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Wuppertal / Kultur & Bildung

Ein Pädagoge mit Leib und Seele: Friedrich Wilhelm Dörpfeld

Ein Pädagoge mit Leib und Seele: Friedrich Wilhelm Dörpfeld (1824-1893)

Seien wir mal ehrlich, diesem Mann sieht man auf drei Meilen gegen den Wind an, dass er Pädagoge war. Dieser strenge Zug um den von einem Vollbart umrahmten Mund, der nicht minder strenge Blick unter den leicht missbilligend zusammengezogenen Augenbrauen sowie der hoch geschlossene Kragen seines seriösen Gewandes verleihen ihm Autorität! Die Brille, zugegeben, wäre in den 1990er Jahren auch wieder modern gewesen. Die fast religiös wirkende Kleidung des hier abgebildeten Pädagogen Friedrich Wilhelm Dörpfeld ist vielleicht kein Zufall, denn seine Eltern waren religiös und übertrugen dies auf ihren Sohn.

 

In einem einfachen Bauernhaus in Sellscheid bei Wermelskirchen wurde Friedrich Wilhelm Dörpfeld am 8. März 1824 geboren. Sein Vater war Schmiedemeister, sein Großvater aber war Landwirt mit eindeutig philosophisch-literarisch-historischen Interessen, die er eigens in einem Lesezirkel mit Gleichgesinnten pflegte. Der kleine Friedrich Wilhelm hörte dabei öfter zu und dies hat wohl seine spätere Berufswahl beeinflusst. Kaum konfirmiert, beschloss er, Lehrer zu werden. Auch sein Lehrer vom Werth an der Schule zu Burg an der Wupper hatte ihn für diesen Beruf begeistert.

 

Dörpfeld absolvierte 1840 das Lehrerseminar in Fild bei Moers als Präparandenlehrer, einer von Seminardirektor Franz Ludwig Zahn errichteten Lehranstalt. 1841 konnte er bei seinem früheren Lehrer vom Werth in Burg an der Wupper als Hilfslehrer einsteigen, verinnerlichte hier die charakterlichen und handwerklichen Basics des Lehrerberufs. Schließlich besuchte er 1842 das Lehrerseminar in Moers, an dem er viel vom Direktor Zahn lernte und trat im Herbst 1844 voller Idealismus seinen ersten richtigen Job als Lehrer an der Präparandenanstalt in Fild an. Man muss bedenken, dass er da gerade mal zwanzig Jahre alt war und sein Leben nicht so verlief, wie man das von so jungen Menschen erwarten würde (also auch mal ein bisschen Spaß haben und so), nein, er hatte sich all die Jahre neben der Paukerei oder der Lehrtätigkeit noch mit eiserner Selbstdisziplin weitergebildet in Philosophie, Psychologie, Pädagogik und Fremdsprachen.

 

1848 bekam Friedrich Wilhelm Dörpfeld eine Lehrerstelle an einer einklassigen Volksschule auf dem Heidt bei Ronsdorf. Sein pädagogisches Talent sprach sich von hier aus in der Region schnell herum und so wurde er schon ein Jahr später an die vierklassige Kirchschule in Barmen-Wupperfeld „berufen“. Hier sollte er wahrhaftig drei volle Jahrzehnte voller Hingabe wirken, bis ein Asthmaleiden ihn 1880 in den Vorruhestand zwang.

 

Bei aller Pädagogik hatte er 1851 in Wermelskirchen die Pastorentochter Christine Keller geheiratet, die ihm zwei Söhne und vier Töchter schenkte und bereits 1871 verstarb.

 

Neben seiner praktischen Lehrtätigkeit arbeitete er auch intensiv an pädagogischen Theorien, maß dem Verhältnis zu den Eltern für die Erziehung der Schüler eine hohe Bedeutung bei und lehnte die Schulaufsicht durch Staat und Kirche ab. Wen wundert es da noch, dass er zahlreiche Schriften verfasste, das „Evangelische Schulblatt“ gründete und in Lehrervereinen und Konferenzen wirkte. Dörpfeld war ein Vertreter des Herbartianismus, einer von dem Philosophen und Pädagogen Johann Friedrich Herbart (1776-1841) begründeten Lehre. Ihre Vertreter, unter ihnen Friedrich Wilhelm Dörpfeld, waren im Verein für wissenschaftliche Pädagogik organisiert.

 

Kurzum, man bräuchte viel mehr Platz, um das große Wirken und Schaffen dieses „ganzheitlichen“ Pädagogen zu umfassen. Bei aller Strenge im Blick hat er, wie man sieht, seine ganze Energie der Entwicklung der Schüler geopfert.

 

1887 zog Friedrich Wilhelm Dörpfeld zurück nach Ronsdorf, wohin seine älteste Tochter Anna geheiratet hatte und unterstützte, so gut es sein Gesundheitszustand zuließ, die dortige Volksschule und ihre Lehrer bis zu seinem Tode am 27. Oktober 1893.

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