die Stadt schwebt, kriegt man das sofort mit, denn er schwebt mit entsetzlich lautem Gequietsche an einem vorbei.

 

Nach einem Zwischenstopp am Bahnhof Zoo zwecks Besichtigung der Wendeschleife gelangte das Kaiserpaar sicher nach Vohwinkel. In der Kutsche ging es durch die Kirch- und die Solingerstraße zur feierlichen Enthüllung des Siegesbrunnen mit der Germania, einem von Bildhauer Gustav Rutz in Düsseldorf für satte 30.000 Mark geschaffenen Denkmal. Der Kaiser lobte den Bildhauer und am 27. Januar 1901, also an Wilhelms II. Geburtstag, wurde der Siegesbrunnen von der Stadt übernommen. Über die Königstraße zum Bahnhof verließ das Kaiserpaar Vohwinkel und setzte seinen stressigen Tag im Landkreis Mettmann fort, während die Menschen in Wuppertal noch bis tief in die Nacht feierten.

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