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Wuppertal / Kultur & Bildung

Die Gesellschaft Concordia

Die Gesellschaft Concordia

Bei einem Gläschen Wein lässt sich´s gut beisammen sein. Zu essen scheint es hier ja nichts zu geben, denn es befinden sich keine Teller und Bestecke auf den Tischen. In diesem prunkvollen Saale sitzen lauter feine Herren beieinander, über hundert, um es genauer zu sagen. Sie blicken gespannt-interessiert auf den Fotografen, der etwas erhöht wohl auf einer Bühne steht, oder wird gerade ein Theaterstück, ein Kabarettist oder eine Musikaufführung angesagt? Wieso sind da eigentlich keine Damen im Saal? Die Herren jedenfalls haben sich einträchtig um die Tische gruppiert und „einträchtig“, das ist das Stichwort. „Eintracht“ heißt im Lateinischen „Concordia“ und um die geht es. Wir sehen hier Mitglieder der Gesellschaft Concordia, der ersten Gesellschaft Barmens. Leider ist das Datum dieses Fotos nicht bekannt, vermutlich ist es Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden.

 

Am 4. März 1801 fanden sich 25 Gleichgesinnte im Saal des Gasthauses „Grothaus“ im Mühlenweg zusammen, um eine Gesellschaft zu gründen, die sich im freundschaftlichen Kreise in der Freizeit am Abend geselligen Vergnügungen widmen wollte. Dabei hatte man mit einem Auge nach Elberfeld geschielt, denn dort gab es bereits die ähnlich motivierte Casinogesellschaft. Auch wenn wir auf diesem Bild eine reine Herrenrunde sehen, hatte die neue Bürgergesellschaft durchaus den Anspruch, auch ein Anziehungspunkt für die Barmer Damenwelt zu sein und so wurden Tanzveranstaltungen und Konzerte organisiert, die nicht zuletzt wegen ihrer Qualität regen Zuspruch fanden. Mitglieder werden konnten Frauen allerdings nicht und sie wurden nur zu größeren Veranstaltungen eingeladen. Natürlich ging es in dieser Gesellschaft nicht nur um unterhaltsame Zerstreuung nach Feierabend. Die meisten Concordia-Mitglieder gehörten zum gehobenen Bürgertum und tauschten sich hier in gepflegter, aber entspannter Atmosphäre über politische, wirtschaftliche und kulturelle Themen aus, und es wurden wichtige Kontakte geknüpft und gepflegt. Hohe Mitgliedsbeiträge, die zu berappen waren, sorgten dafür, dass zahlungskräftige Bürger unter sich blieben.

 

Schon bald nach ihrer Gründung erhielt die Concordia regen Zulauf, der Grothaus´sche Saal platzte bei den regelmäßigen Treffen der Gesellschaft aus allen Nähten und schon am 11. Juni 1803 wechselte man in die Wupperstraße 65. Zeitweilig hatte die Gesellschaft festgelegt, dass jedes Mitglied wenigstens einmal in der Woche anwesend zu sein hatte, im anderen Falle musste eine Strafe bezahlt werden, aber dagegen wurde mit Erfolg heftig protestiert. Wie passten auch Freizeitvergnügen und Anwesenheitspflicht zusammen. Und so wurde neben der niveauvollen Kommunikation Billard gespielt, gekegelt und ordentlich dem Wein zugesprochen. Bei allem Niveau ging es bei den politischen Diskussionen trotzdem auch mal hitziger zu bis hin zu Schlägereien, aber eine Geldbuße brachte die Beteiligten wieder zur Räson.

 

1816 brauchte die Concordia wieder mehr Platz für mittlerweile über 100 Mitglieder, daher beschloss man zu bauen. Am Werth entstand ein Gesellschaftshaus mit allen Schikanen: Weinkeller, Speisesaal, Gesellschaftssaal, Billardzimmer, Konzertsaal usw., alles komfortabel ausgestattet, auch wenn die Mitglieder unter den damit verbundenen Kosten stöhnten. Von außen sah das Gebäude allerdings eher schlicht aus. In den 1820er Jahren fanden nun zahlreiche Feste im eigenen Gebäude statt, auch jährliche Konzerte zugunsten der Armen und im Oktober 1819 wurde im Garten des Hauses noch eine eigene Kegelbahn gebaut und das alles trotz chronischen Geldmangels. Mehreinnahmen sollten durch höheren Weinkonsum der Mitglieder und durch Vermietungen einzelner Räume erzielt werden. Aber schon in der zweiten Hälfte der 1820er Jahren mussten Renovierungsarbeiten durchgeführt werden und so blieb das Geld immer ein Thema.

 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl Barmens stark an und mit ihr auch die Mitgliederzahl der Concordia. Die Kasse war endlich prall gefüllt, die Veranstaltungen waren es allerdings auch. Abhilfe schaffte der Anbau eines großen Konzertsaals mit Ibach-Orgel, der am 14. Februar 1861 mit einem fünf Stunden andauernden Festschmaus eingeweiht wurde. Im Laufe der Jahre fanden viele Konzerte und Feiern statt, musikalische und literarische Prominenz gab sich zu Konzerten und Vorträgen die Klinke in die Hand, Angehörige des preußischen Königshauses ließen sich in der Concordia königlich bewirten und ein weiterer Anstieg der Mitgliederzahlen sorgte in den 1870er Jahren für den Ankauf benachbarter Gebäude.

 

Die starke Nutzung der Concordia-Räume führte aber letztendlich zu der Notwendigkeit eines Neubaus, der unter dem Direktor Adolf Erbslöh betrieben wurde. Das neue Gebäude wurde bereits am 25. Januar 1900 eingeweiht, äußerlich viel eindrucksvoller als das alte, mit verziertem Eingangsportal und mehreren Ladenlokalen, die vermietet wurden, so dass es auf den ersten Blick wie ein Geschäftshaus aussah. Auch innen war alles noch viel prachtvoller als im alten Haus, diesmal wurde sogar ein eigenes „Damenzimmer“ berücksichtigt. Natürlich lagen die Gesamtkosten des Hauses viel höher als erwartet und die Concordia-Mitglieder wurden wieder mal zum Aderlass gebeten.

 

Die zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Krisen des 20. Jahrhunderts trafen auch die Concordia hart, aber sie lebt und pflegt auch heute eine breite Palette von niveauvollen geselligen und kulturellen Angeboten.

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