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Wuppertal / Kultur & Bildung

Wichlinghausen im Winter

Wichlinghausen im Winter

Dieses Foto entstand vermutlich in den 1970er, in einer Zeit, als es noch richtige Winter gab. Richtig dick liegt hier der Schnee auf den Straßen und kein Mensch ist unterwegs. Ein Dorf im Winterschlaf? Die Dächer der alten bergischen Häuser sind weiß und die dunklen Schieferfassaden bilden einen scharfen Kontrast zur weißen Pracht. Diese Schieferfassaden waren typisch für die bergischen Fachwerkhäuser und dienten der Fachwerkwand, dem sogenannten Gefache, auf der dem Wind zugewandten Seite als Wetterschutz. Wer es sich leisten konnte, kleidete auch alle vier Wände des Hauses mit Schiefer ein, quasi als frühe Form der Hausisolierung.

 

Wir sehen hier übrigens eine Winterszene in Wichlinghausen, dem zumindest hier dörflich wirkenden, historisch gewachsenen Stadtteil Wuppertals, der sich lange auf Grund seiner erhöhten Lage oberhalb des industrialisierten Tales seinen etwas abgeschlossenen Charakter erhalten konnte. Dennoch war Wichlinghausen keineswegs so verschlafen, wie es hier vielleicht wirkt. Bereits im Jahre 1808 wurde es in die Stadt Barmen eingemeindet, eine Reformmaßnahme der Franzosen, die 1806 das Herzogtum Berg im Tausch gegen das Fürstentum Ansbach erhielten.

 

Vorteil der etwas abgeschiedenen Lage war, dass Wichlinghausen im Zweiten Weltkrieg von Bombentreffern fast völlig verschont blieb. Dafür wurde hier nach dem Krieg Raubbau an der historischen Bausubstanz betrieben, schließlich brauchte man mehr Fläche für den wachsenden Verkehr. Auch wurden viele Neubauten hochgezogen. Aber wenigstens ein paar schöne alte historische Gebäude, vor allem im Umfeld des Wichlinghauser Marktes, sind stehen geblieben.

 

Aber wie alt ist dieser Wuppertaler Stadtteil denn eigentlich? Die Ortsbezeichnung Wichlinghausen lässt ebenso wie Heckinghausen eine Besiedlung vor dem Jahre 800 vermuten. Die Ersterwähnung Wichlinghausens in einer Veräußerungsurkunde im Jahre 1384 als Wichmerinchusen beschreibt den Übergang des Oberhofs Wichlinghausen mit seinem gesamten Hofverband von den Rittern Hermann und Albert Vincke von Kappeln an die Grafen von der Mark. Insgesamt 12 Höfe gehörten zum Wichlinghauser Hofverband. Später, nach etlichen Grundstücksabspaltungen, auf denen wiederum Kotten errichtet wurden, wurde aus dem Hofverband Wichlinghausen eine kleine Siedlung.

 

Die Industrialisierung des Wuppertals, vor allem der Aufstieg der Textilindustrie im 18. und 19. Jahrhundert führte auch in Wichlinghausen zu einem Anstieg der Bevölkerungszahlen und zwar so, dass es Ende des 19. Jahrhunderts 15.000 Einwohner zählte (2007: 16.000 Einwohner) und Flächen zu den benachbarten Stadtteilen fast vollständig geschlossen waren. Auch verkehrsmäßig tat sich etwas: 1873 baute die Rheinische Eisenbahngesellschaft als Konkurrenzstrecke zur Bahnlinie Elberfeld-Dortmund der Bergisch-Märkischen Eisenbahn die Wuppertaler Nordbahn, deren Trasse heute von Fußgängern und Fahrradfahrern genutzt werden kann. 1884 entstand noch die für den Güterverkehr gedachte Bahnstrecke Wuppertal-Wichlinghausen-Hattingen.

 

Und bedeutende Leute wurden hier geboren: Friedrich Bayer, der Urvater der Bayer AG, erblickte in Wichlinghausen am 6. Juni 1825 als Sohn eines Seidenwebers das Licht der Welt und gründete hier bereits im Alter von 23 Jahren seine eigene Farbhandelsfirma. Geboren wurde hier am 1. September 1724 auch Samuel Collenbusch, der wichtigste Vertreter des Pietismus in der Region. Und was geschah sonst noch? In der schmucken Villa Halstenbach, die sich ebenfalls in Wichlinghausen befindet, wurde am 17. August 1945 die Gründung der CDU beschlossen.

 

Das winterlich-ruhige, dörflich-schöne Ambiente auf dem Foto täuscht: Wichlinghausen ist ein lebendiger Stadtteil von Wuppertal mit Bewohnern aus allen Teilen der Erde und einer bewegten Geschichte und seit 2014 Standort der größten Outdoor-Parcouranlage Deutschlands.

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