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Wuppertal / Kultur & Bildung

Der Weyerbuschturm auf dem Nützenberg

Der Weyerbuschturm auf dem Nützenberg

Der Herr am Fuße dieses Turmes scheint darauf zu warten, dass Rapunzel endlich ihr Haar herunterlässt, aber da kann er lange warten, denn die saß ja auf dem Rapunzelturm auf der Trendelburg in Nordhessen und das auch noch etliche Jahrzehnte früher, wenn man von der Version des Märchens „Rapunzel“ der Gebrüder Grimm aus dem Jahre 1812 ausgeht. Überhaupt sieht dieser Turm aus, als ob ihm die Burg abhanden gekommen ist. Es könnte sich auch um ein frühes Modell für platzsparendes oder flächenschonendes Wohnen handeln.

 

Nein, wir sehen natürlich den Weyerbuschturm auf dem 259 m hohen Nützenberg (auch Kaiserhöhe genannt). Nicht, dass der Nützenberg nicht hoch genug wäre, um eine herrliche Aussicht auf das Wuppertal zu gewährleisten, aber in der im Jahre 1874 vom Elberfelder Verschönerungsverein angelegten 40 ha großen Parkanlage sollte auch ein Aussichtsturm stehen, vielleicht auch, weil man im Jahre 1889 im Nützenbergpark Buchen und Tannen gepflanzt hatte, die zunehmend den Blick in die Ferne verdeckten. Jedenfalls äußerte der Elberfelder Oberbürgermeister und Geheimrat Jaeger im November 1897 in einer Stadtratssitzung genau diese Ansicht, dass man auf dem Nützenberg einen neuen, stabilen Aussichtsturm bräuchte. Auf dem gegenüberliegenden Kiesberg stand ja schließlich bereits seit 1892 der Von der Heydt-Turm und auf jedem Berg neben der Wupper ein Turm würde das Gesamtbild harmonisieren. Einen Aussichtsturm aus Holz hatte man mit der Anlage des Parks 1874 schon mal dort hingestellt, der schon 1880 wegen Baufälligkeit erneuert werden musste, aber auch der zweite Holzturm hielt nur bis 1887 und danach gab es dort keinen mehr.

 

Der Knopffabrikant, Armenpfleger und Stadtverordnete Emil Weyerbusch (1846-1909) hatte Verständnis für den Wunsch des Oberbürgermeisters und erklärte am 30. November 1897 gegenüber der Stadt Elberfeld seine Bereitschaft, 25.612,91 Mark für einen neuen Aussichtsturm auf dem Nützenberg locker zu machen. Diese nahm die Spende umgehend dankbar an und man konnte bereits im Frühjahr 1898 mit den Bauarbeiten beginnen. Im Jahre 1900 sponserte Emil Weyerbusch noch ein Wärterhäuschen dazu und wie wir das auch heute von diversen Großprojekten kennen, summierten sich die Gesamtkosten, die der edle Spender tragen musste, auf fast das Doppelte der ursprünglich vorgesehenen Summe, nämlich auf stolze 45.021,73 Mark.

 

Wie auch immer, am 1. November 1898 konnte Emil Weyerbusch persönlich „seinen“, nach ihm als Spender benannten, im neugotischen Stil aus Grauwacke erbauten Turm mit U-förmigem, 5,4 x 4,4 m großen Grundriss, feierlich eröffnen. Eine Tafel aus Stein mit seinem Namen und dem Jahr der Eröffnung wurde in der Turmmauer eingelassen. So konnte man nun von einer Aussichtsplattform in ca. 21,60 m Höhe vom insgesamt 30,50 m hohen Weyerbuschturm auf Elberfeld blicken.

 

Allerdings musste man da erst mal hinkommen. Den Turmeingang in 3,50 m Höhe erreicht man über eine Außentreppe und von dort führen 119 Stufen durch ein Turmzimmer auf die Aussichtsplattform mit ihren vier hübschen Zinnen an den Ecken. Anfangs war das Turmzimmer offen und hatte drei Söller, aber die wurden 1945 von britischen Besatzungstruppen zugemauert und das Turmzimmer von den Briten als Funkstation genutzt. Bis in die jüngste Zeit richtete sich auch eine Amateurfunkgemeinschaft dort ein.

 

Auf halber Höhe schmückt ein langgezogener, halbrunder Erker mit drei übereinander liegenden Fensteröffnungen dieses Bauwerk, der oberhalb der Plattform in einen Rundturm mit einem spitz zulaufenden Kupferdach mündet und als Krönung noch eine Wetterfahne trägt. Dieser Erker gibt dem Weyerbuschturm trotz seiner kleinen Grundfläche einen burgähnlichen Charakter und lässt in der Tat die Frage nach Rapunzel aufkommen.

 

Dieser Turm hat ja nun doch deutlich länger gehalten als seine hölzernen Vorgänger, aber der Zahn der Zeit nagt auch an diesem Massivbau. 1981/82 wurde er schon einmal gründlich renoviert und die von den Briten zugemauerten Balkons mit Schiefer verkleidet, aber im Jahre 2008 zeigten sich wieder Spuren von Zerfall, denn der Weyerbuschturm erlitt einen Dachschaden. Eine notwendige Sanierung des Bauwerks musste in den Folgejahren aus Kostengründen auf ein Mindestmaß beschränkt bleiben. Mittlerweile kümmert sich der Förderverein historische Parkanlagen Wuppertal e. V. um den langfristigen Erhalt des Turmes.

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